Die Risiken der Eon-Revolution

Eon-Chef Johannes Teyssen gestern bei der Hauptversammlung in Essen.
Eon-Chef Johannes Teyssen gestern bei der Hauptversammlung in Essen.
Eon wagt den großen Schnitt, RWE setzt auf Schrumpfkur. Welche Strategie die bessere sein wird, ist längst nicht ausgemacht. Auch für Eon bleiben große Risiken.

Den dunklen Limousinen der Eon-Manager wird der Umzug nach Essen gut stehen – statt mit D-ON werden ihre Kennzeichen ab 2016 mit den richtigen drei Buchstaben beginnen – E-ON. Der Grund für den Standortwechsel ins Revier des größten Rivalen RWE dürfte das nicht gewesen sein, eher schon, dass die neue Eon mit ihren Zukunftsfeldern perfekt in die wenige Jahre jungen Gebäude an der Messe passt. Ob sie aber mit ihrer „Revolution“ besser fährt als RWE mit einer Schrumpfkur in alter Struktur, ist längst nicht ausgemacht. Die Scheidung der sauberen Eon vom Kraftwerksgeschäft birgt große Risiken.

Die künftige „Uniper“ bleibt als konventioneller Stromerzeuger abhängig von den Wendungen der Energiepolitik und damit unter Druck. Das kann Eon noch lange belasten, schließlich wird es eine Trennung in Raten. Der rhetorische Spagat, die Trennung als existenziell zu verkaufen, der abgestoßenen Uniper aber eine goldene Zukunft weiszusagen, gelang Teyssen nicht ganz.

Auch kann Eon nicht sicher sein, mit den Atomrückstellungen bald nichts mehr zu tun zu haben. Ob sie ausreichen werden, ist ungewiss. Nach jetzigem Recht wäre Eon nach fünf Jahren der Trennung von Uniper aus der Haftung. Doch Gesetze können geändert werden, zum Beispiel, wenn eine wie auch immer farbene Bundesregierung irgendwann Zweifel hegt, ob Uniper den Rückbau seiner Atommeiler wirklich stemmen kann – und kalte Füße kriegt.

Die Aktionäre sind sich dieser Risiken sehr bewusst, wie auf der Hauptversammlung deutlich wurde. Aber, und das ist die gute Nachricht für Teyssen: Sie folgen dem Vorstand und sind entschlossen, die Risiken dieser Revolution einzugehen. Zumindest war gestern in der Grugahalle weit mehr Aufbruchstimmung zu vernehmen als vor zwei Wochen unter den RWE-Aktionären.

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