Butterpreise: Sechs Gründe, warum Butter immer teurer wird

Die Butter – eine der liebsten Brotaufstriche der Deutschen.
Die Butter – eine der liebsten Brotaufstriche der Deutschen.
Foto: Arno Burgi / dpa
Sie wollen sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen? Das wird nun teuer. Wieso eigentlich? Sechs Gründe für den Preisanstieg.

Berlin.  Lebensmittelknappheit ist nichts, mit dem heutige Generationen im Westen noch vertraut wären. Im Supermarkt gibt es von allem alles – und in zahllosen Varianten.

Wenn ein Nahrungsmittel dann plötzlich doch teuer oder gar knapp wird, ist man höchst verwundert. So geschehen etwa dieses Jahr mit der Butter. Deren Preis stieg plötzlich stark an, bei Aldi und Lidl etwa kostet die günstigste Variante der 250g-Packung zuletzt 1,99 Euro – das war früher der Butterpreis einer hochwertigen Biomarke. Woran liegt es, dass der fettige Brotbelag so teuer ist?

Das Problem ist zunächst ein internationales. Im Juni erreichte der von der UN Food and Agricultural Organization (FAO) beobachtete Butterpreis weltweit ein Allzeithoch. In Frankreich denken Bäcker schon über eine Preiserhöhung bei den Croissants nach. Und der dänisch-schwedische Molkereikonzern Arla warnte seine Kunden in Großbritannien zuletzt vor, dass es in der Weihnachtsbackstube zu Engpässen kommen könnte.

Ganz Europa, berichtete die „Financial Times“, stehe eine Butterknappheit bevor. Es gibt mehrere Gründe dafür, die aber miteinander zusammenhängen.

1. Die Inflation steigt wieder

Die Inflation in Deutschland steigt wieder, im Juni um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das liegt an den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen , die durchschnittlich um 2,8 Prozent teurer wurden.

2. Butter ist doch nicht so ungesund

Bis vor kurzem waren pflanzliche Fette bei den Verbrauchern deutlich beliebter als tierische: Jahrelang war von der Ernährungswissenschaft deren hoher Gehalt an ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren gepriesen worden. Öl aus Nüssen, Oliven, Raps, Sonnenblumenkernen oder Fisch stand hoch im Kurs. Das Cholesterin aus tierischem Fett in Butter, Sahne und Co. dagegen sollte plötzlich für jeden Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich sein.

Neuerdings gibt die Forschung Entwarnung. Das Butterbrot allein ist nicht schuld. Zudem gibt es Studien, die zur Vorsicht bei Kokosfett oder Rapsöl raten.

Die Menschen nutzen also Butter wieder verstärkt zum Kochen und Backen. Das stellt die Milchbauern aber vor große Probleme, denn jahrelang hatten sie wenig Geld für ihre Milch bekommen.

3. Die EU öffnete die Märkte

Im April 2017 demonstrierten deutsche Milchbauern am Brandenburger Tor noch gegen die niedrigen Milchpreise. Den gebeutelten Landwirten wurden daraufhin 100 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt. Grund für die Misere der Bauern ist vor allem eine Liberalisierung der europäischen Milchmärkte im Jahr 2015, die die Milchpreise auf weniger als 20 Cent Pro Liter sinken ließ.

Im vergangenen Jahr war die günstigste Butter im Supermarkt für 70 Cent zu haben. Durch den Wegfall fester Quoten gaben viele Bauern auf oder stellten in einem aufwendigen Verfahren auf Bio um, was Jahre dauert. Und deren Produktionskraft fehlt jetzt, wo die Nachfrage wieder steigt.

Also besser wieder der Margarine huldigen, die man vor Jahren aus dem Kühlschrank verbannt hat? Auch deren Preise zogen um 26 Prozent an. Im Vergleich zur Butter (60 Prozent Teuerung) aber noch moderat.

4. Es gibt nicht genügend Jungtiere

Ein bisschen ist es wie beim Fachkräftemangel: Jungtiere heranzuziehen braucht seine Zeit. Und auch an ihnen herrscht durch die Dezimierung Mangel, um den Markt zu bedienen.

5. Die Sanktionen gegen Russland

Viele Hunderttausend Liter Milch, Sahne und Butter gingen nach Russland. Im Zuge der Ukraine-Krise wurden die Exporte eingeschränkt. Die Bauern passten sich an und sind nun durch die neue Nachfrage überfordert.

6. Das Wetter

Auch die Witterung spielt eine Rolle bei der Verknappung: Große Produzenten wie Australien oder Neuseeland konnten wetterbedingt nicht so viel produzieren wie im vergangenen Jahr. Der UN Food and Agricultural Organization zufolge trieb auch das die Preise in die Höhe. (aba)

 
 

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