Die dubiosen Methoden der Schlüsseldienste

Ein neuer Schüssel kann teuer werden.             Foto: Kai Kitschenberg/ WAZ FotoPool
Ein neuer Schüssel kann teuer werden. Foto: Kai Kitschenberg/ WAZ FotoPool
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Viele Schlüsseldienste verlangen extrem hohe Preise. Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Anbietern in der Branche.

Essen. Wenn der Schlüsseldienst die Rechnung präsentiert, fühlen sich viele Verbraucher abgezockt. Das berichten – landauf, landab – die Verbraucherzentralen. Demnach gibt es regelmäßig Beschwerden darüber, dass die Firmen zum Teil unanständig hohe Preise verlangen – insbesondere, wenn der Schlüsseldienst spät abends oder am Wochenende benötigt wird.

Das Verbraucherportal Geld.de hat nun die Preise in der Branche unter die Lupe genommen und kommt zu dem Urteil: Abzocke ist an der Tagesordnung. Demnach kassieren die Schlüsseldienste bei einem Einsatz nach 18 Uhr im Schnitt rund 120 Euro pro Arbeitsstunde. In einigen Ruhrgebietsstädten fallen die Preise noch höher aus. In Bochum sind es durchschnittlich 158 Euro, in Mülheim 146 Euro, in Oberhausen und Duisburg 135 beziehungsweise 133 Euro. Das Verbraucherportal hatte nach eigenen Angaben im März und April mehr als 2100 Schlüsseldienste angerufen. Etwa jeder zweite Betrieb erklärte sich zu einer Preisauskunft bereit.

375 Euro für einen Dienst

Auch Versicherungen warnen schon seit geraumer Zeit vor unseriösen Anbietern. „In dieser Branche tummeln sich einige schwarze Schafe, die solche Notsituationen und die Panik der Menschen ausnutzen“, sagt Michael Urban von der R+V Versicherung. Geld.de stieß auf einen besonders dreisten Fall von Abzocke: Ein Schlüsseldienst verlangte 375 Euro.

Zu einer Masche gehört offensichtlich auch ein Verwirrspiel mit Firmennamen. Oft verbirgt sich ein Anbieter hinter verschiedenen Telefonnummern, berichtet Geld.de. 70 Prozent der Schlüsseldienst-Telefonbucheinträge gehe auf das Konto von sechs Prozent der Unternehmen in der Branche. Etliche Schlüsseldienst-Firmen versuchen auch, mit AAA oder 000 im Namen in Branchenverzeichnissen ganz oben zu stehen. „Über solche Unternehmen gibt es besonders häufig Beschwerden“, warnt Urban.

Mehrere Angebote reinholen

Der wichtigste Schutz vor Abzocke sei, mehrere Angebote einzuholen und schon am Telefon einen Festpreis inklusive Anfahrt und Material zu vereinbaren, am besten unter Zeugen, sagt Urban. „Das fällt den Betroffenen jedoch oft schwer, weil sie froh sind, wenn jemand schnell die Tür öffnet“, sagt er.

„Wir sind etwas teurer als ein Schuster um die Ecke“, räumt Christian Schaefer, der Chef des Verbands Deutscher Schlüsseldienste, ein. Die Preise rechtfertigt er mit dem 24-Stunden-Notdienst, der einen entsprechenden Aufwand erfordere.

Zwar sei Notdiensten zuzugestehen, dass sie wegen ihrer ungewöhnlichen Arbeitszeiten auch einen Zuschlag verlangen könnten, der Kunde müsse sich aber längst nicht alles bieten lassen, halten Verbraucherschützer dagegen. Sie kritisieren zum Beispiel, dass einige Schlüsseldienste eine Preisauskunft am Telefon verweigern. Ein seriöses Unternehmen müsse in jedem Fall die Höhe der Fahrt- und Nebenkosten benennen können. Der wohl beste Tipp ist übrigens, einen Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson zu hinterlegen.

 
 

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