Ausbeutung bei Burger-King? Gewerkschaft geht an Rhein und Ruhr auf die Straße

Daniel Schreckenberg
Beim Startschuss der bundesweiten Burger-King-Kampagne informierte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Essener Innenstadt über die Arbeitsbedingungen bei Burger King. 300 Essener solidarisierten sich mit der Gewerkschaft und trugen sich in eine Unterschriftenliste ein.
Beim Startschuss der bundesweiten Burger-King-Kampagne informierte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Essener Innenstadt über die Arbeitsbedingungen bei Burger King. 300 Essener solidarisierten sich mit der Gewerkschaft und trugen sich in eine Unterschriftenliste ein.
Foto: Guido Zeitler
Lohn gibt's zu spät, Krankengeld gar nicht und bei Beschwerden droht die Kündigung: So soll der Alltag vieler Burger-King-Mitarbeiter aussehen. Um auf Missstände aufmerksam zu machen, startete die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten nun eine Kampagne gegen einen Betreiber der Fast-Food-Kette.

Essen. Seit Monaten liegt Burger-King mit seinem Personal im Clinch. Genauer gesagt die Beschäftigten der ehemaligen Burger-King GmbH und deren Geschäftsführer. Arbeitsgerichte befassen sich seitdem mit Klagen von und gegen den neuen Besitzer, die Yi-Ko Holding an deren Spitze Unternehmer Ergün Yildiz steht.

Und nun hat dieser Streit auch die Straße erreicht: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die hinter den rund 3000 Beschäftigten der größten deutschen Franchise-Gruppe steht, hat zu einer bundesweiten Kampagne gegen das Fast-Food-Unternehmen aufgerufen. Sie klagt über die Ausbeutung ihrer Mitglieder durch den neuen Eigentümer.

Startschuss war am Mittwoch vor der Essener Filiale in der Innenstadt. "Wir wollen die Passanten auf der Straße über die Arbeitsbedingungen informieren", erklärt Guido Zeitler, zuständiger Referent für Hotels und Gaststätten bei der NGG. Mit einem Informationsstand positionierten sich die Gewerkschaftler nur wenige Meter vom vielfrequentierten Burger-Laden an der Kettwiger Straße.

Dort kamen Zeitler und seine Mitstreiter in den Dialog mit Burger-King-Kunden und Passanten, sprachen über ihre Kernanliegen: "Dialog zwischen Arbeitnehmern und der Geschäftsführung und die Einhaltung der Tarifverträge." Denn gerade bei letzterem läuft nach Ansicht des Gewerkschafters vieles falsch.

Betriebsrat in Wattenscheid klagt über unrechtmäßige Kündigungen

Zum Hintergrund: Seit der Übernahme von 91 Burger-King-Filialen durch Holding-Chef Ergün Yildiz im März dieses Jahres klagen Mitarbeiter und Betriebsräte über Verspätungen bei der Lohnauszahlung, über falsche Berechnung von Krankengeld und fehlende Zuschläge bei Nacht- und Mehrarbeit.

Die größtenteils teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmer sollen ihren Lohn seit Monaten etwa erst mit bis zu zehntägigen Verspätungen ausgezahlt bekommen haben: "Wer in dieser Lohnklasse arbeitet, hat für so etwas keine Reserven zur Verfügung", klagt Zeitler.

Auch soll die Betriebsrats-Arbeit in vielen Städten massiv gestört worden sein. "Da wird dann schnell auch mit Kündigung gedroht", weiß Zeitler. Letztes regionales Beispiel waren da etwa die Vorfälle in einer Wattenscheider und einer Dortmunder Burger-King-Filiale. Doch auch in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, den Bundesländern, in denen die Yi-Ko Holding die meisten seiner Geschäfte führt, mehren sich Klagen und Probleme, wie Zeitler offenbart.

Nachfragen, was die Yi-Ko Holding auf die Anschuldigungen seitens des Betriebsrates zu sagen hat, verlaufen indes im Sand. Die Geschäftsführung in Stade möchte zu den Protestaktionen keinerlei Auskünfte geben. Auch Burger King Deutschland fühlt sich für die Thematik nicht zuständig.

Unterschriftenlisten sollen der Geschäftsführung vorgelegt werden

Dass sich die Probleme der Mitarbeiter nicht nur in den Gerichtssälen und in den Zeitungsspalten abspielen, dafür soll nun die NGG-Kampagne sorgen: Neben Informationen liegen auch Unterschriftenlisten aus. Diese wollen die Gewerkschaftler am Ende der Geschäftsführung übergeben. 300 Essener setzen innerhalb einer Stunde ihre Unterschrift aufs Papier, bekundeten so Solidarität mit den Burger-King-Angestellten.

Auch heute sind wieder Protestaktionen geplant: "Nach Essen, werden wir nun in Düsseldorf und Ratingen unterwegs sein", erklärt Zeitler. Am Mittag geht es in der Landeshauptstadt zunächst auf die Erkrather Straße, gegen 15 Uhr wird man weiter nördlich in Ratingen auf der Kaiserwerther Straße anzutreffen sein. Hier befinden sich die Filialen allerdings, anders als die Essener, in einem Industriegebiet. "Wir werden daher andere Dinge unternehmen müssen, um von den Anliegern gehört zu werden. Etwa Info-Flyer, die wir an die Autofahrer verteilen", verrät Zeitler seine Pläne.

Insgesamt 18 Regional-Büros der Gewerkschaft, in deren Gebiet sich eine Filiale der Yi-Ko Holding befindet, werden bei den Aktionen mitmachen. Diese planen sie allerdings jeweils eigenständig. Zeitler: "Wir wollten nicht an einem Tag überall etwas machen. Vielmehr verteilen sich die Informationsveranstaltungen auf die nächsten paar Wochen."

Die Yi-Ko Holding betreibt in der Region unter anderem Filialen in Köln, Leverkusen, Bochum, Wattenscheid, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen und Oberhausen.