Deutsche Post will Porto auf Rekordhoch erhöhen: Eine Gruppe wird es besonders hart treffen

Die Deutsche Post will das Porto erhöhen. (Symbolbild)
Die Deutsche Post will das Porto erhöhen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Bonn. Kunden der Deutschen Post müssen für das Briefporto ab Juli tiefer in die Tasche greifen. Die Bundesnetzagentur schlug am Donnerstag in Bonn vor, dass der Preiserhöhungsspielraum 10,6 Prozent betragen soll.

Damit kann ein Standardbrief bis zu 90 Cent Porto kosten. Es ist nämlich der Deutschen Post selbst überlassen, wie sie die Erhöhung verteilt. Und es wird eine Bevölkerungsgruppe besonders hart treffen.

Denn die Entgeltanhebung betrifft zunächst nur Briefe von Verbrauchern, also Einzelsendungen. Deren Anteil an der Gesamtmenge liegt nur bei etwa 15 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es grob gesagt 1,2 Milliarden solcher Sendungen von Verbrauchern.

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Die Gesamtmenge aller Einzelsendungen der verschiedenen Briefarten kann sich entsprechend verteuern.

Bis zu 90 Cent Porto kann ein Standardbrief nach der Erhöhung kosten

Das Porto für einen Standardbrief könnte aber noch stärker steigen - Branchenkreisen zufolge ist eine Anhebung von aktuell 70 Cent auf bis zu 90 Cent möglich. Dann würde sich das Porto für andere Arten - ob Maxi-Brief, Kompaktbrief oder Postkarte - gar nicht oder kaum verteuern.

Die genauen Portobeträge sind noch unklar. Im Mai will die Netzagentur endgültig über den Erhöhungsrahmen entscheiden, danach legt die Post die Preise fest. Die gelten dann ab dem 1. Juli.

Das Thema Portoerhöhung ist umstritten. Bereits im Januar hatte die Netzagentur einen ersten „Preiserhöhungsspielraum“ vorgeschlagen, damals waren es nur 4,8 Prozent.

Post drohte der Bundesnetzagentur indirekt mit Jobabbau

Dies war der Post aber zu wenig, sie drohte indirekt mit Job-Abbau. In der Bundesregierung stieß der ehemalige Staatsmonopolist mit seinem Anliegen auf Verständnis: Das Bundeswirtschaftsministerium brachte eine Verordnungsänderung auf den Weg, woraufhin die dem Ministerium unterstellte Netzagentur neu rechnen musste und dann auf den höheren Wert kam.

In den vergangenen Jahren hatten sich immer mehr Menschen bei der Bundesnetzagentur über Qualitätsmängel beim Postdienst beschwert, etwa wegen verspäteter Zustellung. Dies im Hinterkopf, sagte Behördenchef Jochen Homann am Donnerstag in Richtung des Bonner Konzerns: „Es liegt auch im Interesse der Post, jetzt für Verbesserungen bei der Qualität der Zustellung zu sorgen.“ Er verwies darauf, dass der Bonner Konzern neue Zusteller einstellen wolle. „Die Ankündigungen der Post werden wir überwachen.“

Vor allem private Verbraucher sind betroffen, große Firmen kriegen Rabatte

Für große Firmenkunden bleibt 2019 alles beim Alten: Wohl erst ab Anfang 2020 wird es für sie teurer. Sie zahlen ohnehin nicht das normale Porto, sondern bekommen Rabatte.

Die Portoerhöhung hatte in den vergangenen Monaten scharfe Kritik hervorgerufen, Paket-Wettbewerber der Deutschen Post DHL wie zum Beispiel DPD und Hermes waren dagegen Sturm gelaufen. Sie monieren, dass die Post durch die staatlich erlaubten, höheren Briefeinnahmen ihre Paketdienste quersubventionieren könne und dadurch der Wettbewerb in diesem Bereich verzerrt werde.

Politiker kritisieren geplante Portoerhöhung

Aus der Politik kam Kritik. „Die Bundesregierung lässt sich von der Post vor den Goldkarren spannen und verhilft dem Großkonzern so zu Milliardengewinnen“, monierte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reinhard Houben. Der Freidemokrat ist auch Mitglied im Beirat der Bundesnetzagentur. Die FDP tritt seit langem dafür ein, dass der Bund seinen Anteil von 20,5 Prozent an der Post endlich verkauft. Houben wies darauf hin, dass der Bund durch diese Portoerhöhung als Großaktionär indirekt mitverdient - dies sei ein Interessenkonflikt, monierte er. „Bezahlen muss diese Rechnung wie immer der Bürger.“ (fb/dpa)

 
 

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