Debatte zur richtigen Zeit

Ob ein Austritt Griechenlands das Abendland in eine neue Eurokrise stürzen würde, weiß niemand. Gewiss scheint nur, dass Europa dieses Szenario heute weniger fürchten muss als 2011. Dramatische Folgen hätte „Grexit“ aber in jedem Fall – für die Griechen. Die Rückkehr zur Drachme würde eine beispiellose Kapitalflucht derer auslösen, die noch Geld haben; und sie würde die Armut im Land eher noch verschlimmern. Das weiß auch Linkspopulist Tsipras, weshalb er betont, im Euro bleiben zu wollen.

So ist die Debatte um den „Grexit“ eher als politische Taktiererei zu werten denn als ernsthafte ökonomische Diskussion. Tsipras verspricht der Bevölkerung Linderung, wie anders soll er auch die Wahlen gewinnen. Wie hart seine Verhandlungslinie mit den Geldgebern im Falle eines Wahlsiegs dann ist, wird sich zeigen. Wenn Merkel und Schäuble ihm im Vorfeld schon mal die kalte Schulter zeigen, ist das taktisch nur folgerichtig und die einzig richtige Reaktion. Dass Europapolitiker in Brüssel keine Lust auf die neue „Grexit“-Debatte haben, ist klar. Aber nach einem Wahlsieg
Tsipras’ käme die von ganz allein, da kann man sie besser jetzt führen.

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