Hunderte Flüge wegen Warnstreiks ausgefallen

Tausende Flugreisende in ganz Deutschland müssen sich heute auf Beeinträchtigungen im Flugverkehr einstellen. Grund sind Warnstreiks der Angestellten im öffentlichen Dienst, die für die Gepäckabfertigung oder die Sicherheit an den Flughäfen zuständig sind.

Düsseldorf. Die Abflugzeit steht auf rot und rot bedeutet: Verspätung. Antalya statt 6 Uhr 10.30 Uhr, Tegel statt 6.40 Uhr 8.45 Uhr, Puerto Plata statt 9.05 Uhr 11.40 Uhr zeigen die Anzeigetafeln - aber insgesamt halten sich die Verspätungen auf dem Flughafen Düsseldorf in überschaubarem Rahmen.

Der Verdi-Streik erwischt nur wenige Menschen. "Ich stand schon in der Abfertigung, da wurde die Abfertigung eingestellt", sagt die Mönchengladbacherin Gisela Schmidt auf ihrem stockenden Weg nach Berlin-Tegel: "Jetzt bin ich auf 10.40 Uhr, aber ob der 'rausgeht, kann mir niemand sagen." Und für ein anderes Ehepaar Schmidt aus Münster verschiebt sich der Abflug in den dominikanischen Urlaub um zweieinhalb Stunden. "Was soll man machen?", fragen die beiden eher rhetorisch: "Bleibt ja nichts anderes übrig als warten."

Streik ist laut Flughafen-Sprecher "glimpflich" verlaufen

"Sehr glimpflich" sei der Streik bisher verlaufen, sagt Flughafen-Sprecher Thomas Kötter. Bis auf die vorab annullierten Flüge "haben wir geschafft, alle 'rauszukriegen. teilweise mit Verspätung."

Eine Düsseldorferin, gestoppt durch Annullierung, fährt nun erstmal wieder heim: "Ich habe null Verständnis für die Gehaltsvorstellung dieser Leute da unten", erregt sie sich. Um 12 Uhr soll wieder Normalbetrieb herrschen.

Warnstreiks auf Flughäfen ausgeweitet 

Die Warnstreiks im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes haben am Dienstag den Flugverkehr in Deutschland erheblich beeinträchtigt. Tausende Flugreisende müssen mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Am Flughafen Düsseldorf mussten bis zum Morgen 25 Flüge annuliert werden. Die Flüge verspäteten sich um etwa zweieinhalb Stunden - hauptsächlich wegen Streikaktionen an anderen deutschen Flughäfen. "Am Terminal ist es insgesamt sehr ruhig. Nach gestrandeten Passagieren, die man normalerweise bei einem Streik erwartet, muss man lange suchen", sagte ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf auf Anfrage von DerWesten.

Auch Angestellte im öffentlichen Dienst an den Flughäfen Köln/Bonn, Münster/Osnabrück und Dortmund waren zum Warnstreik aufgerufen. In Dortmund legten die Angestellten von 4 bis 6 Uhr morgens ihre Arbeit nieder. 1000 Passagiere waren durch Flugausfälle oder Verspätungen betroffen.

Auch am Frankfurter Flughafen legte um 5 Uhr morgens ein Teil des Bodenpersonals die Arbeit nieder. Ein Flughafensprecher schätzte, dass allein dort mehr als 500 Flüge ausfallen werden. Die Streiks sollten bis zum frühen Nachmittag anhalten und dürften zehntausende Flugreisende betreffen, die sich auch noch danach auf Ausfälle und Verspätungen einstellen müssen. "Die Auswirkungen werden sich noch bis morgen hinziehen", sagte der Sprecher.

Inlandreisende können Deutsche Bahn nutzen

Allein Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa wollte rund 400 der normalerweise über 1800 Flüge ausfallen lassen. Inlandsreisende können Züge der Deutschen Bahn nutzen.

  • Flughafen Köln-Bonn: Um 0 Uhr ist der Warnstreik am Flughafen Köln-Bonn bei der Be- und Entladung der Frachtmaschinen gestartet, später soll auch bei der Gepäckabfertigung, den Bodenverkehrsdiensten, der Technik, Sicherheit und Verwaltung sowie bei der Bundespolizei die Arbeit niedergelegt werden.
  • Flughafen Düsseldorf: In Düsseldorf hat die Gewerkschaft für 4 bis 12 Uhr die Gepäckabfertigung, Busdienste, den Crewtransport und die Werkstätten zum Warnstreik aufgerufen.

Allen Fluggästen, die heute ab Düsseldorf starten, wird empfohlen, sich vor Reiseantritt über den aktuellen Status ihres Fluges bei der Airline oder dem zuständigen Reiseveranstalter zu informieren. Darüber hinaus erhalten Reisende auch Informationen auf der Homepage des Flughafens und bei der Telefon-Hotline des Airports: 0211-421-0.

Verdi-Chef Bsirske: Stehen an Wegscheide 

Unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst erhöht die Gewerkschaft Verdi den Druck auf die Arbeitgeber. "Wir stehen an einer Wegscheide", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Dienstag bei einer Kundgebung am Frankfurter Flughafen. Er sprach von einem "Finale der Verhandlungen" am Mittwoch und Donnerstag.


Er könne nur hoffen, dass die Arbeitgeber ihre Haltung änderten: "Andernfalls laufen wir auf Urabstimmung und Arbeitskampf hinaus." Sollte eine Schlichtung angerufen werden, werde es keinen Abschluss geben, ohne die Gewerkschaftsmitglieder zu befragen. Wenn die Kollegen Nein sagten, "werden wir in den Streik gehen", sagte Bsirske.

Mit den Arbeitsniederlegungen will Verdi in der laufenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Gehalt für die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen durchsetzen. Die Arbeitgeber bieten derzeit 3,3 Prozent mehr Geld für zwei Jahre.

Friedrich kritisiert Ausweitung der Streiks als unangemessen

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat die Ausweitung der Streiks auf Flughäfen als "unangemessene Reaktion" kritisiert. "Da wir ein substanzielles Angebot gemacht haben, ist es ungerechtfertigt, die Bevölkerung jetzt mit diesen Streiks zu malträtieren", sagte der CSU-Politiker der "Rheinischen Post".

Mit Material von tob/dapd/rtr

 
 

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