Die lange Nacht der Gläubiger

Berlin/Athen..  Bis tief in die Nacht haben die großen Gläubiger im Kanzleramt ihre Linie abgestimmt. Hausherrin Angela Merkel (CDU) würde zu gern die festgefahrenen Verhandlungen mit Griechenland in Gang bringen – eine Erfolgsmeldung zum G7-Gipfel am Wochenende in Elmau. Im Raum steht ein gemeinsamer Entwurf, ein neues Angebot? Offiziell klingt das so: Es werde mit „großer Intensität“ weiter gearbeitet, die Partner blieben „in engstem Kontakt“ untereinander und mit Athen.

Von einem Ultimatum ist keine Rede. „Die Frist setzt sich von selbst“, heißt es im Kanzleramt. Seit Wochen wird gefordert, dass die Griechen sich entscheiden müssten, und zwar „schnell“, „zeitnah“, „sofort“. Nun aber zählt wirklich jeder Tag. Am 30. Juni läuft das zweite Hilfspaket aus. Geld, das bis dahin nicht geflossen ist, verfällt. Gleichzeitig werden Zahlungen fällig, die erste in Höhe von 300 Millionen Euro schon am Freitag, eine weitere Milliarde in den nächsten Wochen.

Wie lang kann Athen noch zahlen? „Ohne Programm wird Griechenland nicht weit kommen“, sagte der SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider dieser Zeitung. Er erwartet eine Einigung, auch unter Einbeziehung eines dritten Hilfspakets. Entscheidend sei, wann Premier Tsipras sich bewege. Knackpunkte sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen die Rentenreform, die Liberalisierung des Arbeits- und Tarifvertragsrechts sowie die Mehrwertsteuerreform.

Insgesamt stehen bis Ende Juni Hilfen in Höhe von 7,2 Milliarden Euro aus: 3,5 Milliarden vom IWF, 1,8 Milliarden beträgt die letzte Tranche der Europäer, dazu kommen 1,9 Milliarden an Kapitalhilfen. Insgesamt will der IWF mit 19,1 Milliarden helfen, wovon 11,8 Milliarden ausgezahlt worden sind. Geld ist da. Was bisher fehlt, ist die griechische Bereitschaft, die Auflagen der Kreditgeber zu erfüllen.

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