Bergbaukonzern RAG will Flüchtlinge unterbringen

RAG-Chef Bernd Tönjes will bei der Unterbringung von Flüchtlingen in NRW helfen.
RAG-Chef Bernd Tönjes will bei der Unterbringung von Flüchtlingen in NRW helfen.
Foto: Kai Kitschenberg
Hunderte Flüchtlinge sollen auf Flächen des Bergbaukonzerns RAG untergebracht werden. RAG-Chef Tönjes spricht von 17 geeigneten Standorten. Chemie-Konzern Evonik spendet eine Million Euro.

Essen/Herne.. Hunderte Flüchtlinge sollen auf Standorten des Bergbaukonzerns RAG untergebracht werden. „Wir sind den Wünschen der Landesregierung und der Kommunen sofort nachgekommen und haben in dieser außergewöhnlichen Situation in NRW bisher 17 potenziell geeignete Standorte aus unserem Grundbesitz anbieten können“, sagte RAG-Vorstandschef Bernd Tönjes unserer Zeitung.

Bislang sei die Wahl auf zwei Standorte gefallen. In der Karlstraße in Recklinghausen sind in einem ehemaligen Schulungsgebäude zurzeit 150 Flüchtlinge untergebracht, Platz ist für weitere 150 vorhanden. Auf einem Parkplatz an der Gabelstraße in Oberhausen sind Container aufgestellt, in denen 180 Menschen untergekommen sind. Insgesamt bieten die Unterkünfte auf den RAG-Flächen also Platz für 480 Flüchtlinge.

Planungen für weitere Unterkünfte gebe es auch in Gladbeck an der Talstraße und in Bergkamen auf dem ehemaligen Zechengelände Grimberg 3/4. „Wir prüfen außerdem Standorte in Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Kamp-Lintfort, Lünen, Issum und Recklinghausen“, berichtete Tönjes. In einigen dieser Kommunen sind mehrere RAG-Flächen als potenzielle Standorte für die Unterbringung von Flüchtlingen im Gespräch. Zeitpläne für die Eröffnung neuer Unterkünfte gebe es schon auf Grund der Dynamik der Ereignisse nicht. Im Vordergrund stehe die unbürokratische Hilfe, hieß es bei der RAG. Die Kosten des Unternehmens werden „in etwa gedeckt“. Die Aufgabe, auf Standorten und in leer stehenden ehemaligen Betriebsgebäuden des Bergbaus kurzfristig Flüchtlingsunterkünfte zu errichten, sei sehr komplex. Dabei gehe es unter anderem um Themen wie Sicherheit, Hygiene und Nachbarschaft. Bei den RAG-Mitarbeitern gebe es großes Engagement, in dieser Ausnahmesituation mitzuhelfen.

Evonik spendet eine Million Euro

Angesichts des Zustroms an Flüchtlingen und der daraus erwachsenen Herausforderungen stellt der Essener Chemiekonzern Evonik eine Soforthilfe in Höhe von einer Million Euro bereit. Das Geld soll vorrangig in Hilfsprojekte für Flüchtlinge an den deutschen Standorten des Unternehmens fließen. Der RAG-Vorstand beschloss am Wochenende eine Spende des Unternehmens in Höhe von 50 .000 Euro. Der RAG-Betriebsrat zeigte sich zuversichtlich, weitere 50 000 Euro durch Spenden aus der Belegschaft beizusteuern.

„Europa und die Kommunen in unserem Land stehen in ihrer größten Bewährungsprobe seit Jahrzehnten“, sagte Evonik-Vorstandschef Klaus Engel. „Wir können nicht so tun, als ginge uns das nichts an, wenn ertrunkene Kinder an die Küsten des Mittelmeeres gespült werden und verzweifelte Menschen durch Europa ziehen, auf der Suche nach einer friedlichen Zukunftsperspektive.“

„Auch hoch qualifizierte Menschen auf der Flucht“

Engel zeigte sich beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft vieler Menschen in Deutschland. Mit Blick auf die Flüchtlinge sagte er: „Viele der Menschen, die jetzt zu uns kommen, werden bleiben.“ Deshalb müssten jetzt Initiativen auf den Weg gebracht werden, die zur Integration der Flüchtlinge beitragen. Ausbildungs-, Beschäftigungs- und Sprachangebote sollten dabei vorrangig gefördert werden. Hierzu hat Evonik eigens eine Arbeitsgruppe eingerichtet.

Michael Schmidt, Vorstandschef der Bochumer BP Europa (Aral) und Bildungsbeauftragter des Initiativkreises Ruhr, hatte unlängst betont, die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, könnten den Arbeitsmarkt durchaus bereichern. „Natürlich befinden sich auch hoch qualifizierte Menschen auf der Flucht, die mit einer guten Ausbildung ausgestattet sind“, sagte Schmidt. Eine entscheidende Frage sei also die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen.

 
 

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