Die IG Metall entdeckt die Jugend

Die IG Metall wirbt auch mauf einer Roadshow, wie hier in Witten, um Jugendliche. Foto: Walter Fischer
Die IG Metall wirbt auch mauf einer Roadshow, wie hier in Witten, um Jugendliche. Foto: Walter Fischer
Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
Die IG Metall NRW fordert Unternehmen auf, Auszubildenden mehr unbefristete Verträge zu geben. So könne man dem Fachkräftemangel begegnen. Längere Arbeitszeiten lehnt sie ab. Nur über mehr Flexibilität könne man reden.

Essen.. Die IG Metall hat ihren Gewerkschaftstag in Karlsruhe dem Nachwuchs gewidmet. Oliver Burkhard, IG-Metall-Chef in NRW, sprach mit Stefan Schulte darüber, was die Jugend braucht, ob sie womöglich mehr verdienen, dafür aber länger arbeiten wird.

Die Arbeitslosigkeit sinkt, der Fachkräftemangel beginnt. Das hilft dem Nachwuchs. Warum meint die IG Metall, sich besonders um ihn kümmern zu müssen?

Oliver Burkhard: Wenn die Nachfrage steigt und das Angebot an Arbeitskräften sinkt, ist das nicht das schlechteste. Viele Jugendliche profitieren davon aber noch nicht. Befristungen, Leiharbeit, prekäre Beschäftigung – das sind jetzt die drängenden Themen für fast die Hälfte der jungen Generation. Wir gehen sie an und sind damit auch kulturell anschlussfähig. Das macht die IG Metall zum größten politischen Jugendverband. Von den Parteien dagegen fühlen sie sich offensichtlich kaum noch vertreten. Oder warum hat die Piratenpartei so einen Erfolg?

Die Demografie wird auch die Gewerkschaften Mitglieder kosten. Ist das vielleicht der Grund, warum Sie sich so um die Jugend bemühen?

Ohne Mitglieder sind wir nichts. Wenn die Arbeitgeber sagen, unsere Forderung nach unbefristeter Übernahme von Auszubildenden sei Mitgliederwerbung, antworte ich: ja, das auch. Wenn wir damit finanziell und politisch stärker und erfolgreicher werden, ist das für die Beschäftigten sicher besser als ein zweigeteilter Arbeitsmarkt mit gut verdienenden Stammkräften auf der einen und prekär Beschäftigten auf der anderen Seite.

Bei einem Mangel an Fachkräften müsste es für Sie doch leichter werden, höhere Löhne durchzusetzen.

So scheint es zunächst. Aber dabei kann es uns keinesfalls nur um eine Arbeiter-Aristokratie gehen, die gleichzeitig an den Rändern wegschmilzt. Was nützen dolle Lohnerhöhungen für die Kernarbeiterschaft, wenn immer mehr Leiharbeiter Stammpersonal ersetzen? Das ist wie eine Pizza, die nur in der Mitte belegt ist – die schmeckt nicht.

Unbefristete Verträge als Werbung für das Unternehmen

Löst sich dieses Problem in Zukunft nicht von alleine, wenn Arbeitgeber um jede Fachkraft kämpfen müssen?

Sie werden sicher mehr bieten müssen, um gute Leute zu finden. Gerade deshalb wäre der von uns geforderte Grundsatz, Auszubildende unbefristet zu übernehmen, allemal eine gute Werbung für die Metallindustrie.

Aber ein Übernahmezwang könnte Arbeitgeber davon abhalten, auch schwächere Jugendliche auszubilden.

Die Sorge habe ich nicht. Dafür haben wir 2008 die Förderung zur Ausbildungsfähigkeit eingeführt. Arbeitgeber können Jugendliche vor Beginn der eigentlichen Ausbildung ein Jahr lang heran führen. Dabei klärt sich, wie es weiter geht.

Wenn künftig weniger Menschen die gleiche Arbeit machen sollen – müssen dann nicht die Arbeitszeiten wieder verlängert werden?

Nein, bevor wir die Arbeitszeit verlängern, sollten wir erst mal alles unternehmen, um mehr Menschen in Arbeit zu bringen. Ich bin natürlich bereit, dann über noch mehr interne Flexibilität, etwa im Schichtsystem, zu reden. Arbeitszeitkonten könnten z.B. eine größere Rolle spielen. Aber alles ausgehend von der 35-Stunden-Woche. Denn viele arbeiten bereits jetzt am Anschlag. Wir müssen deren Arbeit auf einem Maß halten, das ein Mensch körperlich und seelisch aushalten kann.

 
 

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