Bahn kämpft mit renovierten IC-Zügen gegen Privat-Konkurrenz

Thomas Rünker
So sehen die renovierten Intercity-Wagen aus...
So sehen die renovierten Intercity-Wagen aus...
Foto: Deutsche Bahn
Ab dem Fahrplanwechsel sollen auf der Strecke Hamburg-Rhein/Ruhr-Stuttgart ausnahmslos Intercity-Züge mit Wagen rollen, deren Ausstattung dann ICE-Niveau haben soll. Außerdem führt die Bahn dann ein neues Reservierungssystem ein, so dass man bei Buchungen im Internet mit Hilfe einer Wagenskizze seinen Wunsch-Platz reservieren kann. Für den nächsten Sommer verspricht der Staatskonzern zudem ein Ende mit den leidigen Klimaanlagen-Ausfällen

Hamburg. Mit einer Qualitätsoffensive reagiert die Bahn ab Dezember auf den Angriff der privaten Konkurrenz im Fernverkehr zwischen der Rhein-Ruhr-Region und Hamburg. Gleichzeitig will sie mit der lange angekündigten Möglichkeit, zumindest via Internet seinen Wunsch-Sitzplatz im ICE zu reservieren, beim Kunden punkten. Zudem sollen im kommenden Sommer keine Klimaanlagen mehr ausfallen, kündigte die Bahn an.

In Hamburg präsentierte der Staatskonzern am Donnerstag den ersten der umgebauten Intercity-Züge, mit denen er ab dem Fahrplanwechsel auf der stark nachgefragten Strecke Köln-Hamburg der privaten Konkurrenz Paroli bieten will. Seit Juli ist hier der HKX unterwegs, für den Herbst hat das Unternehmen MSM eine weitere Verbindung angekündigt. „Wir wollen besser sein“, kündigte der Vorstandschef des DB-Fernverkehrs Berthold Huber an.

Velours und Leder

Mit einer Investition von 250 Millionen Euro renoviert die Bahn ihre bis zu 40 Jahre alte Intercity-Flotte und macht die Züge bequemer für die Passagiere. Insgesamt 770 Waggons werden überholt. Die teils stark abgenutzten Züge, sollen an den Standard der modernen ICEs angepasst werden, verspricht Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Unter anderem würden 46 000 Sitze mit Verloursstoff in der 2. und Lederbezug in der 1. Klasse eingebaut. Zudem würden Steckdosen installiert, Wandverkleidungen, Tische, Bistros und 42 000 Quadratmeter Teppich ausgetauscht. Ab 9. Dezember werden die neuen Wagen auf der IC-Linie Hamburg-Rhein/Ruhr-Stuttgart eingesetzt. Die übrigen Linien sollen folgen.

Die IC-Verbindungen sind das zweitwichtigste Produkt im Personenfernverkehr der Bahn: Mit 53 Millionen Fahrgästen im Jahr machen sie 40 Prozent aller Passagiere aus. Die renovierten IC-Wagen sollen noch zehn bis 15 Jahre halten. Ab 2016 werden sie nach und nach von 300 komplett neuen, insgesamt sechs Milliarden Euro teuren Zügen vom Typ ICx abgelöst.

Bis dahin will die Bahn nicht warten, um ihr leidiges Klimaanlagen-Thema zu begraben. „Wir sind zuversichtlich, dass wir einen stabilen Betrieb haben werden“, kündigte Homburg für den Sommer an – dann seien auch in den letzten Zügen der anfälligen ICE-2-Reihe (unter anderem Ruhrgebiet-Berlin) alle Anlagen ausgetauscht.

Wenn ab 9. Dezember die Möglichkeit startet, beim Buchen einer Internetfahrkarte mit Hilfe einer Wagenskizze gleich seinen Wunschplatz zu buchen, sind indes gerade diese Züge noch nicht dabei. Für alle anderen ICE verspricht die Bahn dann einen Buchungsservice wie bei Fluglinien. Da dies für einen Zug jedoch deutlich komplizierter ist als für ein Flugzeug, mag sich die Bahn noch nicht dazu äußern, wann der Service auf andere Zugtypen – etwa die neuen ICs ausgeweitet werde. (mit dapd)