Chemiekonzern Evonik will RAG-Bergleute einstellen

Thomas Wels
Der Chemiepark Marl. Alleine hier beschäftigt Evonik 6700 Mitarbeiter.
Der Chemiepark Marl. Alleine hier beschäftigt Evonik 6700 Mitarbeiter.
Foto: www.blossey.eu
Bisher waren der Chemiekonzern Evonik und der Steinkohleförderer RAG bloß auf dem Papier miteinander verwandt. Das könnte sich bald ändern, denn Evonik will die RAG-Bergleute nach Auslaufen der Kohleförderung übernehmen.

Essen. Der Spezialchemiekonzern Evonik und der Steinkohleförderer RAG besinnen sich auf ihre gemeinsame Geschichte und arbeiten künftig bei der Vermittlung von Bergbau-Mitarbeitern eng zusammen. Evonik erhofft sich dabei Zugang zu gut ausgebildeten Fachkräften wie Elektrotechnikern oder Industrie-Mechanikern; die RAG will jenen Bergbau-Beschäftigten eine berufliche Perspektive für die Zeit nach Auslaufen des Bergbaus im Jahr 2018 bieten, die auf Grund ihres Alters noch keinen Anspruch auf Anpassungsgeld als Brücke in den Vorruhestand haben. „Die Vereinbarung ist für beide Seiten von Vorteil“, so Evonik- Personalvorstand Thomas Wessel, „quasi unter Brüdern“.

„Ein Kampf um gute Köpfe“

Wessel spielte damit auf die gemeinsame Geschichte an, die Evonik und RAG heute unter dem Dach der RAG-Stiftung als Mehrheitseigentümerin verbindet. Das Stiftungsmodell ermöglichte 2007 die Trennung des Steinkohlebergbaus von dem sogenannten weißen Bereich, heute im wesentlichen Evonik Industries, und stellt die Finanzierung der Ewigkeitskosten des Bergbaus nach dessen Auslaufen ab 2018 sicher.

Der 50-jährige Wessel hat seine Karriere als Industriekaufmann bei der Bergbau AG Lippe begonnen, viele Jahre Personalpolitik im RAG-Konzern betrieben, bevor er 2009 als Arbeitsdirektor in die Führung der Evonik Degussa wechselte. „Ich habe beide Seiten kennenlernen dürfen, weiß daher auch um die hohen Qualitäten der Bergbau-Mitarbeiter.“

Bei dem Angebot zur Übernahme „handelt es sich nicht um ein Sozialprogramm, es ist der Kampf um gute Köpfe“, betont der Personalchef im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Bergbau-Mitarbeiter seien ausgezeichnet und breit ausgebildet, sie legten Wert auf die Arbeitssicherheit, „was für uns in der Chemie enorm wichtig ist. Bergleute wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können müssen“.

Vor allem habe Evonik einen großen Personalbedarf. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland neben der Übernahme von 430 Auszubildenden rund 1200 Mitarbeiter eingestellt worden. Dies sei zu etwa gleichen Teilen Investitionen und Wachstum, dem Ausscheiden älterer Mitarbeiter sowie sonstiger Fluktuation geschuldet.

Evonik beschäftigt in Deutschland mit 22 000 Mitarbeitern zwei Drittel der Gesamtbelegschaft des Konzerns. Wessel hofft durch die Kooperation auf Fachkräfte für die chemische Produktion, Verwaltung und Standortdienstleistungen.

Betriebszugehörigkeit wird anerkannt

Derzeit sind noch etwa 960 Mitarbeiter bei der RAG beschäftigt, die Jahrgang 1973 und jünger (unter Tage) oder Jahrgang 1965 und jünger sind (über Tage) und mithin kein Anpassungsgeld in Anspruch nehmen können. Evonik verfüge in Deutschland über 20 Produktionsstandorte, darunter einige in NRW wie in Essen, Herne, Krefeld, Wesseling oder Marl, wo im Chemiepark unweit der Zeche Auguste Victoria allein rund 6700 Menschen arbeiten.

Beide Unternehmen haben nun vereinbart, sich in der Personalplanung und bei Qualifizierungen oder Umschulungen eng abzustimmen. Zudem „wollen wir die RAG-Mitarbeiter wie unsere eigenen Leute behandeln, das heißt, wir erkennen die Zeit der Betriebszugehörigkeit bei der RAG an“.