Die Milchbauern machen weiterhin Druck

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Osnabrück. Die Milchviehhalter wollen weiterhin gegen die europäische Milchpolitik protestieren. "Die Politik der Kommission ist voll und ganz gescheitert", sagte der deutsche Verbandsvorsitzender Romuald Schaber laut Medienberichten. Seiner Meinung nach müsse sofort die Produktion reduziert werden.

Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, will trotz des signalisierten Entgegenkommens der EU-Kommission im Milchstreit weiter Druck ausüben. «Die Politik der Kommission ist voll und ganz gescheitert», sagte Schaber der «Passauer Neuen Presse» vom Donnerstag. Zwar zeichne sich Bewegung in der EU-Kommission ab, er aber bleibt skeptisch. «Jetzt muss man sich die Vorschläge ansehen und dranbleiben, damit wirklich etwas Vernünftiges herauskommt. Dazu braucht es diesen Druck.»

Für Reduzierung der Produktion

Als Sofortmaßnahme müsse die Produktion reduziert werden, sagte Schaber. Er weist zurück, dass die Milchstreiks auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen würden. «Die Preise für uns Erzeuger sind teils um 50 Prozent zurückgegangen. An die Verbraucher sind in der Regel nur 7 bis 8 Prozent weitergegeben worden. Bei Butter und Milch, die ja nur einen Teil des Segments der Milchprodukte ausmachen, waren es 25 Prozent. Der Verbraucher hat also auch nicht viel davon, wenn die Milchbauern brutal im Preis gedrückt werden», sagte Schaber.

Rund zehn Betriebe aus Ostthüringen wollen sich ab Donnerstag dem Milchboykott anschließen und die Lieferungen an die Molkereien einstellen. Mit dem Lieferstopp wolle man sich mit den französischen und belgischen Landwirten solidarisieren, sagte Tom Kuhnert, Beiratsmitglied im Bundesverband deutscher Milchviehhalter und selbst Milcherzeuger im Freistaat, der «Thüringer Allgemeinen». Die europäischen Milchviehhalter demonstrieren seit rund einer Woche für einen höheren Milchpreis. Auch in Deutschland klagen die Landwirte seit Monaten, mit einem Milchpreis zwischen 20 und 24 Cent pro Liter nicht kostendeckend produzieren zu können.

Landwirte in den Vorruhestand?

Niedersachsen setzt sich für eine Vorruhestandsregelung für Landwirte ein. Diese könne vor allem für die Milchbauern «in naher Zukunft» beginnen, sagte Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Das wäre eine Möglichkeit, die aktuellen Überschüsse bei den Milchmengen zu begrenzen und so den Preisverfall zu stoppen.» Auf ihrer an diesem Donnerstag beginnenden Herbsttagung in Eisleben werden die Länder-Agrarminister über die niedersächsische Initiative beraten.

Zur Finanzierung eines Vorruhestands bei den Milchbauern könnte laut Ehlen Geld aus dem EU-Milchkonjunkturprogramm genutzt werden. Die Mittel in Höhe von 90 Millionen Euro für Deutschland könnten für derartige Strukturhilfen verwendet werden.

Grüne wollen Milchmengen begrenzen

Die Grünen forderten die Länder-Agrarminister der Bundesländer auf, die Notbremse zu ziehen, um die Milchmengen zu begrenzen. Die Vorsitzende des Bundestags-Agrarausschusses, Ulrike Höfken, sagte der Zeitung: «Die in Deutschland erlaubte Saldierung, also die Verrechnung von zu viel mit zu wenig gelieferter Milch, muss sofort gestoppt werden.» Die von der EU beschlossene Erhöhung der Milchquote müsse in der nationalen Reserve bleiben und dürfe nicht an die Bauern weitergereicht werden. (ddp)

 
 

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