Essener Energiekonzern RWE will seine Stiftung aufgeben

Ulf Meinke
Der Sparkurs von Konzernchef Peter Terium trifft auch die RWE-Stiftung.
Der Sparkurs von Konzernchef Peter Terium trifft auch die RWE-Stiftung.
Foto: dpa
Der Energiekonzern RWE spart bei gemeinnützigen Projekten: Die RWE-Stiftung, die sich um das bürgerschaftliche Engagement des Essener Unternehmens kümmert, soll in absehbarer Zeit ihre Arbeit einstellen. Das vorhandene Kapital soll innerhalb von 15 Jahren verbraucht werden.

Essen. Es ist eine symbolträchtige Entscheidung: Die RWE-Stiftung, die sich um das bürgerschaftliche Engagement des Essener Energiekonzerns kümmert, soll in absehbarer Zeit ihre Arbeit einstellen. Frisches Geld gibt es nicht mehr, das angehäufte Kapital wird aufgebraucht, danach ist Schluss.

„Wir werden das Stiftungskapital in Höhe von derzeit etwa 60 Millionen Euro innerhalb von rund 15 Jahren verbrauchen“, sagte Stephan Muschick, der Geschäftsführer der RWE-Stiftung, im Gespräch mit dieser Zeitung. Immerhin: „Das ermöglicht uns in den nächsten Jahren, das Fördervolumen deutlich anzuheben.“

Die anhaltende Niedrigzinsphase macht vielen Stiftungen zu schaffen. Denn die Stiftungsarbeit wird in der Regel aus den Erträgen des angelegten Kapitals finanziert. „Soweit bei Stiftungen die Erträge sinken, haben sie zwei Probleme zu bewältigen“, erläutert Hans Fleisch vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Zum einen können sie schlichtweg weniger Geld für das Gemeinwohl ausschütten. Und zum anderen steigt bei absolut gleichbleibenden Verwaltungskosten deren prozentualer Anteil an den Gesamtausgaben.“

Keine Finanzspritzen erwartet

Hinzu kommt im Fall von RWE, dass Konzernchef Peter Terium dem Energieversorger einen strikten Sparkurs verordnet hat. Auch über einen Verkauf des prestigeträchtigen RWE-Turms in Essen wird verhandelt. „Größere Finanzspritzen der RWE AG waren nicht zu erwarten“, räumt Stiftungschef Muschick ein.

Es habe sich zudem die Frage gestellt, wie die Stiftung auf die ständig sinkenden Kapitalerträge reagieren sollte. „Auch angesichts niedriger Zinserträge haben wir uns für das Modell einer Verbrauchsstiftung entschieden“, sagt Muschick. Das heißt: Das vorhandene Geld wird von nun an Stück für Stück ausgegeben. In einigen Jahren wird eine namhafte Stiftung aus dem Ruhrgebiet von der Bildfläche verschwinden.

Stiftung war mit Förderung von benachteiligten Jugendlichen gestartet

Im Vergleich zu Reviergrößen wie der Krupp- oder der Mercator-Stiftung gehört der RWE-Ableger eher zu den kleineren Akteuren. Zuletzt hatte die RWE-Stiftung jährlich rund eine Million Euro in gemeinnützige Projekte investiert. Regionale Schwerpunkte waren das Ruhrgebiet und NRW.

1998, zum 100. Geburtstag von RWE, war die Einrichtung als „Jugendstiftung“ gegründet worden – insbesondere zur Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Jetzt verfolgt die RWE-Stiftung eine neue Strategie. Unter anderem mit Studien will die Stiftung „die Transformationsprozesse rund um das Themenfeld Energie und Gesellschaft“ begleiten.

Auch bei Eon wirkt sich der Sparkurs auf das Kultursponsoring aus

Ein aktuelles Projekt heißt „Kunststrom“. Aus alten Verkehrsschildern und Straßenbau-Relikten hat der Künstler Pablo Wendel Windräder gefertigt und in Dortmund-Barop aufgestellt. Die Kunstwerke sollen tatsächlich Strom erzeugen, der ins Netz eingespeist wird.

Nicht nur bei RWE, sondern auch beim Düsseldorfer Konkurrenten Eon wirkt sich der konzerninterne Sparkurs auf das Kultursponsoring aus. Unlängst hat Eon ein Gemälde aus der eigenen Sammlung, das Werk „Number 5“ (Elegant Lady) von Jackson Pollock, für rund 8,3 Millionen Euro versteigert.

Der Energieversorger finanziert zusammen mit der Stadt Düsseldorf in einer öffentlich-privaten Partnerschaft seit 1998 das Museum Kunstpalast in der Landeshauptstadt. Bis zum Jahr 2017 hat Eon dem Museum einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von 750.000 Euro zugesichert. Um das Engagement zu finanzieren, wurde das Pollock-Werk geopfert.