„Einmal reich, immer reich – einmal arm, immer arm“

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Wirtschaftliche Lage: gut, Arbeitslosigkeit: gering. Die Rahmendaten stimmen, doch die soziale Ungleichheit steigt, wie eine neue Studie zeigt.

Berlin.. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut und die Arbeitslosigkeit gering. Trotzdem kommt der Aufschwung seit Jahren bei vielen Menschen nicht an. Zu diesem Ergebnis gelangt der aktuelle Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (WSI).

„Die gute Konjunktur sollte eigentlich dazu führen, dass die Einkommensungleichheit zurückgeht, aber das ist nicht der Fall“, sagt die Verteilungsexpertin des Instituts, Dorothee Spannagel, am Donnerstag. Demnach hat die Spreizung der Einkommen sogar wieder zugenommen, nachdem die Finanzmarktkrise den langfristigen Trend unterbrach.

Chance zum Auf- oder Abstieg ist gering

Besonders problematisch sieht die Wissenschaftlerin die sinkende soziale Mobilität. Das bedeutet, die Chance von einer Einkommensklasse in eine andere auf- oder abzusteigen ist relativ gering. Bereits seit den 80er-Jahren zeigt sich diese Position besonders an den „Rändern“. „Einmal reich, immer reich, einmal arm immer arm“, bewertet Spannagel die Auswertung. „Sehr reiche Haushalte, die mehr als das Dreifache des mittleren verfügbaren Einkommens haben, müssen heute seltener als in den 80er-Jahren einen Abstieg befürchten.“

Für Arme dagegen sanken im gleichen Zeitraum die Chancen auf finanziellen Aufstieg beträchtlich. Die aktuelle Erhebung zeigt, dass etwa 46 Prozent derjenigen, die 2005 arm waren, auch 2012 arm waren. Bei den sehr Reichen waren knapp 57 Prozent weiter sehr reich. Das heißt, auch die Turbulenzen der Finanzkrise hat diese Bevölkerungsschicht gut überstanden.

Mittelschicht ist bedroht

Deutlich mehr Bewegung gibt es dagegen bei den Einkommensgruppen dazwischen. Allerdings betrifft dies immer häufiger den Abstieg in eine niedrigere Einkommensklasse. Bedroht ist vor allem die untere und obere Mittelschicht. Dabei handelt es sich um Haushalte, denen zwischen 1000 und knapp 2500 Euro pro Monat zur Verfügung stehen. „Sie haben sich zu Klassen mit deutlichen Abstiegsrisiken entwickelt“, sagt Spannagel. „Es steigen vor allem mehr Menschen zu den Armen ab als noch in den 1980er Jahren.“

Die Armutsquote liege derzeit in Deutschland bei rund 14,4 Prozent. Das bedeutet, ein Einpersonenhaushalt verfügt über weniger als 1000 Euro im Monat. 1991 lag sie noch bei rund elf Prozent.

 
 

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