Gesundheitsbranche ist inzwischen ein Jobmotor im Ruhrgebiet

Medizintechnik gewinnt als Wirtschaftsfaktor im Ruhrgebiet an Bedeutung.
Medizintechnik gewinnt als Wirtschaftsfaktor im Ruhrgebiet an Bedeutung.
Foto: dpa
Der Wirtschaftsförderer Rasmus C. Beck hält die Beschäftigungskrise in vielen Märkten des Reviers für überwunden. Der Gesundheitsbranche und der Gebäudesanierung kommen Schlüsselrollen zu.

Essen.. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet und ihre Beschäftigung wachsen schneller als in Bund und Land. Das geht aus dem Wirtschaftsbericht Ruhr 2014 vor, den die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR) vorgelegt hat.

Danach stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2013 (jüngere Zahlen liegen nicht vor) in den 53 Städten und Gemeinden, die zum Regionalverband Ruhr gehören, um 1,4 Prozent. Das entspricht einem Plus von rund 18.000 Stellen. Bundesweit war nur ein Anstieg um 1,1 Prozent zu beobachten. „Innerhalb des Strukturwandels haben wir in einigen Leitmärkten das tiefe der Tal der Beschäftigungskrise überwunden“, sagt WMR-Geschäftsführer Rasmus C. Beck.

Industrie im Umbruch

Als Jobmotor mit einem Wachstum von 3,3 Prozent oder 9526 Stellen erwies sich der Leitmarkt Industrieller Kern und Unternehmerische Dienstleistungen. Der Sektor befindet sich im Umbruch. 2012 sank der Umsatz zwar deutlich um 9,3 Prozent auf 71,1 Milliarden Euro. Die Zahl der industriellen Unternehmen allerdings stieg um 2,3 Prozent auf knapp 21.000. Nach Einschätzung von Wirtschaftsförderer Beck deutet diese Entwicklung darauf hin, dass sich immer mehr mittelständische Firmen auf dem industriellen Sektor tummeln. Die Umsatzrückgänge in dieser Sparte entfallen nach Angaben der WMR zu über 62 Prozent auf die Stahl- und Roheinsenproduktion sowie auf die Hersteller von Grundstoffchemie.

Revierwirtschaft Eine immer größere Rolle im Ruhrgebiet spielt die Gesundheitsbranche. Die 6537 Unternehmen setzten 20,4 Milliarden Euro um und schufen 4500 zusätzliche Arbeitsplätze. Auch wenn der Löwenanteil des Stellenzuwachses auf Pflegedienstleistungen entfällt, legten auch die Hersteller von Medizintechnik deutlich zu. Von den Beschäftigungsimpulsen profitierten laut WMR insbesondere Bottrop, Dortmund, Essen und Oberhausen sowie der Kreis Unna.

Nachholbedarf bei energetischer Sanierung

Eine Schlüsselfunktion kommt dem Leitmarkt Urbanes Bauen und Wohnen zu, dessen knapp 40 000 Unternehmen 34,2 Milliarden Euro umsetzten. Das waren 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Beschäftigungsgewinne schlugen sich hier vor allem in Dortmund, Gelsenkirchen, im Ennepe-Ruhr-Kreis und im Kreis Wesel nieder. Die Baubranche profitiert vom Sanierungsstau in vielen Gebäuden und Siedlungen, die nach dem Krieg entstanden sind. Aber auch die hiesige Klimaschutzwirtschaft, davon ist Professor Franz Lehner, Mitverfasser des Berichts, überzeugt, profitiere von Investitionen in die energetische Ertüchtigung von Häusern. „Nach einer Studie der Universität der Vereinten Nationen ist die Klimaschutzwirtschaft im Ruhrgebiet vorbildhaft.“

„Sanierung hat ihre Grenzen“

Im Hinblick auf die gewaltigen Investitionen, die bei der energetischen Gebäudesanierung notwendig sein werden, mahnt Wirtschaftsförderer Beck allerdings: „Die Renditeerwartungen institutioneller Anleger werden im Ruhrgebiet noch nicht flächendeckend erfüllt. Der Markt allein wird es nicht richten können.“ Umso mehr begrüßt Beck, dass Deutschlands größte Wohnungsgesellschaft Vonovia, die sich aus der Fusion von Deutscher Annington und Gagfah bildet, ihren Sitz in Bochum, nehmen wird. Beck betont aber auch: „Sanierung hat ihre Grenzen“ und zielt damit auf steigende Mieten für modernisierte Wohnungen. „Ich erhoffe mir von den Unternehmen, dass sie ihre Investitionen strategisch und langfristig tätigen. Die Mieten dürfen nur schrittweise steigen.“

 
 

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