Essen

Ende mit Schrecken

Essen.  Der Ausstieg aus dem Pleite-Kraftwerk Gekko (Gemeinschaftskraftwerk Steinkohle) in Hamm kommt die beteiligten Städte – darunter Dortmund, Bochum und Herne – teuer zu stehen. Wie die WAZ jetzt erfuhr, sind die Verhandlungen zwischen den insgesamt 23 an dem Steinkohlekraftwerk beteiligten Stadtwerken und dem Betreiber RWE auf der Zielgeraden. Eine Einigung werde bis Ende des Jahres angestrebt, hieß es.

Danach hat der Essener Energiekonzern sein Übernahmeangebot für den 23-Prozent-Anteil der Stadtwerke an dem Kraftwerk, das nur zur Hälfte ans Netz gegangen ist, nachgebessert. Zur Rede steht nun, dass die Stadtwerke zehn bis 15 Prozent ihres im Jahr 2008 eingebrachten Kapitals zurückerhalten sollen. Offenbar will der finanziell angeschlagene RWE-Konzern die Zahlungen an die Städte aus der Versicherungsleistung für den während der Bauphase beschädigten Kraftwerksblock D leisten.

Zur Hälfte Bauruine

Im Sommer war den Kommunalen dagegen noch eine Art unmoralische Offerte vom Geschäftspartner RWE auf den Schreibtisch geflattert: Die Essener hatten angeboten, den Stadtwerken ihren Anteil für den symbolischen Preis von einem Euro abzukaufen. Das wäre gleichbedeutend mit dem Totalverlust der eingesetzten Summen. Allein Dortmund hatte dem Großkraftwerk an der A 2 mit 114 Millionen Euro auf die Beine geholfen. Bochum beteiligte sich mit 44 Millionen, Herne mit 16 Millionen Euro. Insgesamt investierten die Stadtwerke zusammen über eine halbe Milliarde Euro in das zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung als weltweit modernste Anlage ihrer Art gehandelte Kraftwerk, das auskömmliche Gewinne aus der Steinkohleverstromung versprach.

Doch die Energiewende mit ihrer Bevorzugung von grünem Strom machte diesem Kalkül einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen drohen den städtischen Betrieben nun immense Verluste. Allein Bochum hat bisher Rückstellungen in Höhe von über 13 Millionen Euro für Gekko vorgenommen. In Dortmund wuchsen die Rückstellungen mittlerweile auf 65 Millionen Euro. In der Stadt mit dem größten kommunalen Gekko-Anteil rechnet man im Ausstiegsfall mit einem Gesamtverlust von 95 Millionen Euro. Bochum kalkuliert mit einem Minus von 27 Milllionen Euro. Auch Hamm, Münster, Mönchengladbach, Emmerich und Attendorn sitzen mit im Boot.

Der Ausstieg ist aus Sicht der Stadtwerke freilich noch das geringere Übel. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, beschrieb ein mit der Angelegenheit vertrauter Stadtwerkemanager das mögliche Szenario. Denn das Kraftwerk entwickelte sich zum wohl größten Pleiten-, Pech- und Pannen-Betrieb in NRW. So zerstörte in der Probephase offenbar versehentlich eingeleitete Salzsäure einen der beiden Steinkohleblöcke. Die Hälfte des 2,4 Milliarden teuren Komplexes ist seitdem faktisch Bauruine.

Wie ein Mühlstein am Hals hängen den Stadtwerken aber vor allem die damals geschlossenen Stromverträge. Diese verpflichten die kommunalen Betriebe, den in Hamm erzeugten Strom weit über dem heute üblichen Marktpreis abzunehmen – aktuell noch 18 Jahre lang. Allein in Dortmund geht man davon aus, dass dies zu Zusatzkosten von 16 bis 18 Millionen Euro pro Jahr führen würde – in Summe deutlich mehr als die Verluste, die durch den sofortigen Ausstieg entstünden.

 
 

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