Tengelmann-Chef plötzlich verschwunden: Stürzte er in eine Gletscherspalte?

Foto: Roland Weihrauch / dpa
Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub wird seit Samstag in den Alpen vermisst. Auch Mittwochnachmittag fehlte jede Spur von dem Skiläufer.

Berlin/Zermatt.  Die Rettungskräfte haben die Hoffnung, den Tengelmann-Chef Karl Erivan-Haub lebend zu finden, noch nicht aufgegeben. „Wir haben Chancen mit Sicherheit innerhalb der ersten zwei, drei Tage. Wir haben aber auch jetzt noch eine geringe Chance, die muss man realistisch sehen“, sagte der leitende Rettungsarzt, Axel Mann, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Zermatt. „Und darum sind wir auch alle noch voll auf der Rettungsseite engagiert.“

Der Unternehmer war vor vier Tagen von einer Skitour am Klein Matterhorn in der Schweiz nicht zurückgekehrt. Er war bisherigen Erkenntnissen zufolge mit einer Seilbahn zum Klein Matterhorn gefahren. Die Bergstation liegt auf 3820 Metern. Von dort aus gibt es Abfahrten Richtung Zermatt und Italien. Dort verlor sich seine Spur.

Letztes Hadny-Signal am Samstagabend

Nach Informationen der Schweizer Zeitung „Blick“ hat seine Familie die Polizei alarmiert, als Haub nicht zu einer Verabredung um 16 Uhr in einem Hotel in Zermatt erschienen sei. Samstagabend habe sein Handy das letzte Signal abgegeben. Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa will die Familie die Suche mit einer großen Summe finanzieren. Eine von der Familie angeblich ausgesetzte Belohnung konnte die Sprecherin aber nicht bestätigen.

Was man über die Tengelmann Gruppe wissen muss

Die Tengelmann Gruppe gehört zu den größten Familienunternehmen Deutschlands. 215.000 Beschäftige zählt der Konzern. Das muss man sonst über das Unternehmen wissen.
Was man über die Tengelmann Gruppe wissen muss

Spezialisten der Kantonspolizei suchen nach Haub. Es habe zahlreiche Überflüge mit Hubschraubern gegeben, Bergungsspezialisten hätten sich auch in Gletscherspalten abgeseilt, sagte ein Mitarbeiter der Polizeistation in Zermatt. „Das Gelände ist sehr schwierig, hochalpin und sehr zerklüftet.“ Zudem habe es am Dienstag in dem Gebiet geschneit, was die Suche zusätzlich erschwere.

„Möglich, dass er in eine Gletscherspalte gefallen ist“

„Die Situation ist verzweifelt“, sagte Adriano Favre, der Leiter der Bergrettungsdienste im Aosta-Tal der „Blick“. „Herr Haub ist auf 3800 Metern aus der Klein-Matterhorn-Bahn ausgestiegen. Er ist alleine unterwegs und das Gebiet ist riesig. Da es sich um ein Gletschergebiet handelt ist es möglich, dass er in eine Gletscherspalte gefallen ist.“

Auch auf italienischer Seite laufe die Suche auf Hochtouren. Es seien zu dem Zeitpunkt andere Skifahrer vor Ort gewesen, aber bislang sei niemand gefunden worden, der den 58-Jährigen gesehen habe, sagte der Mitarbeiter.

„Es kann ein Wunder geschehen“

Die Suche wird auch auf italienischer Seite von schlechtem Wetter erschwert. Neuschnee und schlechte Sicht machten die Suche zu einem schwierigen Unterfangen, sie werde jedoch nicht abgebrochen, sagte der Sprecher der italienischen Bergrettung, Walter Milan, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Ein Hubschrauber könne derzeit leider nicht eingesetzt werden.

„Er war nach unseren Erkenntnissen alleine unterwegs“, sagte Milan zu der Skitour Haubs. Die Hoffnung, ihn zu finden, werde nicht aufgegeben. „Es kann ein Wunder geschehen, aber das Wetter hilft nicht.“

Erst vor wenigen Tagen war ein deutscher Begsteiger am Dachstein in Oberösterreich aus einer Gletscherspalte gerettet worden. Der 45-Jährige war in eine rund 30 Meter tiefe Spalte gerutscht und hatte dort zwei Tage lang ausgeharrt. Er erlitt lediglich leichte Verletzungen.

Geschäfte sollen „ruhig und geordnet“ weiterlaufen

Haubs Bruder Christian schrieb laut „Handelsblatt“ in einem Brief an die Mitarbeiter: „Mein Bruder ist ein sehr erfahrener Skitourengänger und Bergsteiger, so dass wir trotz der Zeit, die inzwischen verstrichen ist, die Hoffnung nicht aufgeben, ihn bald zu finden“. Dennoch stelle sich die Familie auf eine längere Abwesenheit von Karl-Erivan ein. Der Geschäftsbetrieb werde jedoch ganz ruhig und geordnet weiterlaufen.

Haub ist laut „Blick“ passionierter Ski-Alpinist und wollte für die sogenannte Patrouille des Glaciers trainieren. Seit Jahren nehme der sportliche Unternehmer an diesem traditionellen Skitourenrennen teil. Die vom Militär organisierte Veranstaltung findet dieses Jahr am 17. April statt.

Familie will Suche finanzieren

Der Unternehmer hatte dem Familienimperium Tengelmann in den vergangenen Jahrzehnten seinen Stempel aufgedrückt. Der am 2. März 1960 in Tacoma im US-Bundesstaat Washington geborene Sohn des kürzlich gestorbenen Unternehmers Erivan Haub hatte Ende der 1990er Jahre die Führung übernommen und Tengelmann drastisch umgebaut.

30 Milliarden Euro Gewinn und 215.000 Mitarbeiter

Karl-Erivan Haub nahm harte Einschnitte vor. Schritt für Schritt zog er sich aus dem Lebensmittelhandel – der Keimzelle des Unternehmens – zurück. Den Abschluss bildete Ende 2016 der Verkauf der Supermarktkette Kaiser’s-Tengelmann. Stattdessen investierte er in den boomenden Online-Handel.

Tengelmann ist eines der weltweit bedeutendsten Handelsunternehmen. Heute gehören zur Unternehmensgruppe 73 Beteiligungen, die einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro erwirtschaften und mehr als 215.000 Mitarbeiter beschäftigen. Zum Firmenverbund zählen unter anderen der Textildiscounter Kik und die OBI-Baumärkte. (dpa)

 
 

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