Coca-Cola brüht jetzt auch Coffee-to-go

Berlin.  Der Barista, der in einem gemütlich eingerichteten Café mit einem Porzellanfilter kunstvoll wunderbar duftenden Kaffee brüht, ist – zumindest in deutschen Großstädten – ein Trend auf dem Kaffeemarkt und gute Werbung für die Branche. Deutlich stärker ist allerdings der Hang der Deutschen zum Kaffee-to-go, das Heißgetränk im Papp- oder Plastikbecher zum Mitnehmen: schnell, bequem, wenig kunstvoll – aber lukrativ für die Anbieter. Deshalb drängt jetzt der Getränkeriese Coca-Cola auf den Markt, den bisher zu großen Teilen traditionelle Kaffeehersteller wie Tchibo und Melitta beherrschen.

Coca-Cola betreibt bereits Kaffeeautomaten zum Selbstbedienen, hat nach Angaben von Sprecher Martin Gosen nun aber vor, vor allem in Bäckereien, Fleischereien und anderen Gastronomiebetrieben auf dem Kaffee-to-go-Markt mitzumischen. In den Betrieben sollen Maschinen aufgestellt werden, die Angestellten bereiten das Getränk dann zu und reichen es den Kunden über den Tresen. „Es gibt einen sehr starken Zuwachs am Markt, das ist sehr attraktiv“, sagt Gosen. Und Coca-Cola kann auf ein weitreichendes Vertriebsnetz mit entsprechender Verkaufsmacht zurückgreifen.

Jede vierte Tasse Kaffee wird in Deutschland außer Haus getrunken, in Cafés, beim Bäcker oder auf dem Weg zum Büro. Insgesamt trank jeder Deutsche 2015 etwa 162 Liter, der Deutsche Kaffeeverband schätzt, dass davon etwa 5,8 Liter Kaffee „to go“ sind. Den Trinktrends zufolge, die das Marktforschungsunternehmen GfK erhoben hat, gehen 35 Prozent der To-go-Konsumenten in Stehcafés und Bäckereien, um sich dort ihren Kaffee zu holen. Attraktiv sind für Unternehmen vor allem auch die hohen Gewinne, die mit dem Kaffee-to-go erzielt werden können. Zwar macht der Außer-Haus-Verkauf nur ein Viertel des Konsums aus, Coca-Cola zufolge sorgt er jedoch für 80 Prozent des Umsatzes des Geschäftes – das entspricht etwa 16 Milliarden Euro.

Der Konzern bietet bereits seit Jahrzehnten Kaffee am Automaten an, hat aber bisher nur einen sehr geringen Anteil am deutschen Kaffeemarkt. Den dominierte zuletzt der Lebensmittelkonzern JDE (Jacobs, Douwe Egberts), der 2014 einen Marktanteil von 23 Prozent hatte. Ihm folgen andere traditionelle Unternehmen wie Tchibo mit einem Anteil von 13,4 Prozent, Nestlé (9,8 Prozent) Melitta (8,7 Prozent) und Dallmayr mit 8,1 Prozent. Das soll sich jetzt zugunsten Coca-Colas ändern. Der Konzern baut seit 2009 die Kaffeemarke Chaqwa auf. „Die Sorten werden Fair Trade oder konventionell in Nordafrika und Südamerika hergestellt“, sagt Sprecher Gosen.

An der Universität Dortmund probiert Coca-Cola derzeit ein neues Konzept aus. Dort gibt es in der Kantine der Hochschule einen sogenannten Chaqwa-Shop, eine Art Prototyp für eine Verkaufsecke mit Vitrine und Kaffeemaschine. „Es ist denkbar, dass wir dieses Konzept auch in Supermärkten und im Einzelhandel anwenden werden“, sagt Gosen.

Der Trend zum Kaffee-to-go passt in das Bild, das der Deutsche Kaffeeverband vom derzeit typischen Verbraucher zeichnet. Denn der Verband erkennt generell einen Trend zur portionsgerechten Zubereitung von Kaffee. „Gründe hierfür sind zum einen die wachsende Zahl an kleineren Haushalten sowie zum anderen der Wunsch der Verbraucher, Lebensmittel unkompliziert und in passenden Portionsgrößen zu konsumieren“, sagt Hauptgeschäftsführer Holger Preibisch.

Zum Kaffee-to-go gehört allerdings auch ein viel kritisiertes Bild: der von Pappbechern und Plastikdeckeln überquellende Mülleimer am Straßenrand und in U-Bahnen. Vereine wie die Deutsche Umwelthilfe weisen seit geraumer Zeit auf die Vermüllung durch To-go-Kaffeebecher hin, denen sie eine Lebensdauer von 15 Minuten zumessen.

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