Frieden im Fleischimperium

Clemens Tönnies (r.) und sein Neffe Robert (l.).
Clemens Tönnies (r.) und sein Neffe Robert (l.).
Foto: picture alliance / dpa
Clemens Tönnies und sein Neffe Robert wollen ihren Streit um die Machtim Konzern nun doch außergerichtlich beilegen – nach jahrelanger Schlammschlacht.

Essen..  Geht es um seine beiden großen Leidenschaften – den Fußball und das Geschäft mit dem Fleisch – ist mit Clemens Tönnies nicht zu spaßen. Angesprochen auf die sportliche Hängepartie bei Schalke 04, gab der Aufsichtsrats-Boss des Fußballbundesligisten erst kürzlich dieser Zeitung zu Protokoll, bei der Ursachenforschung müsse man die Mannschaft ins Visier nehmen. Wenige Tage später stellte der Verein zwei seiner Top-Spieler dauerhaft vom Platz.

Auch für den seit Jahren erbittert geführten Streit mit seinem Neffen Robert um die Vorherrschaft im familiengeführten Fleischimperium im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück geht der 58-Jährige gern in die Bütt. Man wolle ihn aus dem Unternehmen drängen, schimpft er dann und vergleicht die Zustände im Hause Tönnies mit denen in den TV-Seifenopern Dallas oder Denver-Clan.

Doch nun zeichnet sich in der Fehde der mächtigen Metzger-Dynastie überraschend eine Einigung ab. Nach übereinstimmenden Berichten arbeiten beide Parteien an einer außergerichtlichen Einigung. Eine neue Konzernstruktur soll den Machtkampf beenden. Clemens Tönnies und sein Neffe Robert, der älteste Sohn von Clemens’ verstorbenem Bruder und Firmengründer Bernd Tönnies, sollen gleichberechtigte Gesellschafter einer neu zu schaffenden Familien-Holding werden. „Ich bin hoffnungsfroh, dass wir das hinkriegen“, sagte Clemens Tönnies dem Handelsblatt. Ein Sprecher von Robert Tönnies äußerte sich dieser Zeitung gegenüber zwar zurückhaltender und wollte die Gespräche über eine mögliche Einigung „weder bestätigen, noch dementieren“. Doch intern ist zu hören, dass es seit längerem Gespräche beider Seiten auch abseits der Gerichtssäle gibt.

Die scheinen nun einen positiven Verlauf genommen zu haben. Wie es heißt, geht es darum, Fragen zur Nachfolgeregelung, zu den Beteiligungen und zur operativen Führung zu klären. Als ein Eckpfeiler der möglichen Einigung gilt dabei, dass Clemens Tönnies die ihm privat gehörende Zur-Mühlen-Gruppe (2000 Mitarbeiter, 600 Millionen Euro Umsatz) mit Marken wie Böklunder und Redlefsen in die Holding einbringt. Kommt es zu dem Vergleich, könnte unter die familieninterne Schlammschlacht ein Schlussstrich gezogen werden.

Das würde sicher auch das Unternehmen beruhigen. 2014 erzielte die Tönnies-Gruppe mit rund 8000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro. Pro Jahr werden in den Tönnies-Schlachthäusern bis zu 17 Millionen Schweine geschlachtet. Es geht also um viel Geld. Aber auch um ein Unternehmen, das in Tellerwäscher-zum-Millionär-Manier in nur einer Generation vom kleinen Betrieb zu einem der größten europäischen Fleischproduzenten aufstieg und erst erschüttert wurde durch den frühen Tod von Firmengründer und Mehrheitseigner Bernd Tönnies. Gerade gewählt zum Präsidenten von Schalke 04, starb Tönnies 1994 im Alter von nur 42 Jahren an den Folgen einer Nierentransplantation. Auf dem Sterbebett soll er seinem Bruder Clemens zugesagt haben, ihm weitere Firmen-Anteile zu übertragen. Eine testamentarische Verfügung darüber gibt es freilich nicht. Allerdings schenkten die beiden Tönnies-Söhne Robert und Clemens junior ihrem Onkel 2008 jeweils fünf Prozent ihres Erbes.

Diese Schenkung wollte Robert, der inzwischen auch für seinen erkrankten Bruder spricht, rückgängig machen lassen – wegen „groben Undanks“. Robert wirft seinem Onkel vor, ein „Schattenreich“ neben dem Tönnies-Konzern aufgebaut zu haben. Zuletzt trafen sich die bislang verfeindeten Parteien am 20. April vor dem Bielefelder Landgericht. Dabei soll es höchst emotional zugegangen sein. Fortgesetzt werden sollte der Prozess am 14. September.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel