Essener Ruhrgas-Zentrale vor dem Aus?

Die Essener Ruhrgas-Zentrale wurde erst im Oktober 2010 bezogen. (Foto: Kerstin Kokoska)
Die Essener Ruhrgas-Zentrale wurde erst im Oktober 2010 bezogen. (Foto: Kerstin Kokoska)
Foto: WAZ FotoPool
Der unter Druck geratene größte deutsche Energieversorger Eon plant ein drastisches Spar- und Umstrukturierungsprogramm. Nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ soll die Eon-Ruhrgas-Zentrale in Essen aufgelöst werden.

Essen.. Die Stadt Essen könnte eine bedeutende Konzern-Zentrale verlieren: Wie der „Spiegel“ berichtet, will der größte deutsche Energiekonzern Eon seine Tochter Ruhrgas in Essen auflösen. Dem Spar- und Sanierungskonzept von Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen sollen auch die Energie-Sparte in München und die Kraftwerkstochter in Hannover zum Opfer fallen. Betroffen seien mehrere hundert Mitarbeiter.

200 Millionen Euro hat die Ruhrgas gerade erst in ihre nagelneue gläserne Firmenzentrale gleich an der Autobahn A 52 investiert. Im Oktober 2010 zogen die 1800 Mitarbeiter ein. Schon damals fiel auf, dass an dem Essener Büroturm lediglich der rote Schriftzug Eon leuchtet. Der Name Ruhrgas taucht gar nicht auf. Das Gasgeschäft bereitet dem Energieriesen schon länger keine Freude mehr. Für 2011 erwartet Ruhrgas gewaltige Verluste in Höhe von einer Milliarde Euro.

Der Grund: Die Essener haben langfristige Verträge mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom geschlossen. Diese garantieren den Russen wegen der Ölpreisbindung hohe Abnahmepreise. Die Gaspreise sind aber weltweit auf Grund des großen Angebots von verflüssigtem Erdgas längst gesunken. Ruhrgas muss deshalb hohe Einkaufspreise bezahlen, kann diese aber nicht an die Kunden weiterreichen. Verhandlungen mit Gazprom brachten noch keinen Durchbruch.

Energieriese Eon unter Druck

Bereits im vergangenen Herbst kündigte Eon-Chef Johannes Teyssen an, unrentable Konzerntöchter auf den Prüfstand zu stellen. Der Ausstieg aus der Atomenergie setzt den Energieriesen weiter unter Druck. Im Interview mit dieser Zeitung Mitte Juli ließ Teyssen durchblicken, dass er Handlungsbedarf für die Ruhrgas sieht. „Verluste sind immer ärgerlich. Aber die richtige Reaktion ist doch, das Problem zu lösen“, sagte der Eon-Chef.

Die Strategie scheint jetzt festzustehen. Nach der Auflösung dreier großer Standorte sollen die betroffenen Geschäftsbereiche, darunter das Gasgeschäft der Ruhrgas, von der Düsseldorfer Eon-Zentrale aus gesteuert werden.

Einfluss der Gewerkschaften

Teyssen plane zudem, den Einfluss der Gewerkschaften auf Eon einzuschränken und das Unternehmen mittelfristig in eine Europäische Aktiengesellschaft in der Rechtsform einer so genannten SE umzuwandeln. Den „Spiegel“-Bericht wollte der Eon-Konzern gestern nicht kommentieren. „Vor dem Hintergrund der erheblich veränderten Rahmenbedingungen prüfen wir eine Anpassung der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens. Entscheidungen hierzu sind noch nicht gefallen“, hieß es lediglich. In der Tat steht eine Aufsichtsratssitzung erst in der kommenden Woche an. Und es ist zu vermuten, dass derart weitreichende Umstrukturierungen von dem Kontrollgremium abzusegnen sind. Der Vorstandsbeschluss soll dem Vernehmen nach vor etwa zwei Wochen gefallen sein.

Eon-Finanzchef Marcus Schenck soll bereits in Frankfurter Finanzmarktkreisen diese drastischen Schritte vorbereiten – und deutlich machen, dass Eon willens ist, auf die Energiewende mit drastischen Maßnahmen zu reagieren. Was sicherlich nicht zum Schaden des gebeutelten Aktienkurses wäre.

Widerstand von Verdi

Ob es so kommt, ist aber ungewiss. Ein Verdi-Sprecher sagte dieser Zeitung: „Wir kennen keine konkreten Pläne. Aber es ist schwer vorstellbar, dass ein solches Konzept eins zu eins den Aufsichtsrat passieren kann.“ Verdi ist im Eon-Konzern inzwischen die maßgebliche Gewerkschaft. Eon stehen damit heiße August-Wochen ins Haus. Am 10. August will Eon die Öffentlichkeit über die Halbjahresergebnisse des Konzerns informieren.

Ob vertragliche Bindungen mit Blick auf Ruhrgas einer möglichen Auflösung des Unternehmens entgegen stehen, blieb gestern unklar. Diese Verträge stammen aus dem Jahr 2003, als der Tausch von Anteilen an der Eon-Tochter Degussa gegen die RAG-Tochter Ruhrgas im Zuge eines so genannten Ministerentscheids durchgesetzt wurde. Kartellamt und Monopolkommission hatten die Übernahme der Ruhrgas durch Eon untersagt. Diese vertraglichen Bindungen dürften aber 2013 beendet sein.

 
 

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