Bröselstein-Fälle belasten die Bilanz von Haniel

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Der Duisburger Konzern muss mehr Geld für Schadenersatz für fehlerhafte Bausteine zurücklegen. Der scheidende Chef Jürgen Kluge hinterlässt viele Baustellen. Das operative Ergebnis hat sich im vergangenen Jahr halbiert.

Duisburg.. Jürgen Kluge verabschiedet sich mit einer durchwachsenen Bilanz von der Spitze des Duisburger Traditionskonzerns Haniel. Bei wichtigen Haniel-Beteiligungen lähmten Querelen das Geschäft. So wurde beispielsweise beim Pharmahändler Celesio das Management komplett ausgetauscht. Die Celesio-Zahlen verhagelten auch dem Duisburger Mutterkonzern die Bilanz. Der Haniel-Umsatz stagnierte 2011 bei 27,3 Milliarden Euro – und das operative Ergebnis halbierte sich auf 330 Millionen Euro. Nach Abzug der Steuern verblieb ein Gewinn von 236 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 454 Millionen Euro.

Für mögliche Schadensleistungen im sogenannten „Bröselstein-Skandal“ hat die Haniel-Gruppe ihre Rückstellungen um 50 auf 63 Millionen Euro aufgestockt. Das erklärte der scheidende Finanzvorstand Klaus Trützschler bei der Bilanzpressekonferenz in Duisburg. Zwischen 1987 und 1996 hatte die Firma Haniel Baustoffe (heute Xella) schadhafte Kalksandsteine für den Hausbau hergestellt. Haniel hatte Xella 2008 verkauft, übernimmt aber die Haftung für etwaige Schäden.

„Die Risiken für Haniel sind derzeit nicht zu beziffern“

„Die Risiken für Haniel sind derzeit nicht zu beziffern“, sagte Trützschler. Nach seinen Angaben gebe es derzeit 1600 „vermeintlich Betroffene“, die bröselnde Steine verbaut haben könnten. 1200 Fragebögen seien verschickt worden, von denen 1000 ausgefüllt zurück gekommen seien. Nach bisherigen Erkenntnissen gebe es bei jedem zweiten Fall einen „vermeintlichen Schaden“, den die Dekra jetzt prüfe. Trützschler, der seit 2000 im Haniel-Vorstand saß, hatte am Montag seinen letzten Arbeitstag in Duisburg. Er tritt in den Ruhestand.

Jürgen Kluges kurze Karriere bei Haniel wurde durch einen Machtkampf bei der Handelstochter Metro beendet. Über Monate bestimmten Differenzen mit dem damaligen Metro-Chef Eckhard Cordes die Schlagzeilen. Am Ende verloren beide. Cordes schied Ende 2011 bei der Metro aus. Kluge legte zunächst den Aufsichtsratsvorsitz bei dem Handelsriesen nieder und verzichtete kurze Zeit später darauf, seinen Vertrag als Vorstandschef der Haniel-Gruppe zu verlängern. Die Unruhe im Konzern blieb nicht ohne Folgen für das Geschäft.

Konzernchef Kluge präsentierte sichtlich müde die Zahlen

Ein sichtlich müder Jürgen Kluge präsentierte am Montag die Bilanzzahlen, die den Eigentümern, der Familie Haniel, alles andere als behagen dürften. Der Clan muss wegen des Gewinneinbruchs auf zehn Millionen Euro Dividende verzichten. Die Familie beschloss am Wochenende in Duisburg, dass nur 50 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Für 2010 waren es noch 60 Millionen Euro gewesen.

Voraussichtlich am 1. August wird Kluge von Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkow abgelöst. Die Erwartungen an den neuen Chef sind riesig. Denn Haniel legte nicht nur 2011 schlechte Zahlen hin. Nach wie vor drückt die Holding in Ruhrort eine gewaltige Verschuldung von 2,3 Milliarden Euro. Haniel hatte rund drei Milliarden Euro aufgenommen, um den Anteil an der Metro von 18 auf 32 Prozent aufzustocken. „Wir sind so weit gekommen, wie wir kommen konnten – aber wahrscheinlich nicht weit genug“, ließ der 58-jährige Kluge seine zweieinhalb Jahre bei Haniel Revue passieren. Immerhin sei die Verschuldung in dieser Zeit um 450 Millionen Euro zurückgegangen, im nächsten Jahr sollen weitere 400 Millionen abgebaut werden.

Trennung von Beteiligungen wäre sinnvoll gewesen

„Wir hätten uns von Beteiligungen trennen müssen. Das ist nicht erfolgt. An den kolportierten Querelen im Management lag es nicht“, erklärte Kluge. Konkreter wurde er nicht. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass der damalige Metro-Chef Cordes den Verkauf der Warenhaus-Töchter Kaufhof und Real angekündigt, aber nicht realisiert hatte. Der neue Metro-Chef Olaf Koch hat die Verkaufspläne zum Jahresbeginn zunächst auf Eis gelegt. „Ich kann Metro nur die Daumen so drücken“, sagte Kluge.

Zur Duisburger Haniel-Gruppe gehören sehr unterschiedliche Unternehmen: der Einzelhandelsriese Metro, der Pharmahändler Celesio, der Hygiene-Spezialist CWS boco und der Rohstoffhändler ELG. Als Perle für Haniel erwies sich der Büro- und Werkstattausstatter Takkt. Beim Ergebnis gab es ein Plus um 29 Prozent auf 104 Millionen Euro.

 
 

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