Ifo-Institut erwartet auch 2010 Schrumpfen der Wirtschaft

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München. Die Experten des ifo-Instituts haben ihre Prognose für das Bruttosozialprodukt in diesem Jahr erneut gesenkt. Sie rechnen mit einem Schrumpfen um 0,3 Prozent und erwarten einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Zudem werde der Konsum gebremst.

Nach dem beispiellosen Konjunkturabsturz steht Deutschland nach Einschätzung des ifo-Instituts auch 2010 ein Rezessionsjahr bevor. Die Forscher rechnen mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,3 Prozent und einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. «Diese Rezession ist unvergleichlich schwieriger und schärfer als die vorherige», sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Dienstag in München. Die Experten senkten zudem ihre Prognose für 2009 noch einmal, sie erwarten nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,3 Prozent.

«Im nächsten Jahr gibt es praktisch noch kein wirkliches Wirtschaftswachstum», erklärte Sinn. 2010 werde erst die Talsohle erreicht. Zwar gebe es «erste Hoffnungsschimmer», meinte der ifo-Chef mit Blick auf die USA und China. «Aber die Lage ist nach wie vor grottenschlecht.» Zudem kämen viele Entwicklungen erst mit Verzögerung in Deutschland an. «Das bedeutet, dass bei uns das Schlimmste erst noch kommt.» Auch Bundesbank-Präsident Axel Weber erwartet ein schwieriges Jahr 2010 und fügte hinzu: «Ich glaube, dass die Perspektive für 2011 nur verhalten besser ist.»

Arbeitslosigkeit bremst Konsum

Vor allem die Arbeitslosigkeit werde steigen. Das ifo-Institut rechnet für 2009 mit durchschnittlich 3,6 Millionen Arbeitslosen. Für das kommende Jahr sagen die Experten durchschnittlich 4,3 Millionen Arbeitslose voraus, was einer Quote von 10,1 Prozent entsprechen würde. Bereits für die kommenden Monate prognostiziert ifo einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit und damit auch eine Abnahme des privaten Konsums. Das werde die konjunkturelle Entwicklung bremsen. So rechnen die Experten für 2010 mit einem Minus von 0,8 Prozent bei den privaten Konsumausgaben, für 2009 dagegen noch mit einem Plus von 0,3 Prozent. Sinn warnte ausdrücklich vor Steuererhöhungen.

Erst im Frühjahr 2010 sei mit einer Bodenbildung bei Produktion und Nachfrage zu rechnen, erklärten die Forscher weiter. Dann würden auch die Exporte wieder leicht anziehen. Nach einem Einbruch von 17 Prozent im laufenden Jahr, sagt das ifo für 2010 bei den Exporten ein Plus von 2,3 Prozent voraus. Im zweiten Halbjahr 2010 rechne er mit einem leichten Wachstum «im unmerklichen Bereich», sagte Sinn.

Warnung vor Kreditklemme

Der Wirtschaftsforscher warnte zugleich vor einer Kreditklemme. «Die Bankenkrise ist noch nicht gelöst», sagte er. Ein großer Teil der Abschreibungen auf toxische Papiere sei noch nicht erfolgt. Die Banken bräuchten Eigenkapital. «Wir kriegen eine Kreditklemme, wenn hier nicht gehandelt wird», sagte Sinn. «Der Staat muss da rein», forderte er. Infolge der Krise rechnen die ifo-Forscher im kommenden Jahr mit einem Staatsdefizit in Höhe von 141,1 Milliarden Euro. Für 2009 erwarten sie eine Verschuldung in Höhe von 80,1 Milliarden Euro.

Für dieses Jahr erwartet ifo einen Rückgang des BIP um 6,3 Prozent. Ende April hatte das Institut im Rahmen der Frühjahrsprognose noch ein Minus von 6 Prozent für 2009 vorhergesagt. Die Prognose der Münchner Forscher fällt minimal besser aus als die ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Vorhersage des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Dessen Experten rechnen 2009 mit einem Minus von 6,4 Prozent. Im Gegensatz zum ifo-Institut hält aber das RWI im kommenden Jahr wieder einen BIP-Anstieg von 0,2 Prozent für möglich. (ap)

 
 

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