Eurokrise spitzt sich zu - Streit um Zypern und Irland

Der IWF fordert einen Schuldenschnitt für Zypern, Irland will bessere Kreditbedingungen.
Der IWF fordert einen Schuldenschnitt für Zypern, Irland will bessere Kreditbedingungen.
Foto: dapd
Der Internationale Währungsfonds verlangt einen Schuldenschnitt für Zypern. Dem Inselsstaat gehe es schlechter als Griechenland. Der Vorschlag ist unter den Euroländern aber offenbar umstritten. Indes fordert Irland bessere Bedingungen für seine Kredite. Die Euro-Zone müsse ihre Versprechen halten.

Nikosia/Berlin. Im Ringen um ein Hilfspaket für Zypern fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) einem Bericht zufolge einen Schuldenschnitt für das Land. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, verlangt der IWF einen Teilerlass der Staatsschulden, weil das Land sonst auch nach der Umsetzung von Reformen nicht in der Lage sein werde, seine Zinslast zu tragen. "Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland", sagte ein EU-Vertreter der Zeitung.

Dem Bericht zufolge befürworten auch einige Euroländer einen Schuldenschnitt. Gegner solcher Pläne verweisen laut "SZ" hingegen darauf, dass im Fall Griechenlands bei dem Forderungsverzicht privater Gläubiger betont worden sei, dass es bei diesem Einzelfall bleiben werde.

Würde dieses Versprechen gebrochen, drohe die Eurozone, an Vertrauen zu verlieren. Eine Lösung sei nicht in Sicht, berichtete die Zeitung. Für Länder wie die Niederlande und Deutschland komme eine Lösung ohne den IWF praktisch nicht in Frage.

Zypern fehlen 17 Milliarden Euro

Zyperns Finanzminister Vassos Shiarly hatte Ende November erklärt, Zypern benötige 17 Milliarden Euro an Hilfen über eine Vierjahresperiode bis einschließlich 2016. Die Summe entspricht fast dem Bruttoinlandsprodukt des Landes.

Derzeit untersucht die Troika aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank (EZB) den Hilfsantrag Zyperns, der im Januar der Eurogruppe vorgelegt werden soll. Selbst bei einem positiven Bescheid würde es allerdings noch Wochen dauern, bis das Geld Nikosia erreicht.

Irland erwartet Entgegenkommen der Euro-Partner

Indes hat Irlands Arbeitsminister Richard Bruton bessere Bedingungen der Rettungskredite für sein Land gefordert. Angesichts der vorbildlichen Umsetzung der Auflagen für die Hilfen erwarte Irland, "dass die Euro-Partner uns entgegenkommen werden, wenn es darum geht, die Schulden zur Bankenrettung zu strecken und die Konditionen zu lockern", sagte Bruton der Zeitung "Die Welt".

Der Zinssatz für die Kredite müsse auf ein vernünftiges Maß gesenkt werden. "Die hohen Zahlungen, die wir jedes Jahr leisten müssen, sind nicht nachhaltig." Im Sommer hatte die Euro-Zone zugesagt, die Rettung der irischen Banken zu überarbeiten. Seither ist jedoch nicht viel geschehen.

Verschuldung hängt "wie eine düstere Wolke " über Irland

Bruton betonte: "Wenn Irland günstigere Konditionen für die Schulden bekäme, die der irische Staat für die Bankenrettung gemacht hat, würde das unsere Haushaltslage erheblich verbessern." Die enorme Verschuldung hänge "wie eine düstere Wolke über einer ansonsten recht günstigen Entwicklung".

Am Mittwoch hatte bereits der Internationale Währungsfonds die Euro-Zone eindringlich dazu aufgefordert, ihre Versprechen einzuhalten. Die Zusage, die Konditionen zu überarbeiten, hatte im Juni die Zinsen auf irische Staatsanleihen deutlich gedrückt. Dadurch konnte Irland als erstes Land unter dem EU-Rettungsschirm wieder langfristige Staatsanleihen verkaufen.

Irland hatte von IWF und Euro-Zone ein Rettungspaket in Höhe von 85 Milliarden Euro erhalten, das in einem Jahr ausläuft. (afp/rtr)

 
 

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