Bauern klagen über Mangel an Erntehelfern

DerWesten
Foto: frank vinken

Brüssel. Deutschlands Landwirte finden nicht mehr genug Männer und Frauen, die ihnen beim Spargelstechen, bei der Weinlese oder bei der Apfelernte helfen. „Wir erwarten, dass einige Landwirte im nächsten Jahr aus diesem Grund ihre Produktion einschränken müssen“, warnt der zuständige Referent beim Deutschen Bauernverband, Burkhard Möller.

Für Januar bis September meldet die Bundesanstalt für Arbeit nur noch knapp 263000 Arbeitsverfahren für ausländische Saisonarbeitnehmer, gut fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Insbesondere aus Polen, traditionell das mit Abstand wichtigste Herkunftsland von Erntehelfern, kamen in diesem Jahr weniger Kräfte – nur noch 180000 nach zuvor 224000. Der Zuwachs an Landwirtschaftshilfen aus Rumänien und Bulgarien konnte diesen Rückgang nicht kompensieren.

Schmerzgrenze erreicht

Selbstverständlich könne man behaupten, die Bauern bezahlten nicht genug Lohn, aber da sei „längst die Schmerzgrenze erreicht“, verteidigt der Bauernverband seine Mitglieder. Gewiss habe auch die ungünstige Entwicklung des Wechselkurses von Euro und Zloty dazu beigetragen, dass der Anreiz für Polen gesunken sei, auf deutschen Äckern zu arbeiten. Die Lobby jedoch macht vor allem die defensive Haltung der Bundesregierung gegenüber der Freizügigkeit von Arbeitnehmern in Europa verantwortlich. Deutschland hat seine Grenzen für Arbeitnehmer aus den osteuropäischen Nachbarstaaten noch nicht geöffnet, sondern hält am System von Arbeitserlaubnissen fest – und damit an einem Hindernis, das Osteuropäer abschrecke, nach Deutschland zu kommen.

Die Bauernlobby fordert, dass Berlin die Übergangsbestimmungen im nächsten Frühjahr nicht noch einmal um zwei Jahre verlängert. Außerdem soll sie sich um bilaterale Verträge mit Weißrussland und der Ukraine bemühen, um den Einsatz von Arbeitskräften aus diesen Ländern zu erleichtern. „Bislang haben sich die Bauern dadurch geholfen, dass sie die Arbeitszeiten erhöht oder rationalisiert haben“, erklärt der Vertreter des Bauernverbands. Sollten jedoch die Zahlen der Erntehelfer aus dem Osten weiter sinken, sei es nicht mehr möglich, in gleichem Umfang zu produzieren.

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