Fernseher als Datenkrake - Verbraucherschützer verklagen Samsung

Die Verbraucherzentrale NRW verklagt den Fernseh-Hersteller Samsung, weil eines der TV-Modelle automatisch Daten weitergeben würde.

Düsseldorf.. Knabbereien und Naschwerk stehen auf dem Tisch. Eine bequeme Sitzposition auf der Couch ist gefunden, der Fernsehabend kann beginnen. Doch wer daheim ein Smart-TV stehen hat, einen internetfähigen Fernseher, ist nicht allein. Das Gerät sieht einem gewissermaßen zu und übermittelt persönliche Daten, über das Sehverhalten, aber auch über den Nutzer. Die Verbraucherzentrale NRW verklagt nun Samsung, weil eines seiner TV-Modelle (UE 40H6270) „ab Werk“ so eingestellt sei, dass Daten automatisch weitergegeben würden.

Es bedürfe dazu nicht der Zustimmung von Nutzungsbedingungen. Samsung wird sich nun vor dem Landgericht Frankfurt erklären müssen. In einer Stellungnahme versichert Samsung, Privatsphäre habe „höchste Priorität“. Die Datenerhebung erfolge auf gesetzlicher Basis.

Apps im Samsung-Fernseher sammeln Daten

„Das Anzapfen der Daten beginnt, sobald der neue Fernseher ans Internet angestöpselt wird“, sagt Marco Ghiglieri, IT-Experte der TU Darmstadt. 2012 wurde dort die Datenübertragung entdeckt. Das Benutzermenü bietet Zugang zu Nachrichten- und Spiele-Apps, Youtube und mehr. Auch diese Apps sammeln Daten. Und die TV-Sender eröffnen über das Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) nach eigener Aussage ein „persönlicheres Fernseherlebnis“. Wer den roten Knopf seiner Fernbedienung drückt, kann etwa Nachrichten oder Fußball-Ergebnisse verfolgen. Mit der Nutzung von HbbTV wissen die Sender genau, was wie lange geguckt wird.

„Es besteht ein großes Interesse an diesen Daten“, sagt Ghiglieri. Zuschauerquoten ließen sich genauer messen sowie personalisierte Werbung schalten. Im Umgang mit den Daten kritisiert er mangelnde Transparenz, der Nutzer werde nicht genügend aufgeklärt.

„Rechtlich bindende“ Orientierungshilfe für Hersteller

Die Landesdatenschützer wollen das nun ändern. Kommende Woche veröffentlichen sie eine „rechtlich bindende“ Orientierungshilfe für Hersteller, App-Anbieter und TV-Sender, die der WAZ vorliegt. Die Behörden fordern, die Grundeinstellungen der Geräte so zu gestalten, dass eine anonyme Nutzung möglich ist und eine Profilbildung über individuelles Fernsehverhalten einer ausdrücklichen Einwilligung bedürfe. Auch Bußgelder von bis zu 300 000 Euro finden sich darin.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in jedem Haushalt so ein Gerät steht“, prognostiziert Michael Poguntke vom Branchenverband Bitkom.

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