Deutsche Autoindustrie setzt trotz Krise auf Erfolg in USA

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Detroit. Die deutsche Autoindustrie zeigt zu Beginn des Krisenjahres 2009 Stärke. Volkswagen berichtet als einer der wenigen Autobauer von gestiegenen Absatzzahlen. Jetzt soll der wichtigste Markt der Welt angepeilt werden - die US-Automobilindustrie.

Zusammen mit den anderen deutschen Konzernen will VW die gegenwärtige Schwäche der US-Automobilindustrie nutzen und auf dem wichtigsten Markt der Welt angreifen: VW, BMW, Mercedes und Co. peilen einen deutschen Marktanteil von zehn Prozent an, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Sonntag zum Beginn der Automesse in Detroit erklärte.

Volkswagen hat im vergangenen Jahr trotz Wirtschaftskrise einen Rekord erzielt. Der Konzern lieferte weltweit 6,23 Millionen Fahrzeuge aus, das war ein Zuwachs von 0,6 Prozent. Wie das Wolfsburger Unternehmen in Detroit mitteilte, gewann die Hauptmarkte VW mit 3,67 Millionen Auslieferungen 0,1 Prozent hinzu. Audi überschritt mit 1,003 Millionen Fahrzeugen und einem Plus von 4,1 Prozent erstmals die Millionengrenze.

Konzernchef Martin Winterkorn führte den Erfolg auf die Mehrmarkenstrategie des Konzerns und «unsere junge, attraktive Modellpalette» zurück. VW hatte in vergangenen Jahr eine neue Generation des Dauerbrenners Golf herausgebracht und mit dem kleinen Geländewagen Tiguan ein sehr erfolgreichen Modell präsentiert. In den USA behauptete sich Volkswagen of America mit 314.500 Verkäufen (minus 4,5 Prozent) gut gegen den Abschwung im Gesamtmarkt, der um 18 Prozent einbrach.

VDA sieht 2009 Rückgang im US-Gesamtmarkt

In den letzten vier Jahren haben die Deutschen laut Branchenverband VDA ihren US-Marktanteil bei Autos, Vans, Pick Ups und Geländewagen kontinuierlich ausgebaut, von 5,1 auf 6,7 Prozent. «Mittelfristig ist durchaus auch die Zehn-Prozent-Marke denkbar», sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Als Zeichen des Interesses am US-Markt wird die neue Generation einer Ikone des deutschen Automobilbaues in Detroit präsentiert: die Mercedes E-Klasse mit deutlich auf den US-Geschmack getrimmten Zügen. Audi zeigt zum ersten Mal den Superrenner R8 mit V10-Motor.

Der VDA erwartet nach dem 18-Prozent-Absatzeinbruch auf 13,2 Millionen Stück im abgelaufenen Jahr für 2009 einen weiteren Rückgang in den USA auf elf bis zwölf Millionen Autos. Der Verband hofft auf «erste positive Tendenzen im vierten Quartal» wegen der Anti-Rezessionsmaßnahmen der US-Regierung. Langfristig werde der US-Markt wieder wachsen, sagte Wissmann und erinnerte an das Bevölkerungswachstum von fast einem Prozent pro Jahr. Deutsche Hersteller verkauften 2008 rund 890.000 Fahrzeugen in den USA (minus sechs Prozent).

In der Oberklasse haben die deutschen Marken laut VDA ihre dominierende Position auf nunmehr 43 Prozent Marktanteil ausgebaut. In der immer wichtigeren Kleinwagenklasse - zu der Smart, BMW Mini oder VW Jetta gezählt werden -, haben die deutschen Marken zugelegt und ihren Absatz um elf Prozent auf 258.000 Einheiten steigern können

Chrysler gibt nicht auf

Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler will trotz massiver Absatzeinbrüche und eines staatlichen Notkredits selbstständig bleiben. Chrysler werde das Jahr 2009 überleben und 2010 wichtige neue Modelle präsentieren, sagten Firmenchef Robert Nardelli und andere Topmanager am Sonntag auf der Autoshow in Detroit.

Unterdessen erklärte Chrysler-Minderheitseigentümer Daimler, man sei weiterhin bereit, die restlichen 19,9 Prozent an Chrysler abzustoßen. Daimler hatte vor zwei Jahren 80,1 Prozent von Chrysler an den US-Finanzinvestor Cerberus verkauft.

Die drei US-Autobauer GM, Ford und Chrysler stecken tief in der Krise. Außer Chrysler hat auch GM staatliche Hilfsgelder erhalten. (ap)

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