Entlastung für den Güterverkehr auf der Betuwe-Linie

An der Betuwe-Linie zwischen Emmerich und Oberhausen soll ein drittes Gleis gebaut werden.
An der Betuwe-Linie zwischen Emmerich und Oberhausen soll ein drittes Gleis gebaut werden.
Foto: Martin Gerten/dpa
Nach 21-jähriger Hängepartie haben Bund und Land am Mittwoch Finanzierungsverträge für die von der Wirtschaft lange ersehnte Betuwe-Linie zwischen Emmerich und Oberhausen unterzeichnet. Das Ende des Güterverkehr-Nadelöhrs auf der Schiene wird aber nicht vor 2020 erwartet.

Oberhausen. Seit 1992 soll das dritte Güterverkehrsgleis zwischen Emmerich und Oberhausen gebaut werden. Erst 21 Jahre später kommt das von der Wirtschaft so sehnsüchtig erwartete Signal für die Betuwe-Linie auf deutschem Gebiet: Bund, Land und Bahn haben gestern in Bonn die Finanzierungsverträge für das 1,5 Milliarden Euro teure Projekt unterzeichnet. 746 Millionen Euro kommen vom Bund und 450 Millionen vom Land. Baugenehmigungen liegen allerdings immer noch nicht vor.

Die Niederländer haben den Deutschen einmal mehr demonstriert, dass der Ausbau ihrer Infrastruktur nicht nur ein Lippenbekenntnis ist: Ihren Teil der Betuwe-Linie von Rotterdam bis Zevenaar weihte Königin Beatrix 2007 ein. Das Nadelöhr zwischen Emmerich und Oberhausen aber blieb. Dabei ist der 43 Kilometer lange Abschnitt nach Einschätzung von Ocke Hamann von der IHK Duisburg/Niederrhein „die Pulsschlagader aller Güterverkehre“, die den Seehafen Rotterdam mit dem Rhein-Ruhr-Raum verbindet.

Rotterdam verdoppelt Umschlag

Laut einer Prognose werden sich die Umschlagmengen in Rotterdam bis zum Jahr 2030 verdoppeln. „Diese Welle schwappt auch ins Hinterland“, meint Hamann. Das dritte Gleis zwischen Emmerich und Oberhausen soll dazu beitragen, die gewaltigen Gütermengen vom Ruhrgebiet nach Rotterdam und umgekehrt zu transportieren. Dass dadurch die von Lkw verstopften Straßen entlastet werden, glaubt der IHK-Experte indes nicht. Rotterdam hat gerade erst neue Terminals eröffnet. Hamann: „Auch wenn die Niederländer ihr Ziel erreichen, den Straßenanteil auf 35 Prozent zu reduzieren, werden Schiene und Schiff die wachsenden Gütermengen nicht aufnehmen können.“

Die IHK ist überzeugt, dass die Rhein-Ruhr-Region von dem Boom in Rotterdam profitieren wird: „Beim Packen und Veredeln von Gütern entstehen Arbeitsplätze. Dabei konkurrieren wir mit den Seehäfen, wo die Flächen extrem knapp werden.“ Revier-Wirtschaftsförderer Thomas Westphal rechnet mit einer „weiteren Steigerung der Logistikinvestitionen“.

Umleitungen auf der Schiene

Auch deshalb begrüßt die Wirtschaft die Finanzierungszusage für die Betuwe-Linie. Hamann warnt allerdings vor Euphorie: „Es gibt noch kein Baurecht und wir kennen noch nicht den Mittelfluss des Bundes.“ Deshalb treibt die IHK die Sorge um, dass der Bau der Strecke nicht fünf, sondern zehn Jahre dauern könnte und die Güterzüge aufgrund der Baustellen großräumig umgeleitet werden müssen. Mit entsprechenden Einschränkungen für hiesige Unternehmen. Noch nicht ausgestanden sind zudem die Proteste von Bürgerinitiativen am Niederrhein, die Lärmbelästigung befürchten. Laut Bundesverkehrswegeplan wird sich die Zahl der Züge von 215 auf bis zu 346 pro Tag erhöhen

Die Erweiterung der Betuwe-Linie Oberhausen-Emmerich kann nach Einschätzung der Bahn frühestens 2015 beginnen. Mit der Fertigstellung ist laut Bahn-Chef Rüdiger Grube nach 2020 zu rechnen. 55 Bahnübergänge müssen beseitigt, elf Bahnhöfe und 47 Brücken um-, 38 neu gebaut werden.

„Die Wirtschaft in NRW und ganz Deutschland kann endlich aufatmen“, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) von einem „Meilenstein“ sprach. NRW sei das wichtigste Transitland, auch für den Hinterlandverkehr der holländischen Seehäfen. Die Strecke Emmerich-Oberhausen soll auch eine der letzten Lücken im Schienen-„Korridor“ Rotterdam-Genua schließen. Doch die Planung auf NRW-Seite stockte immer wieder. Derzeit laufen elf von zwölf Planfeststellungsverfahren. Weitere Einsprüche an der Strecke sind zu erwarten. „Die Bürger werden trotz mehr Güterverkehr ruhiger schlafen können“, versprach NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD). Auf 73 Kilometern sollen Schallschutzwände errichtet werden.

 
 

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