Die Post kommt bald per Internet

Essen. Der herkömmliche Papierbrief soll schon bald Konkurrenz bekommen: durch den Online-Brief der Deutschen Post und die DE-Mail, das von der Bundesregierung favorisierte rechtssichere Mail-Verfahren. Das soll für Verbraucher bequem und für Firmen günstig sein.

Bisher ist es nur ein Versprechen: Noch dieses Jahr sollen alle Bürger in Deutschland rechtssicher übers Internet kommunizieren können. Was die klassische E-Mail nicht zu leisten vermag, sollen zwei konkurrierende Produkte ermöglich: der Online-Brief der Deutschen Post und die DE-Mail, das von der Bundesregierung favorisierte rechtssichere Mail-Verfahren.

Die Post will im Juli mit ihrem Online-Brief loslegen. Mail-Anbieter wie die Telekom, GMX und Web.de planen die Markteinführung der DE-Mail im Herbst.Viele Firmen sollen von den neuen Postverfahren profitieren. Sie sparen damit Geld. Für Verbraucher versprechen die elektronischen Briefe vor allem mehr Be­quemlichkeit.

Die Deutsche Post nimmt sich viel vor: „Wir bringen unseren klassischen Brief mit all seinen Wertversprechen ins Internet“, sagt ein Konzernsprecher. Damit das gelingen kann, müssen die Anbieter des Online-Briefes vor allem eins gewährleisten: Der digitale Schriftverkehr muss für Dritte unlesbar und Sender sowie Empfänger müssen eindeutig identifizierbar sein. Erst dann ist es möglich, Vertragsunterlagen oder Rechnungen über das Internet (rechts-)sicher zu verschicken.

Bürgerportalgesetz soll im Herbst verabschiedet werden

Der Gesetzgeber hat bereits genaue Regeln aufgestellt, wie er Rechtssicherheit im vergleichsweise rechtsfreien Netz herstellen will. Das DE-Mail-Gesetz, auch Bürgerportalgesetz, soll noch im Herbst verabschiedet werden.

So lange will man bei der Deutschen Post nicht warten. Sie denkt zudem den Online-Brief weiter. Geplant ist auch ein sogenannter Hybridbrief: Er wird digital geliefert, die Post druckt ihn aus und bringt ihm zum Empfänger. Kosten: 46 Cent, neun Cent weniger als der Klassiker aus Papier.

Die neuen Verfahren bringen Unternehmen Einsparungen. 85 Prozent des Postverkehrs in Deutschland ist geschäftlicher Natur. Banken verschicken Verträge, Versicherungen Rechnungen, Telefonanbieter Einzelverbindungsnachweise. Eine Digitalisierung spart neben Porto-, auch Papier- oder Druckkosten.

Autozulieferer ZF hat’s schon getestet

ZF Friedrichshafen, einer der größten deutschen Autozulieferer, beteiligte sich am DE-Mail-Pilotprojekt in Friedrichshafen am Bodensee. „Wir wollen Entgeltmitteilungen an unsere 38 000 Mitarbeiter in Deutschland sicher verschicken“, sagt Projektleiter Martin Frick.

Die Integration von DE-Mail ins E-Mail-System von ZF sei leicht gewesen, die Kostenersparnis hoch – und auch die Mitarbeiter spielten mit. Fast 90 Prozent der am Pilotprojekt beteiligten Beschäftigten würden das Verfahren weiterempfehlen, sagt Frick. Der Autozulieferer ZF sei daran interessiert, mit Lieferanten und Kunden per DE-Mail zu kommunizieren. „Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.“

Kosten für die Bürger

Bei den Mailanbietern und Kooperationspartnern GMX, Web.de und Telekom soll die Zukunft im Herbst beginnen. Das Potenzial, das rechtssichere Maildienste im Internet bieten, ist groß.

„Wir gehen davon aus, dass deutlich mehr als zwei Prozent der Deutschen im ersten Jahr nach Markteinführung DE-Mail nutzen“, sagt Telekom-Projektleiter Gert Metternich. Macht 1,5 bis zwei Millionen Menschen. Metternich ist vom Erfolg der neuen Technologie überzeugt. Sie passe einfach besser in die Zeit. „Heute fragen Kunden bei der Versicherung per Mail an und bekommen oft erst Tage später eine Antwort per Brief.“ Das gehöre bald der Vergangenheit an.

Kosten noch unklar

Was kostet der digitale Brief den Verbraucher? Bei der Post hüllt man sich noch in Schweigen: „Wir arbeiten noch am Preismodell.“ GMX und Web.de sind weiter. „Wir peilen einen Preis um 15 Cent an“, sagt 1&1-Vorstand Jan Oetjen. Zum Internet-Konzern gehören die beiden Mail-Marken mit ihren 28 Millionen E-Mail-Kunden. Es gelte das Verursacherprinzip. „Wer verschickt, zahlt.“

Für alle Nutzer, die DE-Mails empfangen wollen, werde allerdings eine Anmeldegebühr fällig. „Vielleicht“, sagt Projektleiter Gert Metternich von der Telekom, „geben die Firmen ihren Kostenvorteil auch an die Verbraucher weiter.“ Aber auch das ist bislang nur ein Versprechen.

ÜBRIGENS

DE-Mail arbeitet mit Versand- und Empfangsbestätigungen, um sicherzugehen, dass Sendungen nicht verlorengehen. Die DE-Mail-Anbieter wollen Nutzern ermöglichen, E-Mail-Konten um die neuen Funktionen zu erweitern. Erforderlich ist die einmalige Registrierung per Post-Ident-Verfahren: Dabei weist sich der Antragsteller in einer Postfiliale als der aus, der den Antrag auf einen DE-Mail-Account stellte. Der Online-Brief der Deutschen Post arbeitet zusätzlich mit persönlichen Identifikationsnummern, die aufs Handy des Teilnehmers geschickt werden. Das soll die Sicherheit steigern.

 
 

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