Deutschland muss erstmals wieder Getreide importieren

Deutschland ist in diesem Jahr voraussichtlich erstmals seit 24 Jahren wieder auf Getreideimporte angewiesen.
Deutschland ist in diesem Jahr voraussichtlich erstmals seit 24 Jahren wieder auf Getreideimporte angewiesen.
Foto: dapd
Deutschland ist beim Getreide offenbar kein Selbstversorger mehr. Erstmals seit mehreren Jahrzehnten sind deshalb Medienberichten zufolge Getreideimporte nötig. Die Ernte lag laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr bei 41,5 Millionen Tonnen. Benötigt würden aber 44 Millionen Tonnen.

Frankfurt/Main. Erstmals seit 25 Jahren ist Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich auf Getreideeinfuhren angewiesen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, immer mehr Ackerflächen würden für den Anbau von Mais verwendet, aus dem in Biogasanlagen elektrischer Strom gewonnen wird.

"Wir haben eine zunehmende Verdrängung von Getreide durch Mais für Biogasanlagen", sagte der Agrarstatistiker Georg Keckl dem Blatt. "Die Leute merken gar nicht, wie viel Geld schon über den Strompreis in die Landwirtschaft geht", fügte der Leiter der niedersächsischen Erntestatistik hinzu. Der Selbstversorgungsgrad bei Getreide - das Verhältnis des Verbrauchs zur Herstellung im Inland - sei in der landwirtschaftlichen Saison 2011/2012 auf 96 Prozent zurückgegangen.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge betrug die Getreideernte im vergangenen Jahr 41,5 Millionen Tonnen. Wie Statistiker Keckl dem "Focus" sagte, beträgt der Bedarf an Getreide im Inland aber 44 Millionen Tonnen.

Ernte 2011 besonders niedrig

Dies deckt sich etwa mit Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Demnach betrug der Getreideverbrauch in Deutschland im Wirtschaftsjahr 2009/2010 42,6 Millionen Tonnen. Damals allerdings habe der Selbstversorgungsgrad noch bei 117 Prozent gelegen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hatte die Ernte 2011 als ausgesprochen niedrig bezeichnet. Als Grund nannte er das schlechte Wetter. Auch 2010 sei die Ernte bereits unterdurchschnittlich gewesen. Die Anbauflächen sind demnach aber kaum gesunken.

Der Agrarstatistiker Keckl allerdings sagte dem "Focus", Agrarfelder würden in ökologische Ausgleichsfläche verwandelt, was die Anbauflächen und damit den Ertrag senke. Zudem werde immer mehr Getreide zu Biosprit verarbeitet. Auch setzten die deutschen Bauern mittlerweile weniger auf einen hohen Ertrag als auf gesunde Pflanzen. (afp/dapd)

 
 

EURE FAVORITEN