Die insolvente Imtech hinterlässt Spuren in NRW

Auch am Gesundheitscampus in Bochum wirkte Imtech mit.
Auch am Gesundheitscampus in Bochum wirkte Imtech mit.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Die Insolvenz des Gebäudeausrüsters Imtech betrifft 960 Baustellen in Deutschland. Darunter der Berliner Hauptstadtflughafen, aber auch viele Projekte an Rhein und Ruhr.

Duisburg/Düsseldorf/Bochum/Hamm/Hagen.. Die Insolvenz des Gebäudeausrüsters Imtech hat Auswirkungen auf rund 960 Baustellen in Deutschland. Die spektakulärste ist sicherlich der Hauptstadtflughafen BER. Aber auch an Rhein und Ruhr hat das Unternehmen seine Spuren hinterlassen – nicht immer zur Freude seiner Auftraggeber.

An den laufenden Baustellen setzten die Imtech-Beschäftigten vorerst ihre Arbeit fort, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt am Mittwoch in Hamburg. Das treffe auch für beauftragte Subunternehmen zu. Am Berliner Flughafen ist Imtech für zentrale Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten, aber auch für den Brandschutz zuständig. Nach einem „Focus“-Bericht rechnen Experten damit, dass sich die BER-Eröffnung durch die Imtech-Pleite abermals auf Frühjahr 2018 verschieben werde.

Verzögerungen und Kostenexplosionen

Verzögerungen, vermutete Unregelmäßigkeiten und Kostenexplosionen gab es auch bei Bauprojekten an Rhein und Ruhr, an denen Imtech beteiligt war und ist. Einige Beispiele:

InsolvenzDie Uniklinik Düsseldorf hat Klage gegen Imtech beim Landgericht Düsseldorf eingereicht. Die Klinik macht das Unternehmen dafür mitverantwortlich, dass ein Neubau für operative Medizin erst mit drei Jahren Verzögerung eröffnet werden konnte. Der Streitwert liegt nach Angaben des Landgerichts Düsseldorf bei 27 Millionen Euro.

In den RWE-Kraftwerken Hamm und Eemshaven baute Imtech die Lüftungs- und Klimatechnik ein. Die Kraftwerke laufen inzwischen weitgehend. Allerdings ermittelt die Justiz gegen Imtech wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen zu Lasten von RWE. Wie sich die angemeldete Insolvenz auf die Schadenersatzansprüche des Ener­gieversorgers auswirken wird, ist derzeit völlig unklar.

Zu größeren Verzögerungen kam es beim Bau des Bochumer Gesundheitscampus. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) machte dafür insbesondere Imtech verantwortlich. Das Unternehmen soll die Gebäude mit Elektrotechnik ausrüsten. Der BLB reagierte und kündigte einen Großteil der Verträge mit Imtech. Nun sollen die Gebäude Ende August fertiggestellt sein. Trotz der Imtech-Insolvenz halte der BLB an dem Zeitplan fest, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

4,7 Millionen Euro schwer war der Auftrag, mit dem Imtech ab 2006 den Neubau der Mercatorhalle in Duisburg mit Elektrotechnik ausstattete. Als 2012 Mängel beim Brandschutz bekannt wurden, musste die Halle geschlossen werden. Sie wird bis heute saniert. Imtech bestreitet eine Mitschuld an den Schlampereien. Die Stadt Duisburg als Bauherr hat bislang keine Regressforderungen gegen Imtech erhoben. Neuer Pfusch wurde jetzt an der Bühnentechnik entdeckt. Die Wiedereröffnung der Mercatorhalle verzögert sich damit weiter.

Mit vierwöchiger Verspätung und Kostensteigerungen eröffnete das Hagener Einkaufszentrum Rathaus-Galerie im November 2014. Es gab Probleme beim Brandschutz. Für das Gewerk war die Firma Imtech zuständig.

Auf der Baustelle von Oper und Schauspielhaus in Köln haben Imtech-Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Die geplatzte Wiedereröffnung der Kulturstätten beschäftigt nun auch die Justiz. Es läuft ein Ermittlungsverfahren ge­gen unbekannt. Es geht dabei um den Verdacht, dass die Stadt Köln betrogen wurde, so die Staatsanwaltschaft.

Trotz der Imtech-Pleite geht der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) davon aus, dass die Gebäude der neuen Hochschule Düsseldorf auf dem Campus Derendorf wie vorgesehen im August übergeben werden können. „Die Auswirkungen der Imtech-Insolvenz sind überschaubar“, so der BLB.

 
 

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