Enervie verzichtet freiwillig auf Millionen-Einnahmen

Es bleiben stürmische Zeiten für Enervie: Der Energieversorger verzichtet  nach eigenen Angaben mehr oder weniger freiwillig auf Millionen-Einnahmen aus Netzentgelten.
Es bleiben stürmische Zeiten für Enervie: Der Energieversorger verzichtet nach eigenen Angaben mehr oder weniger freiwillig auf Millionen-Einnahmen aus Netzentgelten.
Foto: dpa
Der Energieversorger nimmt die Erhöhung der Netzentgelte nach Protesten größtenteils zurück. Die Reduzierung gilt rückwirkend zum Jahresbeginn.

Hagen/Lüdenscheid.. Rolle rückwärts: Der finanziell angeschlagene Energieversorger Enervie kündigt an, die Erhöhung der Netzentgelte in seinem Stromnetz „erheblich zurückzunehmen“ – und damit auf Millionen-Einnahmen zu verzichten.

Der Grund: offenbar massive Proteste von Großkunden, insbesondere der energieintensiven Unternehmen der Stahlindustrie, bis hin zur Ankündigung eines Rechtsstreits. Die Folgen der Rücknahme: Die Stromkosten können für alle Nutzer, egal ob Geschäfts- oder Privatkunden, und egal, von welchem Anbieter der Strom bezogen wird, sinken; für ihre eigenen Kunden hat Enervie dies bereits in Aussicht gestellt.

Intervention der Stadtwerke

Die Reduzierung soll rückwirkend zum 1. Januar 2015 gelten. Die Bonner Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde habe bereits zugestimmt, teilte Enervie mit.

Enervie-Sprecher Andreas Köster bezeichnete auf Nachfrage die Reduzierung als „Entgegenkommen und Zugeständnis“ gegenüber den (Geschäfts-)Kunden.

Laut Enervie habe es „mit rund 100 Netzkunden aus der Region intensive Verhandlungen“ gegeben. An der Intervention waren demnach auch die Stadtwerke Iserlohn, Hemer und Schwerte, die – im Fall von Schwerte zumindest teilweise – auf das Netz der Enervie-Tochter EAN angewiesen sind, um ihre Stromkunden zu beliefern, sowie Verbände der Kaltwalzwerke, der Stahl- und Metallverarbeitung, beteiligt. Gerade Firmen aus der Metallbranche waren unmittelbar nach der Ankündigung, die Netzentgelte zu erhöhen, Sturm gegen das Vorhaben gelaufen; für die Betriebe bedeutete die Erhöhung Mehrkosten von teils mehreren Hunderttausend Euro im Jahr.

Einnahmeverlust lässt sich noch nicht beziffern

Die Firmen sprachen von einem regionalen Wettbewerbsnachteil. Deshalb verkaufte Enervie-Sprecher Köster die Rücknahme der Erhöhung gestern auf Nachfrage der Westfalenpost auch als „gute Nachricht für die Wirtschaft und die Region“. Die ursprüngliche Erhöhung sei jetzt „auf ein von allen Seiten akzeptiertes Maß“ reduziert worden.

Den Einnahmeverlust, der sich daraus ergibt, mochte Köster allerdings nicht beziffern; darüber sei mit den betroffenen Kunden Stillschweigen vereinbart worden. Es dürfte für die Unternehmensgruppe aber um mehrere Millionen Euro gehen.

Jahrelange Rechtsstreitigkeiten vermieden

Angesichts der Verhandlungen mit Banken und den kommunalen Eigentümern über die finanzielle Zukunft von Enervie ist davon auszugehen, dass das zusätzliche Millionenminus in die aktuellen Geschäftszahlen vorsorglich eingerechnet worden ist.

Mit dem freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Erhöhung wollte das Unternehmen wohl auch möglichen, jahrelangen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg gehen.

Die Enervie-Gruppe hatte mit den Mehreinnahmen eigentlich die Kosten für ihre konventionellen Kraftwerke, die sie vorhalten muss, aber nicht mehr kostendeckend einsetzen kann, senken wollen. Zumindest solange, bis das so genannte „Inselstromnetz“ in der Region nördlicher Märkischer Kreis/Hagen Ende des Jahres aufgelöst ist.

 
 

EURE FAVORITEN