Flugbegleiter-Streik hat begonnen, 380 Flüge fallen aus

Passagiere des Lufthansa-Billigfliegers Eurowings müssen sich am Donnerstag wegen eines 24-Stunden-Streiks auf Flugausfälle einstellen.
Passagiere des Lufthansa-Billigfliegers Eurowings müssen sich am Donnerstag wegen eines 24-Stunden-Streiks auf Flugausfälle einstellen.
Foto: dpa
Am Donnerstag streiken die Flugbegleiter bei Euro- und Germanwings. 380 Flüge wurden annulliert. Die Langstrecken sind nicht betroffen.

Köln/Berlin.. Der Streik beim Billigflieger Eurowings hat am Donnerstag einen großen Teil des Flugbetriebs der Lufthansa-Tochter lahmgelegt. Nach Angaben der Airline werden nahezu alle innerdeutschen Flüge ausfallen. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat ihre Mitglieder bei den Teilgesellschaften Eurowings GmbH und der größeren Germanwings zu dem Ausstand ab Mitternacht aufgerufen. Er soll 24 Stunden dauern. Betroffen sind sämtliche größeren deutschen Flughäfen mit Ausnahme von Frankfurt und München.

Abgesagt wurden neben innerdeutschen Verbindungen auch Flüge von und nach Barcelona, Klagenfurt, London, Moskau, Palma de Mallorca, Paris und Split. Von den insgesamt üblicherweise mehr als 500 Flügen seien etwa 380 annulliert worden, teilte Eurowings mit. Sicher nicht bestreikt werden die Langstreckenflüge der Marke.

In Nordrhein-Westfalen sind besonders die beiden großen Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn betroffen.An beiden Flughäfen war die Lage am Morgen jedoch ruhig, wie die jeweiligen Sprecher berichteten. Offenbar seien die Passagiere rechtzeitig informiert worden und hätten sich auf den Streik eingestellt, sagten sie. In Düsseldorf sollen im Laufe des Tages etwa die Hälfte von rund 180 Eurowings-Flügen ausfallen, in Köln/Bonn sind normalerweise 120 Starts und Landungen geplant, fast alle fallen aus.

Etwa 40.000 Passagiere bundesweit betroffen

Das Unternehmen hat seinen betroffenen Kunden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen angeboten.Nach Angaben des Unternehmens sind etwa 40.000 Passagiere von den Ausfällen betroffen. Etwa 150 Flüge mit rund 15.000 Reisenden sollten stattfinden. Eurowings veröffentlichte auf seiner Homepage einen Sonderflugplan.

Ein Eurowings-Sprecher rief dazu auf, möglichst schnell wieder Gespräche aufzunehmen. Zuvor war ein letzter Einigungsversuch zwischen den Parteien gescheitert. Der Tarifkonflikt bei Eurowings zieht sich bereits seit drei Jahren hin. Im Kern geht es um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Flugbegleiter.

Ufo-Vorstand Nicoley Baublies verteidigte den Streik im Morgenmagazin des ZDF am Donnerstag. "Am Ende stehen bei beiden die gleichen Ziele und das gleiche Management dahinter", sagte Baublies. Sollte die Fluggesellschaft kein Entgegenkommen zeigen, könne es zu weiteren Streiks kommen. "Dass Eurowings uns mit einem Gehaltsplus von 7 Prozent entgegen gekommen sei, ist nur medial verbreitet worden. Wir haben dieses Angebot nie erhalten", sagte Baublies.

Streik kurzfristig auf Germanwings ausgeweitet

Am Mittwochabend hatte Ufo dann das Streik-Szenario noch auf die größere Konzernschwester Germanwings ausgeweitet, indem man dort die offenen Tarifgespräche zur Teilzeit für gescheitert erklärte und somit auch dort in den Arbeitskampf einsteigen kann. In einem Schreiben auf der Ufo-Homepage bat die Gewerkschaft die betroffenen Passagiere um Verständnis. Man hätte gerne auf die Arbeitskampfmaßnahmen verzichtet, weil man sich Passagieren und auch dem Arbeitgeber verbunden fühle. "Daher hat die Ufo als unsere Gewerkschaft seit Jahren mit dem Arbeitgeber verhandelt, bis wir uns nunmehr zu diesem Schritt entschließen mussten."

Dabei gehe es "nicht um das Erkämpfen von Luxusprivilegien, sondern um die Frage, wie die enorme Belastung durch tarifliche Vereinbarungen abzufedern ist". Germanwings betreibt für die Eurowings-Plattform 58 Maschinen, die Eurowings GmbH 23 Jets. Zusätzlich ist noch ein knappes Dutzend Flugzeuge dazu gemietet, bei einer österreichischen Gesellschaft registriert oder auf der Langstrecke eingesetzt. Diese können aktuell nicht bestreikt werden. (dpa/rtr)

Chronik - Streiks bei der Lufthansa

Bei Europas größtem Luftverkehrskonzern Lufthansa hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Streiks gegeben - nicht nur bei den Piloten. Eine Auswahl:

  • Frühjahr 2001: Flugkapitäne der Lufthansa legen mehrmals die Arbeit nieder. Von dem Streik sind mehrere tausend Verbindungen betroffen. Die Airline und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) einigen sich später auf Einkommensverbesserungen.

  • Sommer 2008: Das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa streikt fünf Tage lang. Mehrere hundert Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft Verdi und das Unternehmen einigen sich am Ende auf höhere Gehälter.

  • September 2012: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, es trifft über 100 000 Passagiere. Beide Seiten beschließen eine Schlichtung.

  • April 2013: Ein Warnstreik des Bodenpersonals legt den Flugverkehr der Lufthansa in Deutschland fast lahm. Der Airline zufolge sind rund 150 000 Passagiere betroffen. Im Mai verabreden Verdi und der Konzern anschließend gestufte Entgelterhöhungen und einen Kündigungsschutz.

  • 2. bis 4. April 2014: Start einer Streikserie von mittlerweile 13 Runden bei den Lufthansa-Piloten. Anfangs fallen rund 3800 Flüge aus.20./21. Oktober 2014: Ein Ausstand der VC auf den Kurz- und Mittelstrecken wird einen Tag später auf die Langstrecken ausgeweitet. 166 000 Passagiere haben das Nachsehen.

  • 6. Juli 2015: Die Piloten erklären die im Mai begonnene Schlichtung für gescheitert. Drei Wochen später bieten sie Lufthansa Einsparungen von über 400 Millionen Euro an, um Job-Verlagerungen zu verhindern.

  • 8./9. September 2015: Vorerst letzte Etappe des Pilotenstreiks der VC: 16 Stunden Ausstand auf der Langstrecke sowie am folgenden Tag auch auf den Kurz- und Mittelstrecken. Bislang fielen durch die Arbeitsniederlegungen der Piloten seit April 2014 über 8500 Flüge aus, eine Million Passagiere waren nach Lufthansa-Angaben betroffen.

  • 6. November 2015: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo startet einen Ausstand des Kabinenpersonals. Er soll mit einer Unterbrechung am Sonntag bis zum Freitag der Folgewoche dauern. Der Arbeitskampf über acht Tage bedeutet den längsten Streik der Lufthansa-Geschichte.

  • 22. September 2016: Eurowings annulliert wegen eines von Verdi organisierten Warnstreiks von Kabinenbeschäftigten am Düsseldorfer Flughafen acht Flüge.

  • 27. Oktober 2016: Ufo ruft bei Eurowings und Germanwings das Kabinenpersonal zu einem 24-stündigen Streik auf. Hunderte Flüge fallen aus, Zehntausende Passagiere sind betroffen.

 
 

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