Fluglärm drückt die Immobilienpreise

Essen..  Zunehmender Fluglärm wirkt sich stärker auf den Wert von Immobilien aus als bisher angenommen. Laut einer aktuellen Studie, in der das Umfeld des Flughafens Düsseldorf untersucht wurde, verlieren die Häuser dort jährlich zwischen 7,2 und 24,6 Millionen Euro an Wert.

Christos Evangelinos ist Professor an der Internationalen Hochschule Bad Honnef-Bonn. Er hat sich an seinem Lehrstuhl auf Themen rund um Luftfahrt und Tourismus spezialisiert. Seine Studie über den Wertverlust von Immobilien und sinkende Mieteinnahmen fällt mitten in das Anhörungsverfahren für Nachbarstädte und Bürger, die von der beantragten Ausweitung der Zahl von Starts und Landungen am Airport betroffen wären. „Die Kapazitätserweiterung ist von unserer Untersuchung ökonomisch getrennt zu betrachten“, unterstreicht Evangelinos. Und dennoch dürften die Erkenntnisse des Wissenschaftlers die Debatte weiter anheizen.

Wohnungsmieten in ihreBestandteile zerlegt

Anhand eines mathematischen Modells hat der Professor die Preise von Häusern und die Höhe der Wohnungsmieten in ihre Bestandteile zerlegt: Balkon, Lage, Anbindung an Bus und Bahn, Garage, Grün in der Nähe und weitere. Über ein spezielles Verfahren kam Evangelinos zu der, wie er sagt, „stabilen Aussage“, dass pro Dezibel zusätzlichen Lärms die Mieten der Wohnungen, die im Radius von 500 Metern um den Düsseldorfer Flughafen liegen, um knapp ein Prozent sinken. Einschränkung: Die zusätzliche Geräuschbelästigung muss oberhalb von 55 Dezibel liegen. Dieser Wert markiert die Grenze über der laut einer EU-Richtlinie Umgebungslärm als belästigend gilt. Im August wurden im Umfeld des Flughafens Düsseldorf Tageshöchstwerte von bis zu 69 Dezibel gemessen.

Anhand von europaweiten Lärmkarten aus den Jahren 2012 und 2015 errechnete Evangelinos die Auswirkung der Geräuschbelastung auf die Werte von Immobilien. Demnach sinken die Wohnungspreise im Raum Düsseldorf bereits ab einem Lärmpegel von 50 Dezibel.

„Unsere Daten zeigen, dass etwa 58 000 Haushalte von Lärm betroffen sind. Das sind rund 20 000 Wohnungen mehr als zunächst angenommen“, sagt der Verkehrsökonom. Und: Bei gleichem Schallpegel belästige Fluglärm die Anwohner stärker als Straßen- und Schienenverkehr.

Etwa 58 000 Haushaltevon Lärm betroffen

Knapp ein Prozent Mietverlust und gut ein Prozent Wertverlust bei Immobilien pro Dezibel Fluglärm – die Zahlen hören sich niedrig an. Sind sie aber nicht, meint Evangelinos. „Ein Prozent ist viel nach meiner Meinung. Man muss den Verlust auf die Lebenszeit einer Immobilie umrechnen“, so der Professor. Bis zu 24,6 Millionen Euro jährlich könne der Wertverlust betragen.

Nach Angaben des Flughafens Düsseldorf wurden seit dem Jahr 2003 mehr als 71 Millionen Euro in den Lärmschutz investiert. Sollte die Kapazitätserweiterung vom NRW-Verkehrsministerium genehmigt werden, will der Airport noch einmal 20 Millionen Euro nachschießen.

 
 

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