Britischer Staat wird Mehrheitseigner bei Lloyds

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London. Der britische Staat hat 65 Prozent der Anteile an der angeschlagenen Lloyds Bank übernommen. Nach der Royal Bank of Scotland ist Lloyds damit das zweite britische Finanzinstitut, bei dem der Staat Mehrheitseigner ist. Die Maßnahme soll eine Kreditklemme vermeiden helfen.

Der britische Staat ist Mehrheitseigner bei der angeschlagenen Lloyds Banking Group geworden. Er steigerte seinen Anteil an der Bank von 43 auf 65 Prozent, die sich dafür verpflichtete, Kredite in Höhe von 28 Milliarden Pfund (31 Milliarden Euro) zu vergeben, wie die Regierung in London am Wochenende mitteilte. Damit sind Barclays und HSBC nun die einzigen britischen Großbanken, bei denen der Staat nicht das Sagen hat.

Kreditklemme vermeiden

Von den Krediten von 14 Milliarden Pfund in diesem und der gleichen Summe im kommenden Jahr verspricht sich die Regierung eine Ankurbelung der heimischen Wirtschaft. Der Staat garantiert der Bank zudem unsichere Wertpapiere im Nominalwert von 260 Milliarden Pfund (290 Milliarden Euro).

Der britische Finanzminister Alistair Darling nannte die Vereinbarung «einen weiteren wichtigen Schritt in unseren Bemühungen, die Bilanzen der Banken zu bereinigen und ihnen die Kraft und das Vertrauen zu geben, ihre Kreditvergabe zu steigern.» Die Gesundung des Finanzwesens sei ein wesentlicher Beitrag zur Bewältigung der Krise. «Wenn wir und andere Länder das Bankensystem nicht in Ordnung bringen, werden wir den Rest der Wirtschaft auch nicht in Ordnung bringen», sagte Darling weiter.

Verstaatlichung nicht vorgesehen

"Schritt für Schritt füllen wir die Lücke, die der Abzug nichtbritischer Banken vom britischen Markt hinterlassen hat», sagte Finanz-Staatssekretär Stephen Timms am Samstag dem Sender BBC. Eine Verstaatlichung der Bank ist nach Angaben von Lloyds und des Ministeriums nicht im Gespräch.

Die Lloyds Banking Group entstand vor einigen Monaten bei der Übernahme der Halifax Bank of Scotland (HBOS) durch Lloyds TSB im Zeichen der Finanzkrise. Die Banking Group teilte im Februar mit, die HBOS habe 2008 Verluste von fast elf Milliarden Pfund verzeichnet. Mit dem Einstieg des Staates steigt der Druck auf die Lloyds-Führung, die die HBOS-Übernahme eingefädelt hatte.

Die Konservativen reagieren skeptisch

Die oppositionelle Konservative Partei kritisierte, durch die Übernahme der HBOS sei Lloyds in eine «staatliche Mehrheitsbeteiligung hineingezogen worden». Noch sei die Regierung von Premierminister Gordon Brown den Beweis schuldig, dass sie die Kreditvergabe wieder in Gang zu bringen vermöge, sagte der finanzpolitische Sprecher der Tories, George Osborne.

Die Mehrheitsbeteiligung des Staats bei der Lloyds Banking Group ist bereits der zweite derartige Fall in Großbritannien. Zuvor übernahm der Staat 70 Prozent bei der Royal Bank of Scotland und erhielt dafür Garantien im nominellen Gesamtwert von 325 Milliarden Pfund. Die Royal Bank of Scotland verpflichtete sich zur Vergabe von Krediten im Umfang von 25 Milliarden Pfund in diesem Jahr. (afp)

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