Hochtief streicht Arbeitsplätze und erhöht die Dividende

Drei Jahre nach der Übernahme des Traditionskonzerns Hochtief klingeln beim spanischen Großaktionär ACS die Kassen.
Drei Jahre nach der Übernahme des Traditionskonzerns Hochtief klingeln beim spanischen Großaktionär ACS die Kassen.
Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Der Baukonzern Hochtief füllt die Kassen seines spanischen Großaktionärs ACS. Der Essener Konzern streicht bis zu 1000 Stellen in Deutschland. Gleichzeitig soll die Dividende deutlich steigen. Auch Vorstandschef Fernández Verdes verbuchte ein sattes Gehaltsplus.

Essen.. Real Madrid und der Essener Baukonzern Hochtief haben eine Gemeinsamkeit. Letztlich ­regiert bei ihnen ein gewisser Florentino Pérez. Er ist Real-Präsident und steht zugleich an der Spitze des spanischen ACS-Konzerns. ACS wiederum hatte vor drei Jahren in einer spektakulären Schlacht Deutschlands größtes Bauunternehmen Hochtief übernommen.

Dass die Fußballer von Real und die Führungsriege von Hochtief dieser Tage im selben Hotel zu Gast waren, soll indes ein Zufall gewesen sein. Die Welt ist eben klein. Vor dem Schalke-Spiel nächtigte die Mannschaft von Real im Essener „Atlantic“, tags darauf präsentierte Hochtief seine Bilanz in dem Hotel. Eingeladen hatte Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes – ein Vertrauter von ACS-Boss Florentino Pérez.

Nicht nur der Sieg über Schalke, auch die Ergebnisse von Hochtief dürften Pérez gefallen haben. Drei Jahre nach der Übernahme des Traditionskonzerns klingeln beim spanischen Großaktionär ACS die Kassen. Eine deutlich höhere Dividende, steigende Gewinne – die Spanier können sich über mehr Macht und mehr Geld bei Hochtief freuen. Der von ACS entsandte Hochtief-Chef Fernández Verdes verkauft Tochterfirmen, kürzt beim Personal und trimmt das Unternehmen auf Rentabilität. Der Konzerngewinn stieg von 155 auf 171 Millionen Euro. Davon profitiert insbesondere der spanische Mehrheitseigner.

Firmenverkäufe und Stellenabbau als Strategie

Die Verkäufe des Flughafengeschäfts und der Servicesparte haben Geld in die Konzernkasse gespült. Auf der Verkaufsliste stehen noch die Tochterfirmen Formart, HTP und Property Management.

Beim Baugeschäft in Deutschland setzt der Hochtief-Chef den Rotstift an. „800 bis 1000 Stellen“ sollen wegfallen, bestätigte Fernández Verdes. Diese Zahlen kursierten schon seit einigen Wochen im Umfeld des Unternehmens. Ziel sei es, betriebsbedingte Kündigungen „so weit wie möglich zu vermeiden“. Mit mehr als 80 Prozent der von Stellenstreichungen betroffenen Mitarbeiter habe Hochtief bereits eine Einigung erzielt.

Hochtief-Dividende soll auf 1,50 Euro pro Aktie steigen

Während sich die Belegschaft auf einen Sparkurs einstellen muss, verspricht Hochtief den Aktionären mehr Geld: Die Dividende für das Jahr 2013 soll von einem Euro je Aktie auf 1,50 Euro steigen. Von „mehr Wert“ für die Aktionäre spricht Fernández Verdes. Dazu soll auch ein Aktienrückkauf-Programm beitragen. Der Konzernchef will zehn Prozent der Hochtief-Aktien einziehen. Der Anteil des spanischen Mutterkonzerns ACS klettert damit weiter – auf mehr als 55 Prozent.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte bereits kritisch angemerkt, größter Nutznießer dieses Vorgehens sei ACS. Der Aktienrückkauf erhöhe den Anteil der Spanier an Hochtief, ohne das ACS selbst Geld in die Hand nehmen müsse. Gleichzeitig profitiere ACS von den durch den Rückkauf wachsenden Dividenden-Zahlungen. Häufig treiben Aktienrückkäufe auch die Kurse an der Börse.

Sattes Gehaltsplus für Hochtief-Konzernchef Fernández Verdes

Hochtief-Chef Fernández Verdes verbucht ebenfalls mehr Geld auf seinem Konto. Für das Jahr 2012 verzeichnete er laut Geschäftsbericht Gesamtbezüge von 1,45 Millionen Euro, ein Jahr später waren es schon 4,5 Millionen Euro.

Die Frage, ob sich die Übernahme für ACS gelohnt habe, will Fernández Verdes nicht beantworten. „Das müssen Sie ACS fragen“, sagt er dazu. Doch leider war der ACS- und Real-Boss Florentino Pérez am Tag der Bilanzpräsentation schon wieder abgereist.

 
 

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