Buchhandel rüstet sich gegen Internet-Konkurrenz

Ursula Hilberath ist Mitinhaberin der Mülheimer Buchhandlung Hilberath & Lange. (Foto: Gerd Wallhorn)
Ursula Hilberath ist Mitinhaberin der Mülheimer Buchhandlung Hilberath & Lange. (Foto: Gerd Wallhorn)
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Der Buchhandel reagiert auf die Konkurrenz im Internet. Selbst kleine Läden bieten Online-Buchbestellungen an. Der Marktführer Thalia denkt über kleinere Flächen nach und will sein Non-Book-Sortiment insbesondere mit Spielzeug ausweiten.

Mülheim. Die Deutschen sind ein lesefreudiges Volk. Trotz der Konkurrenz durch andere Medien erwies sich der Buchmarkt in den letzten Jahren als stabil. Doch die Kaufgewohnheiten ändern sich: Das Internet macht den stationären Buchläden zu schaffen und bietet ihnen zugleich neue Chancen. Und so befindet sich der Handel im Umbruch.

Knapp zehn Milliarden Euro setzen die unterschiedlichen Vertriebsschienen 2010 mit Büchern um. Das hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ermittelt. Zahlen für 2011 liegen ihm noch nicht vor. Aus Kundenbefragungen weiß die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) allerdings, dass in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres die Zahl der verkauften Bücher leicht um drei Prozent auf rund 180 Millionen Stück zurückgegangen war. Dafür gab es mit 27,3 Millionen ein Prozent mehr Käufer. Und auch der Durchschnittspreis ging leicht um zwei Prozent auf 9,78 Euro je Buch in die Höhe.

Insgesamt erweist sich der Markt also als stabil. Größere Verschiebungen zeichnen sich jedoch zwischen den Vertriebsformen ab. Der Anteil der klassischen Buchläden am Gesamtumsatz ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück – auf 4,9 Milliarden Euro oder 50,6 Prozent in 2010. Auch Warenhäuser und Buchgemeinschaften verloren an Boden. Klarer Gewinner ist der Versandbuchhandel – insbesondere über die Vertriebsschiene Internet.

Weniger Bücher

Das macht das Leben für herkömmliche Buchläden schwerer. Sie reagieren unterschiedlich. Der Marktführer Thalia, der zuletzt mit einem Umsatzrückgang um 3,9 Prozent im stationären Buchhandel zu kämpfen hatte, plant ein Restrukturierungsprogramm. „Wir müssen weg von den überdimensionierten Buchhandlungen“, sagte Douglas-Chef Henning Kreke im Januar. Thalia gehört zu dem Mischkonzern. So will Thalia in seinen knapp 300 Läden künftig weniger Bücher und mehr Spiel- und Schreibwaren verkaufen. 14 Prozent des Buchumsatzes generiert Thalia mittlerweile über den eigenen Internetshop.

Der zweite große Anbieter in NRW, die Mayersche, will indes nichts Wesentliches an seinem Konzept ändern. Die Aachener mit ihren derzeit 49 Filialen wollen das Nicht-Buchsortiment nach Angaben eines Sprechers nicht ausweiten, es aber zugunsten von Spielwaren umbauen.

Mehr Service

Auch kleinere Buchläden bekommen den schärferen Wind zu spüren: „Es gibt kein Wachstum mehr. Wir sind froh, unsere Zahlen zu halten“, sagt Ursula Hilberath, Mitinhaberin der 100 Quadratmeter großen Buchhandlung Hilberath & Lange im Mülheimer Vorzeige-Stadtteil Saarn. Vor einiger Zeit besuchte Hilberath einen Kongress, auf dem prophezeit wurde, dass in den nächsten Jahren ein Drittel der Verkaufsfläche für Bücher verschwinden werde. Hilberath: „Ich glaube aber nicht, dass das gedruckte Buch verschwinden wird.“

Natürlich bekommt auch das Fünf-Frauen-Team in Mülheim die Konkurrenz des Internets zu spüren. „Ratgeber für Medizin, EDV oder Basteln sind völlig aus dem Sortiment verschwunden“, sagt Hilberath. Reiseliteratur bekommen die Kunden auf ihr Smartphone. Immerhin werden Straßenkarten wieder häufiger nachgefragt, nachdem Navis die Menschen wohl allzu oft in die Irre führen.

Online-Kataloge

Auch wenn manche Kunden die Nase rümpfen, verkauft Hilberath & Lange inzwischen auch Lesegeräte für E-Books. Seit zehn Jahren sind sie mit eigener Homepage im Internet vertreten, seit Herbst am Online-Katalog des Buch-Großhändlers Libri angeschlossen – mit der Möglichkeit, E-Books und Apps herunterzuladen. „Wir wollen nicht, dass unsere Kunden abwandern“, so Hilberath.

Obwohl die Mülheimer über das Netz einen kostenlosen Lieferservice anbieten, holen die allermeisten Kunden ihre online bestellten Bücher im Geschäft ab – auch um den Besuch zum Stöbern zu nutzen. Der Großhändler liefert über Nacht. Wegen der Buchpreisbindung kosten die Schmöker überall gleich viel. Im Gegensatz zum Netz gibt es im Laden Beratung, Lesungen, literarische Dinner, Literatur-Wanderungen und eine eigene Bücher-Zeitung. Das bindet Kunden.

 
 

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