Harte Kritik an Fitschen und Jain

Frankfurt..  Harsche Kritik, Buhrufe und Pfiffe, vereinzelte Rücktrittsforderung und der Antrag auf Nicht-Entlastung: Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank mussten auf der Hauptversammlung in Frankfurt heftige Attacken aus den Reihen der rund 5000 anwesenden Aktionäre über sich ergehen lassen. Der von vielen Beobachtern erwartete Aufstand blieb jedoch aus.

Allerdings zeigten die Aktionäre dem Führungsduo am Abend die gelbe Karte. Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet. Üblich sind mit mindestens 90 Prozent erheblich mehr.

Eine Rüge gab es auch von Aufsichtsratschef Paul Achleitner: „Die Leistung des Vorstandes ist durchwachsen.“ Die beiden Chefs räumten nur ansatzweise Versäumnisse ein und gaben sich optimistisch, dass spätestens im Jahr 2020 zum 150-jährigen Jubiläum der Deutschen Bank alles besser sein werde als heute.

Der scheidende Privatkunden-Vorstand Rainer Neske wurde von den Anteilseignern demonstrativ mit anhaltendem Applaus gewürdigt. Er hatte vergeblich gegen die Trennung von der Postbank gekämpft und wird die Deutsche Bank nach 25 Jahren zum 30. Juni verlassen. Der zweite Mann in der Privatkunden-Sparte, Christian Ricken, verliert seinen Posten im erweiterten Vorstand. Neuer Privatkunden-Chef wird überraschend Christian Sewing, der seit Jahresbeginn für die juristischen Altlasten zuständig ist. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nannte die zahlreichen Strafen für die Deutsche Bank „einen direkten Schlag in das Gesicht“ der Aktionäre. „Die Aktionäre zahlen die Zeche für die Zockereien der Investmentbanker.“ Auch Markus Kienle von der Aktionärsvereinigung SdK äußerte massive Zweifel an Jain. „Sind Sie das Problem dieser Bank, die Lösung oder beides?“, fragte Kienle. Hans-Christoph Hirt, Sprecher des Großaktionärs Hermes, betonte, Jain und Fitschen hätten massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Beide trügen die Verantwortung für eine Unternehmenskultur, in der Manipulationen möglich gewesen seien.

Auch Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, übte scharfe Kritik an Jain und Fitschen. Mit der neuen Strategie müsse man sich auf fünf weitere ertragsschwache Jahre einstellen. „Wir fragen uns langsam, ob das Management der Deutschen Bank noch in der Lage ist, das Unternehmen adäquat zu führen“, sagte Speich.

Vor allem Jain, der nur zur Begrüßung fünf Sätze auf Deutsch sprach, dann aber ins Englische wechselte, nahm die Schelte mehr oder weniger ungerührt zur Kenntnis. Von Chefaufseher Achleitner erhielt er Rückendeckung und ging am Ende sogar gestärkt aus den Turbulenzen der vergangenen Wochen hervor. Beim Umbau des Vorstands erhielt Jain neue Kompetenzen, er übernimmt nun auch die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung.

Fitschen dagegen, der durch den laufenden Kirch-Prozess in München belastet ist, bekommt keine neuen Aufgabengebiete, sondern gibt die Zuständigkeit für die unternehmensinterne „Bad Bank“ ab.

Schließlich erklärte Achleitner die aus seiner Sicht offenbar leidige Strategiedebatte kurzerhand für beendet: „Auch wenn manche über Phantomschmerzen zu verfügen scheinen: Richtungsdiskussionen gehören der Vergangenheit an“, so der Aufsichtsratschef.

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