„Ein Werk zu schließen, ist sehr schmerzhaft“

Rüsselsheim/Bochum.  Es ist der erste Besuch der GM-Chefin in Bochum seit der Schließung der Autofabrik in der Stadt: Mary Barra, die erste Frau an der Spitze der Opel-Mutter General Motors, ist Rednerin beim Bochumer „Car Symposium“ der Uni Duisburg-Essen. Bevor Barra nach Bochum gereist ist, hat sie in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim Fragen von Ulf Meinke beantwortet.

Ende 2014 hat die GM-Tochter Opel die Autoproduktion in Bochum eingestellt. War die Schließung des Werks wirklich unvermeidlich?

Barra: Es war eine sehr schwierige Entscheidung. Aber wir mussten unsere Überkapazitäten in Europa und Deutschland abbauen. Daher war der Schritt notwendig.

Wie weh hat der Einschnitt getan?

Ein Werk zu schließen, ist sehr schmerzhaft. Es war uns aber wichtig, dass unser Handeln verantwortungs- und respektvoll gegenüber den Menschen ist.

Stehen weitere Werksschließungen in Europa an?

Nein. Wir wollen in diesem Jahr mit Opel die Gewinnschwelle durchbrechen. Das steht im Mittelpunkt. Und wir wollen mit den Werken, die wir haben, kontinuierlich wachsen.

GM hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren, aber Opel blieb in der Verlustzone. Können Sie damit zufrieden sein?

Opel ist auf dem richtigen Weg. 2016 wird ein entscheidendes Jahr. Opel hat viel dafür getan, sich kontinuierlich zu verbessern. Wir arbeiten jetzt deutlich effizienter und haben die Marke gestärkt. Mit unseren Modellen Karl, dem neuen Corsa, dem Mokka und dem neuen Astra sind wir erheblich schlagkräftiger geworden.

Wie wichtig ist Opel für General Motors insgesamt?

Opel spielt eine immens wichtige Rolle für GM. In Rüsselsheim befindet sich unsere Europa-Zentrale. Der europäische Markt ist unglaublich wichtig. Und auch von der Kompetenz der mehr als 7000 Opel-Ingenieure profitiert GM weltweit.

Bekommen Ingenieure aus Deutschland ein Image-Problem angesichts des Diesel-Skandals von VW?

Zur Situation von VW möchte ich mich nicht äußern. Das Opel-Team genießt jedenfalls ein hohes Ansehen – überall auf der Welt.

Hat der Diesel jetzt noch eine Chance auf dem US-Markt?

Auf jeden Fall. Die Diesel-Technologie spielt auch für uns eine wichtige Rolle, und wir haben inzwischen auch einige Chevrolet-Modelle mit Dieselmotor auf den Markt gebracht.

Können Sie den Kunden in Deutschland versprechen, dass bei den Diesel-Fahrzeugen von Opel alles korrekt und sauber ist?

Unsere Fahrzeuge erfüllen die erforderlichen Abgasgrenzwerte. Sie haben alle erforderlichen abgasbezogenen Typzulassungstests erfolgreich durchlaufen. Es gibt keine GM-Software, die erkennt, ob ein Auto auf einem Prüfstand betrieben wird. Doch die Diskussion geht mittlerweile weiter. Die Frage lautet: Wie können wir bei den Tests für die Zulassung der Fahrzeuge die realen Begebenheiten möglichst gut darstellen? Wir arbeiten daran, uns hier weiter zu verbessern.

Lassen Sie uns über die Zukunft von GM sprechen. Sie ­setzen sehr stark auf Elektromobilität, aber die Kunden in Deutschland sind noch zurückhaltend. Auf den Straßen hierzulande sind noch nicht viele Elektroautos zu sehen. Was macht Sie so sicher, dass die neue Technologie ein Erfolg wird?

Die Kunden verhalten sich sehr rational und intelligent. Aber wir können dazu beitragen, dass die Menschen einen neuen Blick auf die Elektromobilität bekommen. Zum Beispiel mit unserem neuen Modell Ampera-e, das wir im nächsten Jahr auf den Markt bringen.

Wünschen Sie sich staatliche Kaufanreize für Elektroautos in Deutschland?

Es gibt viele Wege, wie Regierungen dazu beitragen können, Elektromobilität attraktiver zu machen. Eine Infrastruktur mit einer ausreichenden Zahl von Ladesäulen ist wichtig. Ich freue mich, dass Kanzlerin Merkel erklärt hat, die Bundesregierung wolle an dieser Stelle intensiv mit der Industrie zusammenarbeiten. Auch Kaufanreize können helfen. Generell gilt in unserer Branche: Wenn die Stückzahlen steigen, verringern sich die Kosten. Wenn für eine bestimmte Zeit Vergünstigungen dazu beitragen, Elektroautos erschwinglicher zu machen, profitieren alle davon.

 
 

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