Firmen wollen ihren Mitarbeitern das Rauchen abgewöhnen

Melanie Bergs
Wer aufhört mit rauchen, wird vom Arbeitgeber belohnt.
Wer aufhört mit rauchen, wird vom Arbeitgeber belohnt.
Foto: Thinkstock
Raucher am Arbeitsplatz sind vielen Unternehmen inzwischen ein Dorn im Auge. Alltours-Chef Verhuven setzt auf das Belohnungs-Prinzip: Nichtraucher bekommen vom Unternehmen regelmäßig eine Sonderprämie gezahlt. Auch andere Firmen schaffen Anreize für den Ausstieg.

Essen. Wer nicht raucht, verdient mehr Geld. Mit diesem einfachen Prinzip will der Reiseveranstalter Alltours seinen Mitarbeitern das gesundheitsschädliche Laster austreiben – zumindest am Arbeitsplatz. Mehr als die Hälfte der 500 Angestellten in der Zentrale in Duisburg bekommen jetzt eine Sonderprämie, weil sie während der Dienstzeit nicht rauchen. 250 Euro gibt es für ein Jahr ohne Glimmstängel – und das nun schon zum siebten Mal.

„Unser Chef ist ein sehr gesundheitsbewusster Mensch“, erklärt Firmensprecher Stefan Suska. Im ganzen Haus stünden kostenloses Obst und Mineralwasser für die Angestellten bereit. Doch Unternehmensgründer Willi Verhuven hat nicht allein die Gesundheit der Angestellten im Sinn. „Natürlich sparen wir auch Geld“, räumt Suska ein. Früher gab es bei Alltours vier Raucherkabinen, inzwischen sind es nur noch zwei. „Allein die Wartung dieser Kabinen schluckt regelmäßig einen fünfstelligen Betrag“, so Suska.

Rauchende Arbeitnehmer für Unternehmen teuer

Ein rauchender Arbeitnehmer kostet seine Firma im Schnitt etwa 4600 Euro mehr im Jahr als ein Nichtraucher. Das belegt eine Studie der Ohio State University. Einnahmeausfälle entstehen demnach durch Zigarettenpausen, mehr Krankheitstage und höhere Versicherungskosten.

Gleichzeitig ist der Arbeitgeber in Deutschland per Gesetz dazu verpflichtet, Nichtraucher vor den Gefahren des Passivrauchens zu schützen. Das kann sogar so weit gehen, dass ein Unternehmen das Rauchen während der Arbeitszeit ganz verbietet. Verstößt ein Mitarbeiter trotz wiederholter Abmahnung gegen ein im Betrieb vorgeschriebenes Rauchverbot, droht ihm sogar die Kündigung.

„Anteil der Nichtraucher deutlich gestiegen“

Viele Unternehmen seien inzwischen bemüht, ihre Mitarbeiter etwa mit kostenlosen Trainings vom Rauchen abzubringen, sagt Christian Elspas, Sprecher der Techniker Krankenkasse in NRW. Ob eine finanzielle Motivation alleine ausreiche, zweifelt Elspas jedoch an. Alltours sei dennoch in seiner Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Angestellten vorbildlich, betont Elspas. Nach Angaben des Unternehmens ist der Anteil der Nichtraucher seit Einführung der Prämie deutlich gestiegen.

Beweisen müssen die Alltours-Mitarbeiter ihre Rauch-Abstinenz nicht. Auch werde niemand überwacht, versichert Suska: „Wir vertrauen auf die Ehrlichkeit der Kollegen.“ Privat kann dagegen weiter geraucht werden. „Was die Leute zuhause machen, geht den Arbeitgeber nichts an“, sagt Suska.

Die internationale PR-Agentur Edelman, die mit fünf Büros unter anderem in Berlin und München in Deutschland vertreten ist, geht jedoch einen Schritt weiter. Chef Richard Edelman will erreichen, dass die Mitarbeiter nicht nur im Büro sondern auch in der Freizeit aufs Rauchen verzichten. Wer ein halbes Jahr durchhält, wird mit 2000 Dollar belohnt. Auch hier gilt: Kontrolliert werden die vermeintlichen Nichtraucher nicht. Es zählt das gegebene Wort.