Funke-Gruppe erteilt Springer eine Absage

Der Springer-Verlag hat ein Angebot für die WAZ-Gruppe abgegeben. Bei der Funke-Gruppe, die derzeit über die Übernahme der Brost-Anteile verhandelt, stößt die Offerte auf Ablehnung.

Essen. Springer-Chef Mathias Döpfner hat ein „erhebliches Interesse“, von der WAZ deren Beteiligungen in Österreich, die Thüringer Zeitungen, die Braunschweiger Zeitung, die Zeitschriften und die Anzeigenblätter zu erwerben. Das steht in einem fünfseitigen Brief, den Döpfner an die Gesellschafter der Funke-Familie und an den Testamentsvollstrecker der Brost-Seite schickte. Dafür bietet Döpfner 800 Millionen Euro. Die gesamte WAZ-Gruppe, also mit Ruhrgebietsblättern, Radio- und Internet, wären ihm 1,4 Milliarden Euro wert.

Döpfner hat sein Angebot mitten in die Verhandlungen über einen Eigentümerwechsel bei der WAZ platziert. Petra Grotkamp möchte die Brost-Anteile, also die Hälfte der Firma, kaufen. Die Brost-Enkel sind an der WAZ nicht interessiert. Grotkamp besitzt ein Drittel der Funke-Anteile. Der Kauf der Brost-Anteile hängt ab von der Zustimmung des Testamentsvollstreckers Peter Heinemann. Der reagierte auf die Springer-Offerte als Erster. Um 17.10 Uhr schickte er ein biblisches Zitat: „Prüfet alles und behaltet das Beste.“ Danach wäre alles offen.

Petra Grotkamp verweist aufs Vorverkaufsrecht

Um 17.21 Uhr schickte Petra Grotkamp ihre Stellungnahme. Sie weist das „unaufgeforderte Angebot der Axel Springer AG nachdrücklich zurück“. Grotkamp weist darauf hin, dass Springer „nach den Gesellschafterverträgen der WAZ-Mediengruppe“ dort „nicht Gesellschafter werden kann“. Damit weist Frau Grotkamp auf das Vorkaufsrecht hin, das Gesellschafter untereinander haben und das WAZ-Eigentümer vor Übernahmen von Außen schützen soll. Danach wäre gar nichts offen.

Petra Grotkamps Stellungnahme geht über das Rechtliche hinaus. Sie werde sich nicht an Geschäften beteiligen, „welche eine Zerschlagung der WAZ Mediengruppe oder die Veräußerung dieser Gruppe zur Folge haben“. Sie werde dafür sorgen, „dass die WAZ Mediengruppe weiter als unabhängiges Unternehmen bestehen bleibt und hält gemeinsam mit der Familie Brost“ daran fest, die Brost-Anteile kaufen zu wollen.

Taktik ist im Spiel. Das Grotkamp-Angebot bewertet die WAZ-Gruppe mit gut 900 Millionen Euro, Springer mit 1,4 Milliarden. Schon aus diesem Grund sorgte die Formulierung Döpfners, es sei nicht sein Interesse, „irgendein Störfeuer für die laufende Transaktion zu entfachen“, in der Redaktion für Heiterkeit.

Kartellrechtliche Hürden

Einem Kauf der Regionalzeitungen steht das Kartellrecht im Weg. Auf „große kartellrechtliche Hürden“ weist Döpfner selbst hin. Erst unlängst hatte der Springer-Verlag sich von Regionalzeitungsbeteiligungen getrennt.

Pikant ist Döpfners Erklärung, er könne sich auch einen gemeinsamen Kauf der Geschäftsbereiche mit einzelnen WAZ-Gesellschaftern vorstellen. Dass die WAZ-Gesellschafter nicht immer dieselben Interessen verfolgen, ist kein Geheimnis. Döpfner unterstellt, es könnte für einzelne Gesellschafter interessant sein, schnell Kasse zu machen.

Petra Grotkamps wie Mathias Döpfners Angebot zeigt jedenfalls, dass es Menschen gibt, die nicht nur daran glauben, dass Zeitungen und Zeitschriften eine gute Zukunft haben. Sie sind auch bereit, für diese Überzeugung viel Geld zu riskieren.

 
 

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