ICE-Flotte braucht womöglich neue Achsen

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Berlin. Die Bahn rechnet mit weiteren Problemen bei der ICE-Flotte. Bei den neuen Hochgeschwindigkeitszügen müssen womöglich alle Achsen ausgetauscht werden, sagte Bahnchef Mehdorn in einem Interview. Die Reparaturen könnten bis zu zwei Jahre dauern.

Bei der neuen ICE-T-Hochgeschwindigkeitsflotte der Bahn müssen womöglich alle Achsen ausgetauscht werden. Die Bahnindustrie habe ursprünglich für Mitte vergangenen Monats eine Lösung der Probleme mit den Achsen in Aussicht gestellt, sagte Bahnchef Harmut Mehdorn der «Bild am Sonntag». «Jetzt haben wir Mitte Januar und ich habe immer noch keine Antwort bekommen. Unsere Experten schließen nicht mehr aus, dass wir bei der ICE-T-Flotte die entsprechenden Achsen austauschen müssen.»

Der Austausch könnten demnach noch bis zu zwei Jahre dauern. «Entwicklung, Produktion und Austausch neuer Achsen dauern realistisch bis zu zwei Jahren», sagte Mehdorn. Der Bahnchef bezifferte den Schaden auf einen dreistelligen Millionenbetrag. «Wir werden wegen der Risse in den Achsen bei der Industrie Schadenersatz geltend machen», kündigte Mehdorn an. «Ich gehe von einem dreistelligen Millionenbetrag aus.»

Mehdorn: "Für Streiks hätte niemand Verständnis"

Doch die Bahn kämpft noch an einer weiteren Front: Mehdorn ruft die Gewerkschaften im Tarifstreit zum Verzicht auf Streiks auf. «Ich appelliere an die Gewerkschaften, jetzt der Arbeitsplatzsicherung bei der Bahn oberste Priorität einzuräumen», sagte Mehdorn der «Bild am Sonntag». «Wenn wir wie bisher ohne Entlassungen auskommen wollen, müssen die Gewerkschaften dazu ihren Beitrag leisten. Für Streiks hätte jetzt niemand Verständnis.»

Wenn die Bahn gute Gewinne mache, solle jeder Mitarbeiter mehr Geld verdienen, sagte Mehdorn. «Zurzeit sieht es aber so aus, als ob wir 2009 schlechter da stehen werden», sagte er. Im Schienengüterverkehr habe das Unternehmen im Dezember 40 Prozent Umsatz verloren. «Wir merken da die Umsatzrückgänge unserer Auftraggeber in der Automobil-, Chemie-, Holz- und Bauindustrie», sagte er. Ziel der Bahn sei, einen Personalabbau zu vermeiden. «Ich halte es für erreichbar, ohne Entlassungen durch die Krise zu kommen», sagte Mehdorn. (ddp/afp)

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