Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt näher – Stammsitz in Essen könnte vor dem Aus stehen

Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof sind in ihren Gesprächen über ein Zusammengehen beider Warenhausketten vorangekommen.
Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof sind in ihren Gesprächen über ein Zusammengehen beider Warenhausketten vorangekommen.
Foto: Birgit Reichert / dpa
Die Eckpunkte einer Fusion der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt sind offenbar ausgearbeitet. Es soll eine erste Erklärung geben.

New York.  Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof sind in ihren Gesprächen über ein Zusammengehen beider Warenhausketten vorangekommen. Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, haben der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) und der österreichische Karstadt-Eigner René Benko am Dienstag eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Diese sehe vor, Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in ein Joint Venture einzubringen. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch aus Verhandlungskreisen bestätigt.

Dem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge könnte Benkos Firma Signa etwas mehr als die Hälfte der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft führen.

Wohl keine Filialschließungen im großen Stil

Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die Mitarbeiter der beiden Ketten hätte, sei bislang nicht genau geklärt. Verwaltung und Einkauf sollten zusammengelegt werden. Die Schließung von Filialen in großem Stil stehe nicht zur Debatte.

Als relativ sicher gelte, dass der Karstadt-Stammsitz in Essen zugunsten einer anderen Stadt in NRW wegfallen solle. Weder HBC noch Signa wollten demnach Fragen zu dem Geschäft beantworten.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Eigentümer beider Ketten über eine Zusammenarbeit sprechen. Karstadt-Eigentümer Benko liebäugelt seit Jahren damit, auch den Kaufhof in sein Warenhausimperium zu integrieren und durch den Zusammenschluss der Rivalen eine „Deutsche Warenhaus AG“ zu schaffen.

Doch seine Anläufe zur Übernahme von Kaufhof waren in den vergangenen Jahren immer wieder gescheitert. Erst vor wenigen Monaten hatte HBC ein drei Milliarden Euro schweres Kaufangebot des Österreichers für den Kaufhof und ein damit verbundenes Immobilienpaket abgelehnt.

Situation ist vor allem bei Kaufhof kritisch

Beide Warenhausketten leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando. Verschärft wurde die Situation durch Managementfehler.

Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Der Kölner Handelsriese kämpft seit der Übernahme durch die Kanadier Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald verhandelt deshalb zurzeit mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag, der die Kosten des Unternehmens um einen Millionenbetrag senken soll.

Doch auch Karstadt hat nach einer harten Sanierung gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen Euro aus. (dpa/cho)

 
 

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