Brüderle fehlt klare Linie im Opel-Sanierungsplan

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Berlin. "Keine Antworten auf die für Opel wichtigen Fragen." - Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat den Sanierungsplan von General Motors kritisiert. Es gebe keine Angaben zur Aufstellung von Opel und dem Schwesterunternehmen Vauxhall und nichts zum Gestaltungsspielraum bei der Modellentwicklung.

Der US-Autohersteller General Motors (GM) hat seine Konzernspitze gewechselt. Der bisherige Vorstandschef Fritz Henderson habe seinen Posten geräumt, erklärte Verwaltungsratschef Ed Whitcare nach einer Sitzung des Gremiums am Mittwoch. Er wolle nun vorerst selbst den Posten übernehmen. Unterdessen hat GM der Bundesregierung Eckpunkte des Sanierungskonzepts für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall vorgelegt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bewertete das Papier als unzureichend.

«Zu keiner der für die Zukunft von Opel wichtigen Fragen wird in dem Papier eine Antwort gegeben«, sagte Brüderle weiter. Zugleich sei das Papier «kein Antrag auf staatliche Mittel und kann auch keine Grundlage für eine Prüfung sein».

Fragen nach der künftigen Aufstellung von Opel und Vauxhall im Konzern, also «wie viel eigenen Gestaltungsspielraum Opel zum Beispiel bei der Modellentwicklung haben wird», blieben offen. «Das Papier von GM bestätigt ebenso wie der Rücktritt von GM-Chef Henderson, dass es bei GM keine klare Linie gibt», resümierte der Ressortchef.

Ministerium: Finanzbedarf liegt bei 3,3 Milliarden Euro

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte in Berlin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich mit dem Schreiben noch nicht befasst. Es sei kein entscheidungsfähiger Antrag, sondern scheine «eher eine Skizze» zu sein. Die Bundesregierung erwarte von GM, so das Unternehmen den Weg gehen wolle, einen Antrag auf entsprechende Hilfen zu stellen. Dieser müsse dann aber mehr Substanz enthalten als das bisherige Schreiben.

Nach Angaben des Ministeriums bezifferte GM den Finanzbedarf für sein Konzept auf 3,3 Milliarden Euro. 600 Millionen Euro davon wolle der Konzern selbst stemmen. Die verbleibenden 2,7 Milliarden Euro sollen nach GM-Vorstellungen die europäischen Steuerzahler beisteuern.

Zu den Gründen des Rücktritts Hendersons äußerte sich Whitcare nicht. Er versicherte jedoch, dass GM das operative Geschäft wie gewohnt fortgesetzt werde. Ziel müsse eine Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone sein. Der 51-jährige Henderson hatte die GM-Konzernspitze Ende März übernommen, als der damalige Chef Rick Wagoner angesichts der bevorstehenden Insolvenz zum Rücktritt genötigt wurde.

Henderson habe eine «bemerkenswerte» Leistung vollbracht, indem er das Unternehmen durch eine «außerordentlich schwierige Zeit» geführt habe, sagte Whitcare. Allerdings seien sich im Verwaltungsrat «alle einig gewesen, dass einige Änderungen erforderlich sind».

Unterdessen sind der Chef der GM-Europasparte, Nick Reilly, und Walter Borst in den Opel-Aufsichtsrat eingezogen. Die Berufung der beiden als Vertreter der Anteilseigner in das Kontrollgremium sei zum 1. Dezember wirksam, teilte die Adam Opel GmbH.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz will bei Reilly auf eine hohe Auslastung des Werkes Rüsselsheim und den Erhalt des Werkes Antwerpen kämpfen. Nur wenn GM ähnliche Zusagen mache wie zuvor Magna und Opel nicht auf eine Regionalmarke reduziere, seien die Mitarbeiter zu einem finanziellen Entgegenkommen bereit, sagte er dem Magazin «auto motor und sport». (afp)

 
 

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