Deutsche gehen immer später in Rente

Duisburg. Ältere Menschen gehen in Deutschland immer später in Rente. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Institutes Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der der Uni Duisburg- Essen, die am Montag präsentiert wurde.

Die Studie stellt dabei zwei Entwicklungen fest: Diejenigen, die Arbeit haben, bleiben länger erwerbstätig. Und diejenigen, die keine Arbeit haben, bleiben länger arbeitslos, statt sich mit hohen Abschlägen in die Rente zu verabschieden. Für Martin Brussig, einen der Autoren der Studie, liegt die Erklärung dafür auf der Hand: „Die Rentenreformen der vergangenen Jahre haben den früheren Renteneintritt unattraktiver gemacht.“

Der Untersuchung zufolge stieg der Anteil der 50- bis 64-Jährigen Erwerbstätigen zwischen 1996 und 2005 stark an: von 47,1 Prozent auf 53,7 Prozent. Vor allem Geringqualifizierte bleiben mittlerweile länger im Job als noch vor ein paar Jahren.

Doch parallel dazu hat eine zweite Entwicklung eingesetzt: der Anstieg der Altersarbeitslosigkeit. Dazu heißt es in der Untersuchung: „Viele Arbeitslose ab 60 Jahren dürften Ansprüche auf Altersrente zwar geltend machen können, dies aber wegen drohender Abschläge unterlassen haben.“ Brussig war vor allem von der starken Zunahme der Altersarbeitslosigkeit überrascht. „In diesem Maße hätte ich das nicht erwartet“, sagte er.

Aus Sicht des Wissenschaftlers ist dies eine problematische Entwicklung. Denn: Trotz stärkerer Anstrengungen bei der Jobsuche sind die Chancen der älteren Arbeitslosen über 60 auf einen Job nach wie vor gering. „Das dürfte sich auch in Zukunft nicht deutlich verbessern“, schätzt er. Hier sei die Wirtschaft gefragt.

Jüngste politische Pläne könnten die Entwicklung bei den älteren Arbeitslosen allerdings bremsen: Den über 60-jährigen Hartz-IV-Empfängern unter ihnen droht ab Anfang Januar die Zwangsverrentung. Hintergrund ist das Auslaufen der 58er-Regelung. Die besagt, dass sich Arbeitslose ab 58 nicht mehr arbeitssuchend melden müssen, dennoch Arbeitslosengeld bis zum Übergang in die Rente beziehen können. Ab Anfang des Jahres jedoch droht den Arbeitslosengeld-II-Empfängern der Zwangsantrag auf Rente. Die hohen Abschläge müssten sie dann in Kauf nehmen.

Dennoch dürfte diese Art Frühverrentung, falls sie kommt, auf den großen Trend wenig Einfluss haben. Brussig rechnet damit, dass das Renteneintrittsalter unterm Strich in den nächsten Jahren weiter ansteigt und damit den politischen Zielen der Bundesregierung folgt.

 
 

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