Gewerkschafter streiken bei der Gewerkschaft Verdi

Verdi-Chef Frank Bsirske bei einer Kundgebung im April 2016.
Verdi-Chef Frank Bsirske bei einer Kundgebung im April 2016.
Foto: imago/Manngold
Am Montag haben bundesweit rund 1000 Verdi-Beschäftigte gegen die Gewerkschaft und für höhere Löhne protestiert. Die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) berichtet von zunehmender Arbeitsbelastung. „Die Leute gehen teilweise auf dem Zahnfleisch“.

Frankfurt..  Die Gewerkschaft Verdi ist am Montag erstmals selbst von Warnstreiks ihrer Beschäftigten getroffen worden. In mehreren Städten legten Verdi-Mitarbeiter die Arbeit nieder, um für höhere Gehälter zu demonstrieren. Die zentrale Protestkundgebung gab es in Frankfurt, wo die Entgeltverhandlungen für die etwa 3000 Verdi-Beschäftigten stattfanden. Zu den Warnstreiks hatten der Verdi-Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) aufgerufen.

Der GdG-Vorsitzende Bernhard Stracke sprach gestern gegenüber der NRZ von zunehmend schwierigen Arbeitsbedingungen bei der Dienstleistungsgewerkschaft: „Die Belastungen sind durch den Personalabbau der vergangenen Jahre enorm geworden, die Leute gehen teilweise auf dem Zahnfleisch.“ Viele Beschäftigte arbeiteten weit mehr als die vereinbarte Wochenarbeitszeit. „Es wird von den Leuten erwartet, dass sie mehr tun.“

GdG-Chef: „Ich bin als Nestbeschmutzer beschimpft worden“

Deswegen, so Stracke, seien viele Verdi-Beschäftigte empört über das erste Angebot der Arbeitgeber, das eine Gehaltserhöhung um ein Prozent zum Ende dieses Jahres und um ein weiteres Prozent im kommenden Jahr vorgesehen habe. Zum Vergleich: Bei den Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst hatte Verdi 4,75 Prozent erstritten.

Die aus dem 1994 gegründeten Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) hervorgegangene GdG hat nach Strackes Angaben insgesamt 1000 Mitglieder und vertritt zehn Prozent der Verdi-Beschäftigten. Damit ist sie zu klein, um am Verhandlungstisch zu sitzen. „Es gibt viele gute Leute, die für uns im Hintergrund arbeiten, aber aufgrund ihrer Funktion nicht den Mut haben, sich zu outen“, sagt Stracke. Er selbst sei aus Gewerkschaftskreisen als „Nestbeschmutzer“ beschimpft worden, nachdem er den Unmut unter den Verdi-Beschäftigten publik gemacht habe.

Neben einer Gehaltserhöhung von 6,5 Prozent fordert die GdG auch einen Tarifvertrag. Für ihn sei es unverständlich, dass Verdi-Chef Frank Bsirske allenthalben Tarifverträge für alle Beschäftigen in Deutschland fordere, dies aber im eigenen Haus ablehne, so Bernhard Stracke. „Es spricht kein Argument gegen einen Tarifvertrag.“

„Wir verhandeln mit uns selbst“

Verdi-Sprecher Jan Jurcyk sagte der NRZ, die GdG habe zumindest am Standort Berlin „keinerlei Basis“ und versuche sich lediglich ins Gespräch zu bringen. Die GdG habe anders als der Gesamtbetriebsrat kein Verhandlungsmandat. „Eine Gewerkschaft unterscheidet sich von normalen Arbeitgebern. Wir verhandeln mit uns selbst. Man kann keine Gewerkschaft in der Gewerkschaft gründen.“ Deswegen gebe es auch keinen Tarifvertrag, der nur von externen Organisationen abgeschlossen werden darf.

An dem Warnstreik nahmen nach GdG-Angaben gestern etwa 1000 Verdi-Beschäftigte teil, also rund ein Drittel der hauptamtlichen Mitarbeiter.

 
 

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