Evonik will 1000 Stellen in der Verwaltung abbauen

Thomas Wels
Durch einen Umbau der Verwaltung will der Essener Konzern Evonik 250 Millionen Euro pro Jahr einsparen. 1000 sollen werden abgebaut werden, auch zwei der sechs Vorstände müssen gehen.
Durch einen Umbau der Verwaltung will der Essener Konzern Evonik 250 Millionen Euro pro Jahr einsparen. 1000 sollen werden abgebaut werden, auch zwei der sechs Vorstände müssen gehen.
Foto: dpa
Ein Verwaltungsumbau soll bei Evonik 250 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Zwei der sechs Vorstände müssen gehen, außerdem sollen 1000 Stellen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2018 ausgeschlossen. Die effizientere Konzernverwaltung soll das Unternehmen beweglicher machen.

Essen. Der Essener Spezialchemie-Konzern Evonik plant ein 250 Millionen Euro schweres Sparprogramm für die Verwaltungsbereiche und beginnt damit an der Spitze. Wie das Unternehmen Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte, werde die Konzernführung von sechs auf vier Vorstände verkleinert. Das Sparprogramm ziele auf die Einsparung von Sach- und Personalkosten.

„Der damit verbundene Stellenabbau wird sozialverträglich im engen Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft IG BCE erfolgen“, so die Mitteilung. Zugleich sei eine Vereinbarung zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen um zwei Jahre bis Ende 2018 verlängert worden.

Betrieblich bedingte Kündigungen sind vorläufig ausgeschlossen

Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze könnte sich nach Informationen dieser Zeitung weltweit auf rund 1000 belaufen. Evonik nannte keine Zahl. Der Gesamtbetriebsratschef Ralf Hermann kündigte die kritische Begleitung des Verwaltungsumbaus an. Man werde darauf achten, „dass gute Verwaltung nicht falsch verstanden wird als minimale Kosten bei maximaler Arbeitsbelastung“.

Vorstandschef Klaus Engel verwies auf die sozialpartnerschaftliche Vorgehensweise: „In dem ganzen Prozess werden wir so verfahren, wie wir es auch in der Vergangenheit immer gehalten haben: menschlich anständig, mit Augenmaß und in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern.“ Neben dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2018 hat der Konzern dem Betriebsrat zugesagt, keinerlei Verlagerung von internen Dienstleistungen aus dem Bereich Business Services ins Ausland vorzunehmen.

Aufsichtsratschef Werner Müller dankt den scheidenden Managern

In einem Schreiben an die Mitarbeiter betonte Engel, „zu unserem gemeinsamen Grundverständnis gehört außerdem, dass der Umbau der Organisation an der Spitze beginnen muss“. Die Zentralbereiche der Vorstände Dahai Yu und Thomas Haeberle werden aufgelöst und den verbleibenden vier Ressorts zugeschlagen. Haeberle und Yu „scheiden in freundschaftlichem Einvernehmen aus“, so die Presseerklärung. Aufsichtsratschef Werner Müller dankte den Managern, ohne deren „umfassendes Engagement der Umbau von Evonik zu einem umfassenden Spezialchemieunternehmen nicht möglich gewesen wäre“.

Der Konzern begründet das Sparprogramm, das bis Ende 2016 jährlich 250 Millionen Euro einbringen soll, mit einer Schere aus steigenden Verwaltungskosten bei gleichzeitig reduzierter Aufgabenfülle. Evonik habe sich seit 2008 vom Mischkonzern mit den Sparten Energie (Steag), Immobilien (Vivawest) und Chemie (Degussa) zum reinen Spezialchemiekonzern gewandelt. Trotz der Konzentration und geringerer Komplexität seien die Verwaltungskosten in dieser Zeit um 26 Prozent gestiegen.

Dem Umbau müsse die Verwaltung in ihren Strukturen nun folgen, straffer und effektiver werden. Die Verwaltungskosten sollen auf das Niveau von 2008 sinken. Die effizientere Konzernverwaltung solle das Unternehmen schneller und beweglicher machen. In der Verwaltung inklusive einer Reihe von Schnittstellen und den Dienstleistungsbereichen beschäftigt Evonik 14 000 Mitarbeiter.