Fast ein Viertel aller NRW-Azubis bricht Lehre ab

Angehende KFZ-Mechatroniker in der Lehre. In NRW brechen viele Azubis ihre Lehrstelle vorzeitig ab. Im Hotel - und Gaststättengewerbe ist es fast jeder Dritte.
Angehende KFZ-Mechatroniker in der Lehre. In NRW brechen viele Azubis ihre Lehrstelle vorzeitig ab. Im Hotel - und Gaststättengewerbe ist es fast jeder Dritte.
Foto: dpa
Fast ein Viertel aller Azubis in NRW bricht die Ausbildung vorzeitig ab. In einzelnen Branchen, etwa dem Hotelgewerbe, liegt die Quote sogar deutlich höher. Arbeitsminister Schneider will den Trend mit neuen Maßnahmen stoppen. Unternehmen beklagen aber vor allem die Qualität der Schulabgänger.

Düsseldorf.. NRW kann sich die hohen Abbrecherquoten bei Lehrlingen nach Angaben von Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) nicht länger leisten. Aktuell beenden 23,5 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre vorzeitig. Vor dem nächsten Ausbildungsgipfel am 12. November fordert Schneider mehr Praktika in Betrieben, zusätzliche Ausbildungsberater der Kammern in Schulen und attraktivere Arbeitsbedingungen in Ausbildungsbetrieben – vor allem in der Gastronomie.

Zwar wurden 2014 insgesamt 104.865 Ausbildungsstellen in NRW gemeldet (+2,9 Prozent). Trotzdem wurden aber beim Handwerk 2,2 Prozent und bei den Industrie- und Handelskammern drei Prozent weniger Lehrverträge abgeschlossen. Dass im Hotel- und Gaststättengewerbe bis zu 30 Prozent der Lehrlinge ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen, führte Schneider auf die „mangelnde Berufsorientierung“ und die oft hohe Arbeitsbelastung zurück. „Ideal wäre es, wenn Firmen Bewerbern bereits ein Jahr vor Ausbildungsbeginn mehr Einblick in den späteren Beruf bieten“, sagte Schneider unserer Redaktion.

"Vorschaltklassen" für schwächere Schulabgänger

Schneider appelliert nun an die Kammern, im nächsten Jahr mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Zudem müsse die Berufsberatung durch die Arbeitsagentur deutlich ausgebaut werden. Bisher wird knapp jeder dritte Schüler in NRW in den Klassen 8 bis 10 mit berufsorientierten Praktika erreicht.

Während erste Konzerne wie Lanxess „Vorschaltklassen“ einrichten, um schwächere Schulabgänger ein Jahr vor Ausbildungsbeginn nachzuschulen, können kleine Firmen das nicht leisten. Schneider drängte die Handwerkskammern sowie die Industrie- und Handelskammern, Schüler zusätzlich zu qualifizieren und diese nach einer Vorauswahl später Kleinbetrieben zur Ausbildung anzubieten.

Schneider hält Schüler für qualifiziert

Pauschale Vorwürfe der Wirtschaft, dass zu viele Schulabgänger unqualifiziert seien, ließ Schneider nicht gelten. 2014 hätten 75 Prozent der gemeldeten Bewerber einen mittleren oder höherwertigen Schulabschluss vorgewiesen – 37 Prozent mit Realschulabschluss und 38 Prozent Fachabitur- oder Abitur.

Insgesamt suchen landesweit noch knapp 24.000 Bewerber einen Ausbildungsplatz in NRW – 17.000 machen ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Auslandsjahr oder gehen in „Warteschleifen“ an Berufskollegs. Es gibt noch 828 unversorgte Bewerber mit Hochschulreife, 1831 mit Fachhochschulreife und 2288 mit einem Realschulabschluss.

 
 

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