Ermittlungen wegen Lohnsklaverei in Schlachthöfen

Wie am Fließband werden die Tierhälften in den Zerlegebetrieben verarbeitet.
Wie am Fließband werden die Tierhälften in den Zerlegebetrieben verarbeitet.
Foto: Friedhelm Geinowski
Dumpinglöhne, unwürdige Unterkünfte, unmenschliche Arbeitsbedingungen. In einer Dokumentation über die Fleischindustrie prangern Reporter des NDR Montagabend (24. Juni, 22.45 Uhr, ARD) die „Lohnsklaverei in Deutschland“ an. Der Film wirkt wie ein Report über die Mafia.

Düsseldorf. Von "Lohnsklaverei in Deutschland" spricht der NDR und meint die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. Es geht um Hungerlöhne und unwürdige Unterbringung der meist in Rumänien oder Bulgarien angeworbenen Arbeitskräfte. Gezeigt wird der Beitrag Montagabend, 24. Juni, um 22.45 Uhr in der ARD.

Aktuell ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen Firmen in Duisburg, Kamp-Lintfort und Moers, die als Subunternehmer oft osteuropäische Arbeiter anwerben und mit Werkverträgen in deutsche Fleischzerlegebetriebe vermitteln. Es geht um Steuerhinterziehung und nicht gezahlte Sozialabgaben. Selten sind diese aufwändigen Ermittlungen nicht. Erst Ende Mai hat das Landgericht Essen einen 59 Jahre alten Entbeiner aus Sprockhövel zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, weil er rund 500.000 Euro hinterzogen hatte.

Die NDR-Reporter Marius Meyer und Michael Nieberg nehmen die Menschen in den Blick, die am Fließband die Tierkörper zerlegen. „Ausbeutung“ ist ein eher schwacher Begriff, um das zu beschreiben, was die Journalisten den Zuschauern zeigen werden. Angelockt worden seien die Arbeiter in Bulgarien oder Rumänien mit dem Versprechen sicherer und gut bezahlter Arbeitsplätze. Tatsächlich lebten sie in deutschen Städten zusammengepfercht in völlig überfüllten Zimmern, erhielten in bar ausgezahlte Hungerlöhne, die weit unter dem ursprünglich vereinbarten Satz lägen.

Szene wie im Mafia-Film

Beschwere sich einer der Arbeiter, die in der Regel nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen, drohe ihm der Subunternehmer, also sein eigentlicher Arbeitgeber, mit schweren Nachteilen, in Einzelfällen sogar mit dem Tode. Mit verdeckter Kamera haben die Autoren gedreht. Und da gibt es auch eine Szene im Film, in der eine dunkle Limousine vorfährt, dunkel gekleidete Männer aussteigen und aus dem Kofferraum die Lohngelder holen. „Darin sind hunderttausende Euro in bar. Damit bezahlen sie die Arbeiter“, berichtet Michael Nieberg, dem die an Mafia-Filme erinnernde Szene vorkam wie Bilder „aus einem Schattenreich“.

Thema des Filmes sind vor allem Schlachtbetriebe in Norddeutschland. Sie weisen die Vorwürfe zurück. Nieberg: „Sie sagen, sie hätten mit diesen Umständen nichts zu tun, weil sie die Arbeiter über Werkverträge einkaufen.“ Das sei aber falsch, behauptet Nieberg, weil die Firmen zum Teil die Unterkünfte für die Arbeiter stellten.

Sprecher der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten sprechen sogar von organisierter Kriminalität, werfen den Profiteuren Menschenhandel vor. Von ihren Betriebsräten hört die Gewerkschaft, dass der Kontakt zu den Osteuropäern nur schwer möglich sei. Nicht nur die Sprachprobleme sind ein Grund: „Sie werden systematisch von den Vorarbeitern abgeschottet, wir dürfen mit ihnen nicht reden“, heißt es in der Informationsschrift „Wenig Rechte - wenig Lohn“, die auf der Homepage der Gewerkschaft angeboten wird.

 
 

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