Hohe Energiepreise alarmieren die Ruhr-Wirtschaft

Der Hafen in Duisburg. Die Ruhr-Wirtschaft ist solide aufgestellt, meinen die Kammern. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Der Hafen in Duisburg. Die Ruhr-Wirtschaft ist solide aufgestellt, meinen die Kammern. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Die Wirtschaft an Rhein und Ruhr ist nach Einschätzung der Kammern gut aufgestellt. Laut einer Umfrage sind die Unternehmer zuversichtlich. Doch sie plagen auch Sorgen – an erster Stelle wegen der steigenden Preise für Energie und Rohstoffe.

Bochum. Das Ruhrgebiet trotzt der Finanzkrise und der sich abzeichnenden Wirtschaftsflaute. Das belegt der Ruhr-Lagebericht. Allerdings ächzten die Unternehmen in Duisburg und am Niederrhein in besonderem Maße unter hohen Energiepreisen und Lücken in der Infrastruktur, so Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Duisburg/Wesel/Kleve.

„Die Konjunktur im Ruhrgebiet hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Für dieses Jahr deutet sich eine in etwa gleichbleibende Entwicklung an“, fasste am Dienstag Jürgen Fiege, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet, die Ergebnisse einer revierweiten Umfrage unter rund 1000 Unternehmen mit 142 000 Beschäftigten zusammen. Nach dem Rekordjahr 2011, als der Ruhr-Index im Herbst bei 114 Punkten lag, sank das Konjunktur-Barometer zum Jahresbeginn 2012 nur geringfügig um zwei Punkte. Fiege, der in diesem Jahr für alle Ruhrgebiets-Kammern spricht: „Lage und Erwartung liegen im grünen Bereich und in der Tendenz auf Bundesniveau.“

Ohne Ausnahme präsentierten sich alle Wirtschaftsbereiche der Umfrage zufolge „in solider Verfassung“. 41 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als „gut“, rund die Hälfte als „befriedigend“. Nur jeder zehnte Betrieb sieht seine Situation als „schlecht“ an.

Positive Grundstimmung

In ähnlich positiver Grundstimmung sind die Revier-Unternehmen in das Jahr 2012 gestartet. 60 Prozent halten eine gleichbleibende Entwicklung mit einem moderaten Wachstum für wahrscheinlich. Jeder fünfte Betrieb rechnet gar mit einer Verbesserung. Ebenso viele erwarten eine Verschlechterung.

Dennoch herrscht an Rhein und Ruhr nicht nur Sonnenschein. Jedes zweite Unternehmen empfindet die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die Inlandsnachfrage und vor allem die Energie- und Rohstoffpreise als Risiko. „Die Ratlosigkeit der Wirtschaft über die Politik drückt sich im aktuellen Lagebericht besonders aus“, sagt Stefan Dietzfelbinger von der Duisburger IHK. Sein Kammerbezirk zählt zu den deutschen Regionen mit den meisten energieintensiven Unternehmen. In Duisburg und am Niederrhein werden rund 13 Prozent der bundesweiten industriellen Energiemenge verbraucht.

Verstopfte Straßen

Die Umfrage der Kammern ergab, dass zwei Drittel der Unternehmen versuchen werden, die steigenden Energiepreise auf ihre Kunden umzulegen. Bochums IHK-Präsident Fiege erhob deshalb mahnend den Zeigefinger: „Die Energie- und Rohstoffpreis-Entwicklung ist eine nicht zu unterschätzende Stellschraube für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt.“

Ein Dauerbrenner im Ruhrgebiet bleiben aber auch die verstopften Straßen. Fiege kritisierte scharf die Bundesregierung, die die Mittel für den Ausbau der A 43 im Ruhrgebiet ersatzlos gestrichen habe. Am Niederrhein nimmt die IHK beharrlich die Politik in die Pflicht, die Betuwe-Eisenbahnlinie nach Rotterdam tatsächlich auszubauen. Auch der Neubau des „Eisernen Rheins“ nach Antwerpen parallel zur Autobahn A 52 bleibt Forderung der Kammer.

Maschinen gut ausgelastet

Auf der Tagesordnung der nicht abgearbeiteten Punkte steht auch die von der IHK geforderte Kooperation der Häfen am Niederrhein mit dem Hafen in Duisburg.

Die Maschinen und Anlagen der Ruhrgebiets-Unternehmen waren laut Ruhr-Lagebericht zu 84 Prozent ausgelastet. Ein guter Wert. Allerdings schwächelt der Export ein wenig. Die Investitionsbereitschaft fällt zum Jahresbeginn etwas geringer aus als im Herbst. Auch bei Personalaufstockungen sind die Firmen vorsichtiger. Dennoch wollen 18 Prozent neue Stellen schaffen und nur 13 Prozent Mitarbeiter abbauen.

 
 

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